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Wieland Speer, hier mit Claire Neyer aus Strasburg, die derzeit ein Praktikum im Bereich Sport- und Eventmanagement absolviert, unterstützt die „Fridays For Future“-Gruppe Hochtaunus.

Vorbild Greta Thunberg

Für eine Zukunft, in der es sich zu leben lohnt: Schüler gründet Fridays for Future Gruppe Taunus 

Im Hochtaunus gründet der Schüler Paul die Fridays for Future Gruppe Taunus. In der Ober-Erlbacher Gaststätte "Zum Wingert" treffen sie sich.

Bad Homburg – Freitags streiken dort und an vielen anderen Orten in der Republik Schüler für den Klimaschutz. Sie gehen an diesem Tag bewusst nicht in die Schule, um ein Zeichen zu setzen. So, wie ihr Vorbild, die schwedische Schülerin Greta Thunberg. Die sagt: „Warum sollte ich für eine Zukunft studieren, die es möglicherweise bald nicht mehr gibt?“ 

Seit Sommer 2018 streikt die junge Klima-Aktivistin fast jeden Freitag vor dem Stockholmer Parlament. Ihr Einsatz für eine konsequente Klimapolitik hat international immense Beachtung gefunden. Die von ihr ausgelösten „Schulstreiks für das Klima“ sind inzwischen zur globalen Bewegung „Fridays For Future“ gewachsen. Denn sie spricht Tausenden jungen Menschen aus der Seele. 

Auch Paul (13). Der Schüler aus dem Hochtaunuskreis hatte sich seit Anfang dieses Jahres intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt und befunden, dass es an der Zeit wäre, auch eine eigene „Fridays-For-Future“-Regionalgruppe Hochtaunus zu gründen. Im Internet fand er auf der Homepage der Bewegung Hilfe. Dort bekommen Interessierte nämlich Unterstützung beim Aufbau von Gruppenchats über die Messenger-Dienste WhatsApp oder Telegram. Paul legte eine WhatsApp-Gruppe an. Mit seinem Kumpel Lennart (13) als erstem Gruppen-Teilnehmer. Es folgten schnell viele andere. Manche, die die beiden Jungs darauf angesprochen hatten, ob sie sich ihnen nicht würden anschließen wollen, aber auch andere – nicht nur Teenager –, die über die Homepage den Link zur Regionalgruppe Taunus gefunden hatten. So wie zum Beispiel Rieke (54). Sie sagt: 

Fridays For Future: Regionalgruppe Taunus gegründet

„Ich hatte mir schon die ganze Zeit überlegt, dass ich mehr für den Umweltschutz machen wollte als bei regelmäßigen Müllsammelaktionen teilzunehmen. Ich wollte etwas machen, das mehr Impact hat“, größere Schlagkraft und Reichweite also. Constantin (17) wollte schon früh umweltpolitische Verantwortung auch für künftige Generationen übernehmen und trat schon im Alter von 14 Jahren der Grünen Jugend bei. „Zum Wählen war und bin ich noch zu jung, aber ich wollte in jedem Fall aktiv sein – und das schien mir ein guter Weg.“

Als er dann im vergangenen Jahr von Greta Thunberg gehört habe, sei ihm schnell klar geworden, dass ihr Engagement etwas sei, das er selbst auch unterstützen wollte – und fortan auch tat. Bevor die Frage kommt, wie das denn nun mit dem freitags-nie-in-die-Schule-Gehen so klappt, sagt er: „Schulisch konnte und kann ich mir das leisten. Ich bin ein guter Schüler. Klar, ich merke schon, dass ich viel nacharbeiten muss. Aber das ist die Sache wert.“ Es sei wichtig, Präsenz zu zeigen für etwas, das so „unabdingbar wichtig ist für unser aller Zukunft wie der Klimaschutz“.

Fridays For Future Gruppe Hochtaunus trifft sich in Ober-Erlenbach

Das sehen auch die anderen der rund 20 Teilnehmer, die am vergangenen Montagabend zum ersten Treffen der „Fridays-For-Future“-Gruppe Hochtaunus nach Ober-Erlenbach in die Gaststätte „Zum Wingert“ gekommen sind, so. „Die Klimakrise ist eine echte Bedrohung für unsere Zukunft. Wir müssen den Klimawandel und die Fehler der vorhergehenden Generationen ausbaden“, sagt Paul. Er hat als „Administrator“ der Whats App-Gruppe das Treffen vorgeschlagen – und Wieland Speer (56) hat ihm bei der Organisation geholfen. Er kennt nämlich Marco Fadda, den Wirt der Gaststätte der SG Ober-Erlenbach, „Zum Wingert“ in der Seulberger Straße 75.

 „Ich komme hier oft zum Fußballschauen, ich habe daheim nämlich kein Sky“, sagt Speer lachend. Jedenfalls: Als Paul damit geliebäugelt hatte, mal ein Treffen mit seinem „Team“ anzuberaumen und eben auch mal von Angesicht zu Angesicht und nicht nur über WhatsApp zu kommunizieren, fragte Speer Fadda, und der machte eigens für die Truppe die Gaststätte auf. „Cool“, sagen die jungen Leute. Leute muss man eben kennen – und das tut Speer. Kein Wunder. 

Er ist nämlich Vorstandreferent beim Kreisjugendring Hochtaunus, dem ein Dutzend Jugendvereine angeschlossen sind, von den Pfadfindern über das Jugendrotkreuz bis hin zur Sportjugend. Der Mann ist vernetzt – und kam so auch zur „Friday-for-Future“-Gruppe Hochtaunus. „Ich gehöre ja selbst zur Generation, die mit-verantwortlich ist für die aktuelle Klimakrise. 

Hochtaunus-Gruppe möchte einen Effekt erzielen

Es ist mir deswegen wichtig, selbst ein Zeichen zu setzen und zu sagen, dass es so nicht weitergeht.“ Und die Europa-Wahl habe gezeigt, „dass zum Glück viele so denken“. Auch Constantin ist vom Wahlergebnis begeistert. „Der Erfolg für die grüne Bewegung ist wunderbar. Ich denke, hier haben Greta Thunberg und ,Fridays For Future‘ einen echten Effekt erzielt.“

Einen echten Effekt erzielen – darum geht es auch der Hochtaunus-Gruppe. Paul und seine Mitstreiter planen nämlich, nicht nur künftig an Demonstrationen in Frankfurt teilzunehmen, sondern eigene im Hochtaunuskreis zu veranstalten. Der genaue Ort steht noch nicht fest, aber als Termin steht Freitag, 28. Juni, der letzte Schultag vor den Sommerferien, im Raum. 

Das ist übrigens auch der Termin, an dem der Kreisjugendring im Oberurseler Rushmoorpark seinen 40. Geburtstag mit einer Party zu feiern gedenkt. Wenn da mal nicht viele junge Leute zusammenkommen. . . Weitere Informationen über die „Fridays For Future“-Gruppe Hochtaunus gibt es im Internet unter https://fridaysforfuture.de/regionalgruppen/

Von Sabine Münstermann

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