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Der Bad Homburger Golfplatz sorgt weiter für Diskussionen. Dennoch ist man sich einig dass der Stadtwald nicht angetastet werden soll.

Zukunftspläne mit Handicap

Neue Diskussionen um den Bad Homburger Golfplatz - der Stadtwald soll nicht angetastet werden

Der Bad Homburger Golfplatz sorgt weiter für Diskussionen. Dennoch ist man sich einig dass der Stadtwald nicht angetastet werden soll.

Bad Homburg - Eigentlich sollten die Ausschussmitglieder am Dienstagabend nur zur Kenntnis nehmen, dass die Verwaltung eine Machbarkeitsstudie zur Erweiterung des Golfplatzes in Auftrag gibt. Doch wenn es um den Golfsport in der Kurstadt geht, muss man immer damit rechnen, dass irgendwo ein Kaninchen aus dem Hut gezaubert wird. Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) hat da trotz der mehrfachen Versicherung, dass der „Stadtwald nicht angetastet wird“, derzeit ein sicheres Händchen. 

Bad Homburger Golfplatz - Lichtungen oder Schneisen könnten einbezogen werden

Diesmal brachte er in die Diskussion überraschend ein, dass in der langfristigen Machbarkeitsstudie auch überlegt werden solle, in wie weit „bestehende Lichtungen oder Schneisen“ für künftige, langfristige Lösungen miteinbezogen werden könnten – „ohne Eingriffe in den Stadtwald“, das eine schließe das andere nicht aus. „Wenn ich höre, dass man Sturmschäden dazu nutzen will, den Platz zu erweitern, stellen sich mir die Nackenhaare auf“, bekannte Daniela Kraft (Grüne). 

Sie fürchte, dass das nicht das Ende der Fahnenstange sei. „Die Schneisen würden, ließe man sie nur in Ruhe, wieder zu Wald.“ Und warum bezahle die Stadt überhaupt die Studie?, wollte sie wissen. Weil die als Arbeitsgrundlage für Diskussionen dienen soll, entgegnete Hetjes. „Wenn das Parlament einen Auftrag gibt, müssen wir, in diesem Fall die Stadtplanung, das bezahlen.“ Das sei nicht unüblich und bereits beim Hockey-Club zum Tragen gekommen, als es um die Umwandlung zweier kleiner Plätze in einen Kunstrasenplatz gegangen sei. 

Golfplatz soll auf Par 72 erweitert werden 

Armin Johnert (BLB) hatte zuvor ein anderes Anliegen vorgetragen, weswegen sich die Diskussion überhaupt entspann. Bevor es um die langfristige Zukunft des Golfplatzes und eine mögliche Erweiterung auf Par 72 gehe, so ein Antrag der Bürgerliste, solle der Club seine kurzfristigen Pläne der Politik erläutern, mit denen er auf Par 69 kommen will. Heißt: Bevor ein Planungsbüro beauftragt wird, soll der Club liefern. 

Dass der städtebauliche Vertrag, der derzeit beim RP liegt und eine Einbeziehung der Streuobstwiese vorsieht, den Weg in die Politik findet, musste Johnert nicht mehr fordern – das passiert laut Hetjes automatisch. Der Rathauschef goutierte den Antrag ansonsten, immerhin gehe es bei der Machbarkeitsstudie um einen Horizont von 10 bis 15 Jahren. Letztlich wurde der Antrag bei Enthaltung von Kraft einstimmig angenommen.

BI "Rettet den Bad Homburger Stadtwald", kritisiert den Golfclub

Die Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Bad Homburger Stadtwald – jeder Baum zählt!“ kritisiert die Pläne des Golfclubs, das Chipping-Green auf einer bisherigen Streuobstwiese zu errichten. „Hier sollen eilig Fakten auf dem Weg zum internationalen Standard geschaffen werden“, sagt die BI-Vorsitzende Heike Bergmeier. „In Zeiten des Klimawandels und einer fortschreitenden Flächenversiegelung in Bad Homburg müssen wir sorgsam mit unseren noch vorhandenen Naturressourcen umgehen“, so Bergmeier. 

Das gilt nach Meinung der BI auch für die jetzt bei den Golfplatzplanern ins Visier geratenen Streuobstwiesenbestände an der Straße Im Langenfeld. Laut gültigem B-Plan 66 und Golfplatzpflegewerk sei der Golfclub verpflichtet, dieses gesetzlich geschützte Biotop zu erhalten und zu pflegen. 

Vieles sei jedoch verbuscht. Wenn wegen dieser Verbuschung die Wertigkeit des Geländes infrage gestellt werde und die „minderwertige Fläche“ als Chipping-Green herhalten soll, „dann hat sich der Golfclub die Rodungsvoraussetzung selbst geschaffen“, heißt es in einer Stellungnahme der BI zum TZ-Artikel am vorigen Samstag. So gehe es nicht. Die BI habe sich das Gelände angesehen und dort ein lebendiges ökologisches Kleinod mit lichtem Eichenmischwald entdeckt. „Auch hier müssten an die hundert Bäume gefällt werden. Stattdessen ist der Charakter des gesetzlich geschützten Biotops vom Golfclub wiederherzustellen“, so Bergmeier.  

Von Harald Konopatzki

Kommentar zum Bad Homburger Golfclub

Gut gemeint ist nicht automatisch gut gemacht. In den vergangenen drei Monaten ist in der Golfplatz-Diskussion schon viel Porzellan zerschlagen worden. Schnellschüsse, mangelhafte Kommunikation gegenüber Politik und Öffentlichkeit sowie daraus resultierende Missverständnisse haben sie emotional aufgeladen, der Sache dienlich waren sie allesamt nicht. Der OB wäre gut beraten, sich jetzt mit wegweisenden Vorschlägen zurückzuhalten. Evaluierung statt Vision, Analyse statt Versprechen.

 Ein paar Wochen ohne neue kreative Lösungsvorschläge könnten Wunder wirken. Es geht dabei nicht darum, die Kritiker zu ermüden, sondern darum, endlich Ruhe in die Diskussion zu bringen. Die braucht es, um das sensible Projekt professionell anzugehen. Wenn die Fachleute ihre Arbeit gemacht haben und die Machbarkeitsstudie vorliegt, wird noch genug zu diskutieren sein.

Von Harald Konopatzki

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