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Die Bad Homburger Maria-Scholz-Schule soll im Schuljahr 2020/21 fertig sein. Warum es zu einem Zeitverlust kam. 

Viel Platz für Förderschüler 

Der Rohbau steht: Nächstes Jahr soll die Maria-Schulz-Schule fertig sein

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Die Bad Homburger Maria-Scholz-Schule soll im Schuljahr 2020/21 fertig sein. Warum es zu einem Zeitverlust kam. 

Bad Homburg - Es sind nur knapp 400 Quadratmeter mehr, aber optisch sind es Welten, die den Neubau der Maria-Scholz-Schule (MSS) vom Gebäude der früheren Pestalozzi-Schule trennen, in der die MSS derzeit beheimatet ist. In Sichtweite der alten Schule an der Wiesbadener Straße sind drei Gebäude entstanden, in die vom Schuljahr 2020/21 an die Grundschule ziehen wird.

Im vergangenen Schuljahr hatte die MSS 251 Schüler, 97 davon waren Sprachheilschüler. Im Neubau werden bis zu 300 Mädchen und Jungen unterrichtet werden. Anstatt knapp 4800 heute wird die Grundschule mit Förderschwerpunkt (siehe auch Box) dann 6165 Quadratmeter Nutzfläche haben.

Die Prognosen gehen für die nächsten Jahre von steigenden Schülerzahlen aus. Zuletzt hieß es, dass es im Grundschulbereich in Kirdorf bis 2022 zwölf Prozent mehr Kinder geben wird als heute. Der Hochtaunuskreis, der Schulträger ist, hat gehandelt und mit der Stadt Bad Homburg durch einen größeren Grundstückstausch (siehe Box links) Platz für den Schulneubau hinter der neuen Feuerwache, am Rande des Festplatzes geschaffen.

Die Gebäude sind großzügig geplant wie andere neue Schulen im Kreis auch. Wer ins Hauptgebäude kommt, steht in einem Atrium, das von neun quadratischen Dachfenstern erhellt wird. Unten werden die Küche und ein großer Speisesaal mit mobilen Trennwänden angeordnet sein. In den beiden Obergeschossen werden die Klassenzimmer zu finden sein. Natürlich werden alle Gebäude nach neuesten Brandschutzerfordernissen geplant und umgesetzt. Ein Rundlauf durch alle Räume gewährleistet den Zugang zu zwei seitlichen Treppenhäusern für den Fall, dass der mittig gelegene Aufgang verqualmt sein sollte. Eine Lüftungsanlage soll dafür sorgen, dass auch bei großer Hitze Unterricht stattfinden kann.

Bad Homburger Maria-Scholz-Schule: Atrium mit Oberlichtern

Nach dem gleichen Schema - mit (kleinerem) Atrium, dem Dachfenster-Quadrat und einer seitlichen Treppe - ist auch das angrenzende Betreuungszentrum aufgebaut. Hier können Schüler, deren Eltern das möchten, nach Unterrichtsschluss in bis zu vier Gruppen beschäftigt werden. Ein Aufzug bringt gehbehinderte Kinder in den ersten Stock.

Das dritte Gebäude ist zum Turnen da; es wird ebenfalls barrierefrei. Die Halle ist einen halben Meter höher als andere Hallen in der Größe. "Darauf hat die Stadt Wert gelegt", erläutert Erhard Wolf, Teamleiter Hochbau beim Kreis. Denn nach Schulschluss wird das Gebäude für den Vereinssport gebraucht - unter anderem für Volleyball, daher die Höhe.

Man hätte der Stadt gern einen hinteren Zwickel vom Festplatz abgekauft, um den Schulhof größer zu machen, erklärt Wolf. Die Schule selbst sollte schon früher fertig sein und auch weniger gekostet haben. "Aber wir hatten einen problematischen Untergrund", erläutert Projektleiter Wolfgang von Gehlen. 

Zunächst war es so, dass die alte Feuerwache und auch die davor errichteten Container länger standen, da erst ein Platz für die darin lebenden Flüchtlinge gefunden werden musste. Nachdem die Wache Ende 2017 geräumt und vom Kreis abgerissen worden war, habe man stark belastete Böden vorgefunden, so Wolf: "Die alte Feuerwache hatte hier eine Tankstelle." Schicht um Schicht wurde die schadstoffhaltige Erde ausgekoffert.

Weitere Herausforderungen warteten. Durch Schichtenwasser war der Boden streckenweise so weich, dass darauf nicht gebaut werden konnte. Per Rüttelstopfsäule wurde eine Spezialgründung geschaffen. Nun entsteht hier, unter dem künftigen Lehrerparkplatz, ein 400 Kubikmeter großes Wasserbecken für eine Eisspeicherheizung. Zudem ist ein Regenrückhaltebecken (100 Kubikmeter) vorgesehen.

Wer künftig beim Laternenfest mit dem Riesenrad fährt, wird sehen, dass die MSS - neben der Lüftungsanlage - ein begrüntes Dach hat. Von der Seite soll sie dunkler werden: Geplant ist eine anthrazitfarbene Betonziegelfassade. In neuerlicher Berechnung hat der Kreis für den Neubau 20,2 Millionen Euro eingeplant.

Maria-Scholz-Schule: der Mega-Deal

2015 vereinbarten der Hochtaunuskreis und die Stadt Bad Homburg, die Grundstücke der alten Feuerwache (Schwalbacher Straße) und der jetzigen MSS in der Wiesbadener Straße (früher: Pestalozzischule) mitsamt Gebäuden zu tauschen. Auf dem Gelände der MSS sollen einmal Wohnungen entstehen - ebenso wie auf dem Vickers-, dem alten Klinikareal sowie dem Gelände der früheren Kerschensteiner-Schule, deren Entwicklung auch Teil des Deals war.

Altes Gebäude bleibt vorerst stehen

Die Maria-Scholz-Schule (MSS) in der Wiesbadener Straße, künftig Schwalbacher Straße, ist eine zweizügige Grundschule der Klassen 1 bis 4 mit einem Sprachheilzweig (Vorklasse bis Klasse 6). Um die Schulform zu vereinheitlichen und die Inklusion voranzutreiben, soll die MSS nach Willen des Kreises zu einer Grundschule mit Abteilung für Sprachheilförderung umorganisiert werden. Sprachheilklassen für die Jahrgänge 5 und 6 gäbe es dann nicht mehr; die Sprachheilschüler würden wie andere Jugendliche dann in eine 5. Klasse der Regelschule wechseln. 

Dies muss das Regierungspräsidium noch genehmigen; das Vorhaben könnte aber laut Kreis schon nach den Sommerferien umgesetzt werden. Das alte Gebäude in der Wiesbadener Straße soll erstmal nicht abgerissen werden, da es als Ausweichquartier für andere Schulen gebraucht wird, die saniert werden. Langfristig sollen auf dem MSS-Areal an der Wiesbadener Straße Wohnungen entstehen. Einen B-Plan gibt es laut Stadt noch nicht. "Die Planungen für das Areal ruhen", so Rathaussprecher Andreas Möring. 

Von Anke Hillebrecht

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1000 Grundschüler mehr erwartet

In den kommenden fünf Jahren rechnet der Kreis als Schulträger mit mehr Schülern im Hochtaunus. Dem soll der neue Schulentwicklungsplan für die Jahre 2019 bis 2024 Rechnung tragen. Der Entwurf sieht auch ein erweitertes Angebot für den gymnasialen Zweig sowie eine praktizierte Inklusion vor.

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