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Rechts der Bahnhof, vorne die Basler Straße: So könnte der dort geplante Unterhaltungskomplex aussehen.

BLB bleibt skeptisch

Alte Post in Bad Homburg: Kino und Parkhaus sind beschlossene Sache

Mit großer Mehrheit hat die Stadtverordnetenversammlung am vergangenen Donnerstag dafür gestimmt, das Post-Areal am Bahnhof an Procom zu veräußern. Das Unternehmen soll dort ein Gebäude mit Kino, Parkhaus, Club und Einzelhandel errichten. Für Letzteren gibt es Einschränkungen.

Bad Homburg - Der Investor trägt das finanzielle Risiko selbst – das ist der große Vorteil an der Firma Procom Invest GmbH & Co. KG. Mit ihr wird die Stadt jetzt einen Kaufvertrag für das Brachgelände am Bahnhof aushandeln, auf dem einst die Post stand. Der Deal beinhaltet, dass Procom dort einen Unterhaltungskomplex mit Kino, Club, Parkhaus und – auf Wunsch von Procom – Einzelhandelsflächen errichtet und dass das Unternehmen damit bald startet. Den finalen Kaufvertrag will OB Alexander Hetjes (CDU) den Stadtverordneten im Juni vorlegen.

In ihrer jüngsten Sitzung haben die Parlamentarier mit großer Mehrheit für den Start der Verhandlungen gestimmt. Lediglich die Bürgerliste Bad Homburg (BLB) beäugt den Investor skeptisch und will sicherstellen, dass die Flächen für den Einzelhandel (EH) klein bleiben, um keine Konkurrenz für Geschäfte im Umkreis zu bilden.

Altes Post-Areal in Bad Homburg: Parkhaus, Kino, Club

Den BLB-Änderungsantrag trug der Rest des Parlaments aber einstimmig mit. Danach dürfen die EH-Flächen 800 Quadratmeter nicht übersteigen. Auch dürfen Kino- und Clubflächen nicht in EH umgewandelt werden. Dies zu beschließen sei „unschädlich“, sagte CDU-Fraktionschef Oliver Jedynak, der ohnehin keine Konkurrenzgefahr für Homburger Läden oder Lokale sieht. Pendler aus den Firmen hinterm Bahnhof, die sich in einem am Bahnhof vielleicht entstehenden „Rewe to go“ ein Sandwich holten, liefen ohnehin nicht über die Louisenstraße. Und auch ein großes Bekleidungsgeschäft werde dort nicht eröffnen.

Post-Areal an Investor Procom verkauft

Nun gehe es einen Schritt voran mit dem lange geplanten Kino, freute sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Jürgen Stamm. Und der Bahnhof sei auf dem Weg, als Teil der Innenstadt wahrgenommen zu werden. In seiner Jugend habe Bad Homburg vier Discos gehabt und die Tennis-Bar; „es ist höchste Zeit, der Jugend nun etwas anzubieten“. Und etwaiger Lärm werde hier auch niemanden stören.

„Ende gut, alles gut“, befand auch die Grünen-Fraktionsvorsitzende Daniela Kraft. Dass es so kommen würde, habe man ja „nicht zu hoffen gewagt“. Bald werde es am Bahnhof endlich das erträumte Angebot für Jüngere geben.

Die FDP sei dabei, „aber ohne Hurra“, wie Philipp Herbold sagte. Die Liberalen hätten sich gewünscht, dass auf die Risikoverteilung schon von Anfang an besser geachtet worden wäre, sagte er und spielte auf die gescheiterten Verhandlungen mit dem vorherigen Investor ab, der das Risiko auf die Stadt abwälzen wollte. Herbold wünschte dem Magistrat nun ein „gutes Händchen bei den Verhandlungen“, warnte jedoch, es nicht zu kompliziert zu machen. „Eine EU-weite Ausschreibung wollen wir vermeiden.“

Die BLB hat außer der Konkurrenzgefahr für die Homburger Einzelhändler auch einen anderen Nachteil im Blick. „Wir hätten hier gern ein modernes Kongresszentrum gehabt“, sagte Fraktionschef Armin Johnert. „Wenn irgendwann einmal das Kurhaus umgebaut wird, fehlt uns ein großer Saal. Wo sollen unsere Bälle stattfinden?“ Und wo die großen Fastnachtssitzungen? Stattdessen kämen nun zusätzliche EH-Flächen. „Das ist das Letzte, was Bad Homburg braucht.“ Johnert enthielt sich bei der Abstimmung der Magistratsvorlage zum Grundstücksverkauf; sein Parteifreund Manfred Heckelmann stimmte dagegen.

Post-Areal am Bahnhof: Platz für 900 Kino-Gäste

Laut Vorlage sollen die geplanten sieben Kinosäle in Bad Homburg, in die insgesamt 900 Besucher passen werden, „multifunktional nutzbar“ sein, also auch für Kongresse. Als Betreiber ist Kinopolis vorgesehen. Davon autark soll auf den zwei oberen Ebenen des Gebäudes ein Musik-Club einziehen; auf dem Dach könnte eine Bar entstehen. Bei der Fassadengestaltung soll die Stadt „vertraglich eine Möglichkeit der Einflussnahme“ erhalten. Procoms Entwurf zeigt eine vorgehängte Fassade aus keramischem Material, wie sie auch der moderne Archiv-Anbau der Villa Wertheimber trägt. Die mehrdimensionale Struktur durch vor- und zurückspringende Rillen hat die Anmaßung von Naturstein und soll resistent gegen Graffiti sein. Die Farbe ist ebenfalls noch völlig offen.

Da die Procom auch das angrenzende Basler-Grundstück besitzt – dort soll ein zweiteiliges Bürogebäude entstehen –, erhofft sich die Stadt wegen geklärter Wegerechte einen zügigen Baufortschritt sowie eine Planung der Freiflächen aus einem Guss.

von Anke Hillebrecht

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