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So idyllisch sieht der Deckel der Casino-Tiefgarage jetzt aus. Entsteht hier wirklich eine neue Tennisanlage, könnten die Bewohner des Tatjana-Gerdes-Hauses (links) die Spiele im Sommer von ihren Fenstern aus nächster Nähe verfolgen. 

Entscheidung in Wimbledon 

Bürgerinitiative droht mit Anwalt: Protest gegen geplante Tennisplätze

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In den nächsten Tagen soll in Wimbledon die Entscheidung fallen, ob Bad Homburg für ein Vorbereitungsturnier der weiblichen Tennis-Weltspitze auserkoren wird. Mit den Folgen für den Kurpark sind nicht alle einverstanden.

Bad Homburg – Für Fans des Weißen Sports ist es toll: Auf dem Balkon sitzen und aus nächster Nähe die Ballwechsel verfolgen. Ein Großteil der Menschen im Tatjana-Gerdes-Haus will aber einfach nur seine Ruhe. Und um die fürchten derzeit Bewohner, Mitarbeiterinnen und der Betreiber des Alten- und Pflegeheims.

"Das ist ein Ding der Unmöglichkeit", schimpft Heinz Bressau (94), Vorsitzender des Heimbeirats. "Wollen die uns mit ihrem Ping, pong, ping, pong das Leben vermiesen?" Die Menschen, deren Zimmer in Richtung Tiefgaragendeckel weisen, seien alt, viele ans Bett gefesselt, und wollten ihre Ruhe. Bressau findet, die Stadt hätte zumindest mal das Gespräch mit dem Seniorenheim suchen müssen, bevor sie eine neue Sportanlage plane.

Hoffnung auf grünes Licht 

Im Bad Homburger Rathaus hofft man, in den nächsten Tagen grünes Licht für die Ausrichtung eines Vorbereitungsturniers für Wimbledon zu bekommen. Dafür bräuchte die Stadt die Anlage des Tennisclubs (TC) Bad Homburg im Kurpark. Dessen mittlerer Platz soll dauerhaft in einen Rasenplatz umgewandelt werden, die anderen Plätze würden für die Dauer des Turniers im Juni 2020 Tribünen Platz machen.

Als Ersatz für die TC-Spieler will die Kur- und Kongreß-GmbH auf dem Dach des Casino-Parkhauses zwei Sandplätze errichten lassen - dies ebenfalls dauerhaft. Im Winter würden diese beiden Plätze mit einer Traglufthalle überdacht - so hat es der TC in seiner außerordentlichen Mitgliederversammlung Ende Juni beschlossen. "Das würden wir gestatten", ergänzt Rathaus-Sprecher Andreas Möring.

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Jörg Falkowski, Geschäftsführer der Mathilde-Zimmer-Stiftung in Berlin, die die Einrichtung am Weinbergsweg betreibt, hat vor ein paar Tagen einen Brief an OB Alexander Hetjes (CDU) geschrieben. "Wir waren irritiert, als wir von Bewohnern erfuhren, dass direkt vor unserem Haus eine Tennisanlage entstehen soll", sagt Falkowski. Nun will er Genaueres wissen - erst einmal ganz neutral. Denn bisher sei man gut mit der Stadt ausgekommen.

Bad Homburg: Wichtig für Wettkämpfe

Die Sandplätze sind für den TC entscheidend, vor allem für Wettkämpfe. "Bei Landesturnieren muss ein Club mindestens drei Plätze mit gleichem Belag vorweisen", erläutert TC-Vorstand Dr. Uwe Eyles. Für die Tennis-Bundesliga sei Sand gefordert. "Insgesamt haben wir 30 Mannschaften am Start", so Eyles. Knapp die Hälfte davon bestehe aus Jugendlichen. Daher diene der Ausgleich auf dem Dach der Spielbank-Garage auch der Jugendarbeit des Vereins.

Trotz mehrheitlichen Votums gibt es aber auch Tennisspieler, die nichts von der Wimbledon-Bewerbung halten. "Wenn das Turnier kommt, ist es genau während unserer Medenrunden", sagt ein Mitglied, das anonym bleiben möchte. Der Monat werde zum Training fehlen. Da seien die angedachten neuen Plätze auf dem Casino-Dach notwendig, wobei diese sicherlich teuer für die Stadt würden. Jeder Platz soll dem Vernehmen nach 200 000 Euro kosten.

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Auch in den Arztpraxen im Kaiser-Wilhelms-Bad hat sich die Kunde herumgesprochen. Rund um den Weinbergsweg hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die einen Anwalt eingeschaltet hat. "Wir sind mehr als 20 Personen und gehen mit einem Anwalt vor", erklärt eine Sprecherin. "Der TC will hier über eine Hintertür eine Winterhalle realisieren", glaubt sie. Dem Club seien auch im Niederstedter Weg und am Seedammbad Flächen angeboten worden, "doch das war denen zu weit". Am Casino fehle für Tennisplätze die Infrastruktur: "Da müssen ja auch noch Toiletten hin." Die Initiative bangt zudem um die Frischluftschneise.

Mitgefühl mit den Senioren

Wolfgang Hof, Fraktionsvorsitzender der FDP, bezeichnet die Wimbledon-Bewerbung, die Spitzenspielerinnen wie Angelique Kerber nach Bad Homburg locken soll, als Schnapsidee. "So einen Schwachsinn habe ich noch nie gehört, und ich bin seit 50 Jahren in der Kommunalpolitik", sagt er.

Der Liberale hat volles Mitgefühl mit den Bewohnern des Tatjana-Gerdes-Hauses, die "nicht so einen Zeppelin in 30 Metern Entfernung auf dem wunderschön begrünten Parkhausdach" wollen. Auch den Werbeeffekt für die Stadt, den ein solches Vorbereitungsturnier brächte, will Hof nicht gelten lassen. "Das braucht Bad Homburg nicht."

Er weist, ebenso wie auch Stadträtin Beate Fleige (BLB), auf das Kurparkpflegewerk hin, das den Bau von Tennisplätzen oder gar einer Halle verbiete. "Der Kurpark ist ein Denkmal", sagt Fleige und erinnert daran, dass vor Jahren nur mit Mühe ein oberirdisches Parkhaus neben der Spielbank verhindert wurde.

Zu den Plätzen auf dem Casino-Dach kämen ja noch die Beeinträchtigungen durch die vorübergehenden Courts direkt neben der Sala Thai. "Die Wiese wird fünf Monate lang gesperrt sein", prophezeit sie für den Fall, dass Bad Homburg den Zuschlag für das Vorturnier bekommt. Auch müssten die Rasenplätze ständig gewässert werden. Vor allem kritisiert Fleige, dass die Gremien nicht in die Sache eingeweiht wurden. "Ich erwarte seriöse Unterlagen und will Schwarz auf Weiß lesen, was geplant ist", so Fleige. "Dazu bin ich vor den Bürgern verpflichtet."

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