Die hessische Rapsblütenkönigin Katharina I. kam von der Bergstraße nach Bad Homburg, um in einem Gonzenheimer Acker zu posieren. Er ist einer der wenigen rund um Bad Homburg, die in diesem Jahr blühen. Fotos: Jens Priedemuth

Boten des Klimawandels?

Trockenheit und Käfer setzen der Ackerpflanze zu - Bauern bleiben trotzdem optimistisch

Rund um Bad Homburg wird Rapps angebaut. In diesem Jahr schauen einige Erzeuger in die Röhre - die langfristige Bilanz sieht aber gut aus.

Bad Homburg - Aus nostalgischen Gründen hat Stefan Wagner noch eine kleine Probeflasche von dem Rapsöl aufbewahrt, mit dem sein Block-Kraftwerk im Kronenhof beheizt wird. Es erzeugt Wärme und Strom. Das Öl ist schon einige Jahre alt, "aber immer noch ganz klar", freut sich der Landwirt. Im Jahr 2000 war sein Vater mit dieser Öko-Technik Pionier; wie viele Liter Erdöl der Kronenhof bislang eingespart und wie viel CO2 -Ausstoß er vermieden hat, vermögen Vater und Sohn nicht zu sagen.

Rapps wird rund um Bad Homburg angebaut

"Es hat sich aber auf jeden Fall gelohnt", sagt Stefan Wagner, der den landwirtschaftlichen Betrieb zwischen Zeppelinstraße und A 661 mit dem Traditionslokal inzwischen in fünfter Generation führt. Der Kronenhof steht für Nachhaltigkeit: Dort kann man sein E-Auto aufladen, eine großflächige Photovoltaik-Anlage sowie der Pferdedung aus dem Stall erzeugen Energie. Der Treber der Bierproduktion wiederum wird zu Tierfutter.

Beim Raps allerdings musste Wagner in diesem Jahr Einbußen hinnehmen. Zwar blüht es hier und da rund um die Pappelallee leuchtend gelb wie immer Ende April. Dies sind aber nicht Wagners Felder. Weil es im August vorigen Jahres aber derart trocken war, hat er, wie viele Landwirte in Hessen, darauf verzichtet, Raps auszusäen. Gab es 2018 in ganz Hessen noch 55 000 Hektar Raps, so sind es jetzt nur 36 200 Hektar, sagt Bernd Weber, Sprecher des hessischen Bauernverbandes (HBV). "Ein extremer Rückgang."

Rapps wird zum Heizen genutzt

Landwirte, die es trotzdem gewagt haben und deren Saat aufging, mussten in den vergangenen Wochen mitansehen, wie der Rapsglanzkäfer die Knospen anknabberte. "Der Käfer war in diesem Jahr ein großes Problem", sagt Wagner. Die wenigen Felder, die gelb blühen, wurden mit Insektenschutzmittel behandelt. Der Homburger Landwirt baute stattdessen unter anderem mehr Sommergerste an - und hatte wiederum Glück, weil der Winter so mild war. Ein leichter Ärger bleibt allerdings, da er ein spezielles Rapsmesser angeschafft hat, das er zur Ernte am Mähdrescher befestigt.

Weil der Kronenhof als nachhaltiger Vorzeigebetrieb gilt, hat ihn der HBV für seine Fachtagung "Raps - Multitalent mit Zukunft!" als Veranstaltungsort ausgewählt. Dort wurde betont, wie vielfältig die Nutzung des Kreuzblütengewächses ist. "Ein Hektar Raps ergibt 1500 Liter Öl, 2500 Kilo Schrot, und der Nektar ergibt 40 Kilogramm Honig", resümierte Georg Dierschke, Geschäftsführer der Hessischen Erzeugerorganisation für Raps (HERA).

Rappsproduktion in den letzten Jahren stetig gestiegen

Die Organisation besteht seit 25 Jahren, und die Rapsproduktion ist seither stetig gestiegen, auch dank dieser Vermarktung. Aus der Saat wird Rapsöl gewonnen, das kalt gepresst als Speiseöl sowie als Biokraftstoff genutzt wird - etwa in Stefan Wagners Gerätehalle auf dem Kronenhof. Der Schrot der Pflanze ist für das Vieh ein regionales und gentechnikfreies Eiweißfutter. Auch Biodiesel enthält rund 6 Prozent Rapsöl. Der HBV bemängelt aber, dass sich die agrarpolitischen Rahmenbedingungen verschlechtert hätten, da der Steuervorteil von Biodiesel nicht mehr besteht.

Rund um die blühenden Rapsfelder am Rande von Gonzenheim ist ein breiter Wiesenstreifen gemäht. "Hier will die Stadt Bad Homburg Blühstreifen anlegen", weiß Wagner. Bienen finden in ländlichen Gegenden oft nicht genügend Blüten, daher steuern viele Kommunen jetzt gegen. Die gelben Rapsfelder steuern Maja & Co. aber auch gern an.

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