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Der Kino-Komplex am Bahnhof soll bald kommen - und im Hinterkopf hat Oberbürgermeister Alexander Hetjes mit dem Kurhaus schon das nächste Großprojekt.

Vorfilm für die Blockbuster

CDU-Talk zeigt: Kino am Bahnhof und Kurhaus-Zukunft hängen eng miteinander zusammen

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Beim Polit-Talk der CDU ging es in erster Linie um das neue Kino-Center am Bahnhof, beziehungsweise um die Fragen der Bürger dazu. Dabei wurde allerdings deutlich, wie eng das Großprojekt am Bahnhof mit der Zukunft des Kurhauses verknüpft ist.

Bad Homburg - Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) gab sich reichlich Mühe, beim achten CDU-Polit-Talk im Kurhaus die Fragen der Bürger zum Kino-Komplex am Bahnhof zu beantworten, ohne etwas dabei zu erwähnen, was durch Presse-Veröffentlichungen zwar schon öffentlich bekannt ist, er aber (noch) nicht offiziell sagen darf. So musste er auch bei der Frage nach dem Betreiber der sieben Kinos (Kinopolis) nebulös bleiben und sprach lediglich von einem "Familienunternehmen aus der Region, bei dem wohl alle Anwesenden schon einmal zu Gast waren." Da die Familienmitglieder mit ihrem Privatvermögen hafteten, hätten sie genau überlegt, ob sie sich für 15 Jahre, die übliche Kino-Miete, an das Projekt binden wollten.

Ein Argument ist die geplante Multifunktionalität der Kinos. Und da hat das Kinopolis bereits Erfahrungen vorzuweisen. In Gießen gibt es seit fünf Jahren eine enge Kooperation mit der Technischen Hochschule Mittelhessen. Tagsüber finden in den Sälen zum Teil Vorlesungen statt, abends laufen dort Filme. Klar, es gab Anlaufschwierigkeiten und entsprechende Anpassungen, wie unter anderem die Gießener Allgemeine berichtete. Mittlerweile läuft offenbar alles glatt.

Blick nach Gießen

Ein ähnliches Konzept soll auch in Homburg greifen. Hetjes: "Die Plätze bekommen Klapptische und USB-Anschlüsse." Und die werden auch benötigt, denn das Kino-Center entwickelt sich mehr und mehr in Richtung "vorübergehender Kurhaus-Ersatz". Hetjes spannte den Bogen. Im Sommer sollen die Vorplanungen für das Projekt Kurhaus beginnen. "Wir wissen, dass wir einen Sanierungsstau von 60 Millionen Euro in dem Gebäude haben, da fangen die Überlegungen an, ob man so viel Geld in ein Haus aus den 1980er Jahren stecken will."

In jedem Fall wird das Kurhaus in absehbarer Zeit zur mehrjährigen Großbaustelle: "Kernsanierung oder Neubau - es gibt nur diese beiden Optionen"; in der Übergangszeit wolle man sich nicht aus dem Kongress-Segment verabschieden, sondern es "für ein paar Jahre auslagern".

Im Nachgang der Veranstaltung bestätigte Hetjes gegenüber dieser Zeitung, dass die Kurhaus-Machbarkeitsstudie nach der Sommerpause wieder auf die politische Agenda soll. Außerdem sei nach der Kur mittlerweile auch der Maritim-Konzern im Boot und werde seine Vorstellungen und Wünsche einbringen. Eine Delegation aus Homburg sei für entsprechende Gespräche jüngst zur Konzernzentrale nach Bad Salzuflen gereist.

Fitness und Fassade

Bis es am Kurhaus losgeht, wird es noch etwas dauern, beim Kino-Center in Bad Homburg ist der Zeitplan schon konkreter. Am 27. Juni soll der finale Vertrag vom Stadtparlament seinen Segen bekommen. Die Vereinbarung mit dem Investor Procom sieht vor, dass innerhalb einer bestimmten Frist - wahrscheinlich bis Jahresende - ein Bauantrag gestellt und bald darauf mit dem Bau begonnen sein muss. Hetjes: "Insgesamt ist mit einer Bauzeit von anderthalb Jahren zu rechnen."

Die aktuellen Entwürfe sehen neben den sieben Kino-Sälen im ersten sowie dem Club und Roof-Top-Bar im zweiten Obergeschoss auch Einzelhandelsflächen im Erdgeschoss und ein Parkhaus mit 320 bis 350 Plätzen im östlichen Bereich des Grundstücks sowie dem Untergeschoss des Komplexes vor. Dazwischen ist ein Fitnessstudio geplant, das sich über drei Ebenen erstrecken soll.

Über die äußere Gestaltung soll ein Fassadenwettbewerb entscheiden, die Fassade des ersten Entwurfs sei auf jeden Fall vom Tisch, so Hetjes. Auch der Denkmalschutz werde darauf achten, dass die äußere Gestaltung mit Bahnhof und Wasserturm harmoniert.

Der Einzelhandel, dessen maximal 799 Quadratmeter pro Laden inklusive Lager und Büro zu verstehen seien, werde gutachterlich darauf geprüft, ob er sich mit dem Zentrenkonzept verträgt. Eine Sonntagsöffnung, wie ein Zuhörer anfragte, werde es definitiv nicht geben. "Wir haben weder einen Hauptbahnhof noch einen internationalen Verkehrsflughafen", so Hetjes.

Stadt als Club-Mieter?

Bei der Bewirtschaftung des Parkhauses werde der künftige Betreiber wohl unter anderem durch die Preisgestaltung dafür sorgen, dass es nicht durch Pendler belegt wird. Zudem seien die rund 100 Parkplätze des Technischen Rathauses schon jetzt werktags von 18 Uhr bis in die Morgenstunden und an den Wochenende öffentlich nutzbar.

Der Rathauschef betonte, dass das Bauvorhaben die Stadt keinen Cent koste, aber einen erheblichen Nutzen bringe. "Für eine andere Lösung wäre wohl ein siebenstelliger Betrag als Jahresmiete fällig geworden." Eine Einschränkung gibt es jedoch. Unter Umständen könnte die Stadt selbst als Mieter der Club-Fläche einsteigen, um sie dann unterzuvermieten - laut Hetjes weil die Stadt bei den Banken ein besseres Rating habe als ein potenzieller Betreiber. Allerdings hätte die Stadt als Vermieter sicher auch bessere Karten, wenn es einmal Probleme mit dem Betreiber geben sollte.

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