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Statt Sportklamotten wird hier künftig gesundes Essen verkauft. 

Wandel in der Fußgängerzone

Leerstände in der Louisenstraße: Zu hohe Mieten und der tägliche Kampf gegen den Online-Handel

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Ein Dutzend Leerstände gibt es in der Fußgängerzone zurzeit. Das sei nicht mehr als sonst, heißt es bei der Stadt. Der Handel ist im Wandel - was auch mit hohen Mieten und der Online-Konkurrenz zu tun hat.

Bad Homburg – Unser Rundgang beginnt am Rathaus mit Kurs auf das Kurhaus. Die erste große Baustelle begegnet Passanten gleich oberhalb von Möbel Meiss. Im ehemaligen Bang & Olufsen-Shop läuft bereits seit einiger Zeit ein aufwendiger Umbau für eine Gaststätte. Der legendäre "Joker", bis zur Erweiterung des "Müller"-Drogeriemarkts jahrelang im Untergeschoss der Louisen-Arkaden beheimatet, wird hier neu eröffnet - wohl noch bis Anfang Dezember.

In den Louisen-Arkaden, neben dem Drogeriemarkt, ist eine Fläche zur Fußgängerzone hin vakant. Hier ist noch kein Nachfolger in Sicht. Auf derselben Straßenseite, gegenüber dem Warenhaus Karstadt, hat ein Krimskramsgeschäft das Kulturcafé abgelöst, das in die ehemalige Apotheke eingezogen war. Nicht mehr lange leerstehen soll die langjährige Metzgerei-Zeiss-Filiale; was hineinkommt, will die Stadt aber nicht verraten.

Bad Homburg: Neues Café neben der Bank

Zwischen Rossmann und dem Zeitschriftenladen gibt es ebenfalls einen Wechsel: Hier zieht ein Herrenfriseur ein, wie auch auf einem Schild zu lesen ist. Schräg gegenüber ist die Parfümerie Douglas ausgezogen; sie beschränkt sich auf ihren weiteren Standort in der oberen Louisenstraße. Einen Nachmieter gibt es noch nicht.

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Erneut auf der rechten Seite, von unten aus gesehen, fällt neben der Commerzbank ein weiterer Bauzaun ins Auge. Auch hier wird schon seit dem Sommer gewerkelt. Wie der Eigentümer der Immobilie mitteilt, wird dort ein modernes Café mit Kaffee und Backwaren zum Mitnehmen im Stile von "Starbucks" einziehen. Es heißt Chakwa und gehört zum Coca-Cola-Konzern. Die Ladenfläche, in der früher das DER-Reisebüro saß und die lange leer stand, wurde vergrößert, die Fassade zur Straße hin vorgezogen. Auch "Marco Polo" ein Stück weiter oben hat die Louisenstraße verlassen.

Auf dem Kurhaus-Vorplatz sind alle Läden besetzt. Doch es ist schon bekannt, dass Ende 2020 "Butlers" ausziehen wird. Die attraktive Ladenfläche im Erdgeschoss des frisch sanierten alten Postamtes wird dann die Taunus-Sparkasse beziehen. Sie sitzt derzeit im Kurhaus-Komplex, der ja in absehbarer Zeit erneuert werden soll.

Leere Lokale auf der Louisenstraße in Bad Homburg 

Weiter geht der Rundgang auf der Louisenstraße in Richtung Schulberg. Auf dem Waisenhausplatz stehen gleich zwei Lokale leer: das ehemalige "Peppers" und eine Fläche gegenüber, die zuletzt eine Shisha-Bar war. Erneut zugeklebte Fensterscheiben sieht man in der Hausnummer 43a - jenem Geschäftshaus, das nach einem Brand lange leer stand, dann 2013 tipptopp saniert wurde und zuletzt die Modemarken "Vera Moda" sowie "Jack & Jones" als Mieter hatte. Diese haben der Kurstadt den Rücken zugekehrt.

Auf dem Büro-Becker-Grundstück Louisenstraße 33-37 wird derzeit ein neues Wohn- und Geschäftshaus ausgebaut. Auf die größere Ladenfläche unten ist bereits die Parfümerie Douglas groß eingezogen. Noch zu vergeben ist eine kleinere Fläche daneben. Gegenüber hat eine Apotheke aufgemacht - die frühere "Engel-Apotheke", eine der ältesten Apotheken im Umkreis, die nach 270 Jahren den Schulberg verlassen musste. Denn das denkmalgeschützte Haus mit dem auffälligen Erker dort ist ein Sanierungsfall.

Zurück zur Louisenstraße: Auf derselben Straßenseite wie die nun deutlich größere Apotheke, zwischen Hugendubel und "Louise 26" - einem Designshop mit koreanischer Bäckerei im früheren Temma-Markt - ist ein weiterer Herrenfriseur eingezogen. Weiter geht's zur früheren Woolworth-Immobilie am Marktplatz (Louisenstraße 18-20). Dort verkauft seit Kurzem "Ernsting's family" auf 195 Quadratmetern Wäsche, Damen- und Kinderbekleidung. Gegenüber ein letzter Leerstand mit Zukunft: Im ehemaligen "Champions"-Sportbekleidungsladen an der Ecke des Marktplatzes werden künftig Smoothies und andere gesunde Kost verkauft.

Bad Homburg: Aktionen für mehr Kunden

Einen traurigen Abschluss macht das denkmalschützte Haus Louisenstraße 5, das seit Jahren baufällig liegengelassen wird. Hier einigen sich die Eigentümer nicht mit der Stadt. "Eigentum verpflichtet", sagt dazu der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft, Eberhard Schmidt-Gronenberg.

Die Zahl der Leerstände sei "noch nicht besorgniserregend". Und auch bei der Stadt ist man entspannt. "Im Vergleich zu anderen Städten haben wir aber wenige Leerstände", erklärt Stefan Wolf von der städtischen Wirtschaftsförderung. Eine Erhebung im vorigen Jahr habe einen Leerstandsanteil von 6,4 Prozent ergeben; bundesweit liege er bei 10 Prozent. "Aber die Situation ist nicht einfach", so Wolf.

Schmidt-Gronenberg ist überzeugt, dass sich der Markt regulieren wird. Die Mieten mancher Immobilien auf Homburgs Einkaufsmeile seien deutlich zu hoch. Zudem sei der Kampf gegen die Konkurrenz des Online-Handels im vollen Gange. "Wir werden mit kleineren Aktionen weiter um Kundenfrequenz kämpfen", so Schmidt-Gronenberg. Dabei denkt er zum Beispiel an Dinge wie das erfolgreiche Jazz-Festival vor eineinhalb Wochen in der Fußgängerzone. "Faire Preise für Parkraum" seien zudem nach wie vor Thema. Denn "Bad Homburg ist eben nicht Amsterdam."

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