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Am Sonntagmittag machten sich trotz wechselhafter Witterung Hunderte Motorradfahrer vom Landratsamt in Bad Homburg auf den Weg zum Großen Feldberg, um so gegen angedachte Streckensperrungen zu demonstrieren.

400 Motorräder

Protest gegen Sperrungen am Feldberg: Biker setzen ein Zeichen

Bei wechselhaftem Wetter kamen nur 400 statt der erwarteten rund 1000 Motorradfahrer zur gemeinsamen Fahrt vom Landratsamt zum Feldberg-Plateau. Die Botschaft, die sie damit setzten, war trotzdem deutlich: Keine Steckensperrung im Taunus.

Bad Homburg - Die leuchtend blauen Westen mit dem weißen Logo auf dem Rücken konnte man nicht übersehen, denn zahlreiche Vertreter des Bundesverbands der Motorradfahrer (BVDM) waren gestern nach Bad Homburg gekommen. Immerhin galt es, bis zu 1000 Biker am Landratsamt zu versammeln und - begleitet von der Polizei - unfallfrei zum Feldberggipfel zu eskortieren. "Gemeinsam für freie Wege" hieß das Motto, unter dem der Verein zu dieser Fahrt eingeladen hatte, denn es sollte gegen die Streckensperrungen am Großen Feldberg demonstriert werden. Bisher waren diese zwar nur temporär und testweise gesperrt, aber "wehret den Anfängen" hieß es nicht nur vonseiten der Organisatoren.

Im Mai waren neun Tage lang Abschnitte auf den Landstraßen L 3004, L3024 und L3276 im Feldberggebiet betroffen, für September ist eine Wiederholung geplant. Diese Testsperrungen sind nach Aussage des Hochtaunuskreises eine Reaktion auf viele andere Versuche, die unbefriedigende Situation zu verbessern. Doch trotz straßenbaulicher Veränderungen, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Sperrung von bestimmten Parkplätzen und häufiger Kontrollen seien Verkehrsverstöße, gewagte Fahrmanöver und Unfälle, speziell auch ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer, zu verzeichnen. Neben der Raserei stelle der Lärm durch die hohe Motorraddichte gerade für die Anlieger ein weiteres Problem dar. Mithilfe der Sperrung und gleichzeitigen Überwachung der Umleitung soll eine mögliche Mehrbelastung anderer Strecken und die Sinnhaftigkeit einer eventuellen dauerhaften Sperrung ermittelt werden.

Gefühlte Stigmatisierung

Eine solche befürchten hier alle rund 400 Biker, die trotz morgendlichen Nieselregens zum Treffpunkt gekommen waren und die Redebeiträge verfolgten. Diskriminiert und stigmatisiert fühlen sich gerade diejenigen, die immer regelgerecht fahren und sich kollektiv bestraft sehen. Doch Krawalle sind nicht zu erwarten, wie Oliver Link vom Regionalen Verkehrsdienst, der mit einer guten Handvoll Kollegen im Einsatz ist, weiß: "Das wird eine ganz friedliche Sache werden!" Organisator Rainald Mohr vom BVDM dankt der Polizei ausdrücklich für die gute Kooperation - und befürwortet stärkere Verkehrskontrollen zulasten der Regelbrecher. Es sei Ausdruck des Staatsversagens, wenn jene nicht gestoppt werden könnten. Zudem zweifelt er an, dass die Sperrungen für Motorradfahrer nur versuchsweise stattfinden. Sie seien zudem ein Verstoß gegen das im Grundgesetz verankerte Gleichheitsgebot. Eine entsprechende Protestnote überreicht er an den Ersten Kreisbeigeordneten Uwe Kraft (CDU).

Dieser verweist ausdrücklich auf den Test-Charakter der Sperrung, denn der Kreis wolle ergebnisoffen überprüfen, wie sich der Verkehr verlagert und sich die Unfallzahlen entwickeln. Außerdem soll die Lärmdifferenz ermittelt werden, also der Unterschied, den Motorräder zusätzlich zu Autos und Bussen verursachen. "Erst, wenn diese Ergebnisse vorliegen, treten wir in den Dialog mit Bikern, Anwohnern, Polizei und Hessen Mobil. Es ist also noch längst nicht entschieden, dass es zu einer Sperrung kommt; diese wäre 'Ultima Ratio'." Grundsätzlich plädiert er allerdings auch für einen verstärkten Polizeieinsatz mit verbesserter Ausstattung, um der Problemfälle habhaft zu werden und für Verkehrssicherheit zu sorgen. Kraft appelliert an die Anwesenden, ein Signal an alle Unvernünftigen zu senden, dass Lärm und Raserei zu unterlassen sind.

"Der Taunus gehört allen"

Klar gegen eine Sperrung spricht sich Dr. Stefan Naas (FDP), Mitglied des Landtags, aus und erhält dafür starken Applaus. "Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen", echauffiert er sich und schiebt hinterher: "Der Taunus gehört allen!" Es seien noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft worden, und effektive Kontrollen wären sowieso vonnöten. Als blanken Populismus tut dies Uwe Kraft ab, der sich persönlich angegriffen fühlt und den Spieß umdreht: "Tun Sie lieber etwas für die hessische Polizei, damit sie Verstöße besser ahnden kann!"

Im Konvoi geht es dann zum Gipfel, wo sich langsam auch die Sonne blicken lässt. Die Getränke-, Bratwurst- und Kuchenstände sind sofort gut frequentiert, die Stimmung tiefenentspannt, viele genießen die Livemusik von "Paddy goes to Holyhead". Christian Sieminowski aus Eschborn probiert derweil eine Airbag-Weste von Helite, die auslöst, wenn der Fahrer bei einem Unfall vom Motorrad getrennt wird, und ist hellauf begeistert: "Ich will mir auf jeden Fall eine kaufen, um das Verletzungsrisiko weiter zu minimieren. Die rund 600 Euro sind wirklich gut angelegt."

Die Protestnote, die an Landrat Ulrich Krebs (CDU) adressiert ist und gestern in Bad Homburg übergeben wurde, hat folgenden Wortlaut:

Paragraf 1:Die Motorradfahrer, versammelt am Sonntag, den 16.06.2019, vor dem Landratsamt des Hochtaunuskreises, und der Bundesverband der Motorradfahrer e.V. (BVDM) protestieren gegen jede Art der Streckensperrung für Motorradfahrer im Hochtaunuskreis.

Paragraf 2:Wir betrachten generelle Streckensperrungen für Motorradfahrer als eine illegitime Form der Diskriminierung. Diese verstößt gegen den Artikel 3, Absatz 1 des Grundgesetzes.

Paragraf 3:Wir fordern, dass Motorradfahrer, die sich an die Gesetze und die Regeln der Straßenverkehrsordnung halten, nicht in Sippenhaft genommen werden für diejenigen, die die Regeln verletzen.

Paragraf 4:Wir fordern von der Politik, die Polizei technisch und personell zu ermächtigen, um Raserei und Lärmchaoten wirksam zu verfolgen. Die Diskriminierung von regelkonformen Motorradfahrern durch Streckensperrungen lehnen wir ab.

Paragraf 5:Der BVDM e.V. bietet Politik und Verwaltung seine Expertise an, um Unfälle, Raserei und Lärm auf den indizierten Motorradstrecken zu reduzieren

VON STEPHANIE KREUZER

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