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Nina Lassnig ist die Radverkehrsbeauftragte der Stadt und hat Mitte März ihre Arbeit aufgenommen. Die darin besteht, das Radverkehrskonzept der Stadt umzusetzen und damit das Radfahren angenehmer und vor allem sicherer zu machen.

Radverkehr

Radverkehrsbeauftragte will Rahmenbedingungen für Radler verbessern

Neue Wege für den Radverkehr in der Innenstadt, die Öffnung von vielen Einbahnstraßen für Fahrradfahrer, und, und, und - der Magistrat hat auf Grundlage des Radverkehrskonzept ein großes Maßnahmenpaket verabschiedet, das das Fahrradfahren in der Kurstadt angenehmer und vor allem sicherer machen soll. Um die Umsetzung kümmert sich die neue Radverkehrsbeauftragte.

Bad Homburg - Man möchte ihr am liebsten den ganzen Tag lang zuhören, denn ihr österreichischer Akzent ist einfach unglaublich charmant. Die neue Radverkehrsbeauftragte Nina Lassnig, seit 15. März in dieser Position mit einer halben Stelle im Rathaus angesiedelt, kann aber weit mehr, als nur hübsch parlieren. Sie hat viele Ideen, wie sie das Ende vergangenen Jahres beschlossene Radverkehrskonzept umsetzen will und damit den Radlern das Leben sicherer und leichter machen - und so möglicherweise den einen oder anderen aufs Rad bekommen. "Ich bin voller Tatendrang", sagt die 31-Jährige, die in Graz Umweltsystemwissenschaften mit den Schwerpunkten Geografie und nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung studiert und zuletzt bei der Rhein-Main-Verkehrsverbund-Servicegesellschaft gearbeitet hat.

Von ihrem Tatendrang hat sie bereits eine Kostprobe gegeben: Bislang hat die Straßenverkehrsbehörde mit ihrer Hilfe bereits in 25 Einbahnstraßen das Radfahren entgegen der Einbahnregelung erlaubt, zudem wurden zahlreiche Umlaufsperren im Sinne einer barrierefreien Radverkehrsführung entfernt. Außerdem wurden Radwege erneuert und zum Beispiel an der U-Bahn-Station in Ober-Eschbach eine Fahrradüberdachung errichtet.

Neuerung im Weinbergsweg

Ganz oben in Lassnigs Prioritätenliste stehen allerdings der Weinbergs- und der Paul-Ehrlich-Weg. Noch in diesem Jahr will Lassnig beide Straßen in Fahrradstraßen umwidmen lassen. Das bedeutet, Autofahrer dürfen hier zwar weiterhin fahren, "aber Radfahrer genießen hier auf der Straße Vorrang, dürfen unter anderem auch nebeneinander fahren", erklärt Lassnig. "Die Umwidmung ist wichtig, weil im Weinbergsweg beziehungsweise an dessen Ende Schulen beheimatet sind, nämlich die Maria-Ward-Schule und das Kaiserin-Friedrich-Gymnasium. Wir wollen so für mehr Sicherheit der radfahrenden Schüler sorgen", betont auch Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU).

Ein weiteres Projekt, das schnell umgesetzt werden soll, betrifft die Kaiser-Friedrich-Promenade. Künftig sollen die Fahrradfahrer dort nicht mehr den gemeinsamen Geh- und Radweg nutzen müssen, sondern ebenfalls die Fahrbahn. Dafür ist geplant, die Mittellinien zu demarkieren und die Einbahnstraßenabschnitte zwischen Friedrich- und Friesenstraße, bei denen auf der Promenade künftig Tempo 30 herrschen soll - auf dem oberen Streckenabschnitt bis Höhe Schwedenpfad gibt's dazu ja gerade einen Verkehrsversuch -, für den Radverkehr freizugeben. Außerdem sollen Radler im Jubiläumspark radeln dürfen.

Einen Verkehrsversuch will Lassnig auch im Hessenring starten. Dort soll die Anzahl der Fahrstreifen zugunsten von Fahrradstreifen reduziert werden.

Schulberg in Planung

Wie genau das aussehen soll, wie lange der Verkehrsversuch dauert, wann das alles passiert - das ist noch nicht klar. "Wir sind da mitten in der Planung, das dauert natürlich ein bisschen", erklärt Lassnig.

Apropos dauern: Zuletzt war ja die Umgestaltung des Schulbergs in der Diskussion. Und es wurde darüber lamentiert, dass das alles so lange dauern würde und ob man da nicht schon früher Parkplätze wegnehmen und Radler gegen die Einbahnstraße fahren lassen könnte. OB Hetjes sagt dazu: "Wir liegen voll im Zeitplan. Das Geld für die Planung haben wir, die Umsetzung ist, und das war eigentlich allen bekannt, für 2020 geplant." Und vorher kurzfristige Veränderungen vorzunehmen sei nicht sinnvoll.

Klingt danach, als würde Lassnigs halbe Stelle, die sich die Stadt laut OB Hetjes "ein bisschen aus allen Bereichen zusammengespart hat", auf Dauer nicht ausreichen. Das weiß auch Hetjes. Er sagt: "Der Antrag für eine volle Stelle liegt schon vor. Ich glaube, mit Blick auf die Vielzahl an Aufgaben, die der Job mit sich bringt, können wir dem Kämmerer das abringen."

INFO

87 Einzelmaßnahmen beinhaltet das Radverkehrskonzept, das, zusammen mit den bereits bestehenden Radwegen das Bad Homburger Radverkehrsnetz des Jahres 2030 bilden soll und das 525 000 Euro kosten wird - wenn das Parlament sie in seiner Sitzung am 6. Juni beschließt.

Unter anderem ist geplant, im Reinerzer Weg die Gehwege für den Radverkehr freizugeben, Umlaufsperren zu entfernen und gegebenenfalls Pfosten neu zu setzen.

In der Heuchelheimer Straße und im Heuchelheimer Hohlweg wird die Radwegoberfläche ausgebessert, im Obernhainer Weg werden Umlaufsperren entfernt, im Gustavsgarten, am Grillplatz Buschwiesen, am Gotischen Haus und im Jubiläumspark werden zusätzliche Fahrradabstellplätze geschaffen. An der Einmündung zum Kronenhof zur Zeppelinstraße wird der Haltebalken für den Autoverkehr zurückverlegt.

Auf der Verbindung von der Langen Meile zum Hessenring wird der Radweg ausgebaut, die Wegeverbindung Götzenmühle entlang des Heuchelplatzes wird für den Radverkehr bis zum Festplatz freigegeben.

Und im Fahrradparkhaus werden als Pilotprojekt Ladestationen für E-Bikes angesiedelt. sbm

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