Stadträtin Lucia Lewalter-Schoor (SPD) präsentiert die großformatig beklebten Müllfahrzeuge, die mit ihren Botschaften für die Müllvermeidung sensibilisieren sollen. 
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Stadträtin Lucia Lewalter-Schoor (SPD) präsentiert die großformatig beklebten Müllfahrzeuge, die mit ihren Botschaften für die Müllvermeidung sensibilisieren sollen. 

Unser Abfall überlebt uns um Jahrhunderte

Bad Homburg startet Kampagne gegen Plastikmüll 

Die Kurstadt Bad Homburg startet eine Kampagne gegen Plastikmüll. Und das mit großformatiger Werbung. 

  • Die Kurstadt Bad Homburg startet eine Kampagne gegen Plastikmüll
  • Im Jahr 2018 knapp 2000 Kubikmeter Verpackungsplastik in Bad Homburg angefallen
  • Betriebshof möchte mit seiner neuen Aktion zum Nachdenken anregen

Bad Homburg – Was bleibt von uns der Nachwelt erhalten, wenn wir nicht mehr sind? Ein paar Dokumente? Fotografien in Alben oder auf Festplatten, die nach und nach verstauben? Vielleicht ein liebevoll gebasteltes Kunstwerk, das, so vorhanden, über die Kinder an die Enkel wandert. Und, nicht zu vergessen, die Plastiktüte, mit der wir kürzlich das Gemüse aus dem Supermarkt nach Hause transportiert haben.

Dafür, dass der erste brauchbare Kunststoff erst vor rund 110 Jahren entwickelt wurde und sich Plastikverpackungen hierzulande erst nach dem Zweiten Weltkrieg etabliert haben, hat sich einiges angesammelt. Die Stadt Bad Homburg will der Plastikflut jetzt mit einer Kampagne begegnen und zum Umdenken bewegen. Die Motive sind nicht nur auf den Abfallkalendern des bald anbrechenden Jahres zu sehen ("Caesars To-go-Becher würde noch heute im Meer schwimmen"), sie schmücken nun auch die Müllfahrzeuge des Betriebshofs.

Bad Homburg: 2000 Kubikmeter fallen pro Jahr an

Laut Stadt sind alleine im Jahr 2018 knapp 2000 Kubikmeter Verpackungsplastik in Bad Homburg angefallen, das entspricht dem Volumen eines olympischen Schwimmbeckens. Hartplastikteile aus Rest- und Sperrmüll sind in der Summe nicht eingerechnet. Auch Serviceverpackungen, zu denen der "Kaffee-to-go-Becher" gehört (in Bad Homburg jährlich 1,8 Millionen) oder die Plastikschalen für das schnelle Mittagessen fallen in dieser Zahl noch nicht ins Gewicht, sofern sie nicht im gelben Sack landen, sondern in öffentlichen Papierkörben, teilt die Stadt dazu mit.

"Der Betriebshof möchte mit seiner neuen Aktion zum Nachdenken anregen. Immerhin könnte man mit all dem Bad Homburger Plastik, welches in einem Jahr anfällt, den gesamten Kurpark mit einer 1 Meter hohen Plastikschicht bedecken", erklärt Stadträtin Lucia Lewalter-Schoor (SPD).

Bad Homburg: Auch den Biomüll im Blick haben

Die Beklebung der Fahrzeuge ist eine von vielen Aktionen, die der Betriebshof in diesem Jahr für den Umweltschutz durchgeführt hat. Es gab eine Lesung zum Thema Plastikvermeidung, zudem wurden in den Regalen der Rewe-Märkte in Bad Homburg und Oberursel sogenannte Kundenstopper aufgestellt, die darauf hinweisen, dass kompostierbare Biotüten in diesen beiden Städten nicht verwendet werden dürfen. Seit einigen Wochen machen auch Aufkleber auf den Biotonnen darauf aufmerksam.

Denn auch Biomüll ist ein wichtiges Thema bei der Abfallverwertung, weil aus den organischen Stoffen wertvoller Humus werden kann. Die Bedeutung liegt auf "kann". Denn immer noch behindern Plastiktüten oder Fetzen davon den Kompostierungsvorgang in den betreffenden Anlagen. Vermeintlich "kompostierbare Biomüllbeutel" und Stärketüten, die es nach wie vor im Handel zu kaufen gibt, brauchen jedoch zwölf Monate, bis sie verrotten und hinterlassen bei der Zersetzung eine Menge Mikroplastik. Der Biomüll muss aber in vier Monaten "fertig" sein, damit sich diese Veredlung für die Verwerter lohnt. "Die Folge ist das Ausbringen von kleinsten Plastikteilen in unsere Umwelt", warnt Stadträtin Lewalter-Schoor.

"Auch im kommenden Jahr plant der Betriebshof Aktionen für den Umweltschutz, unter anderem einen Vortrag rund um das Thema der Bad Homburger Abfälle und was damit nach der Entsorgung in der Tonne geschieht. Außerdem soll es eine Säuberungsaktion im Stadtgebiet und einiges mehr geben", ergänzt Daniela Münzing von der Abfallberatung beim Betriebshof. hko/red

Nach Frankfurt fährt auch die Stadt Bad Homburg ihre Systeme herunter. Das bedeutet das für das öffentliche Leben in der Taunusstadt.

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