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Die vielen Flugspuren am Himmel zeigen: Da oben ist mächtig was los. Und natürlich ist auch der Taunus vom vermehrten Flugaufkommen betroffen. Gerade bei Ostwetterlage macht sich das bemerkbar.

Frankfurt Flughafen

Bad Homburg wird vor allem bei Ostwind überflogen

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Der Frankfurter Flughafen berichtet ständig von neuen Passagierrekorden. Es steht also außer Frage, dass die Flugbewegungen – auch über dem Taunus – weiter zunehmen werden. Auch mit Blick auf den Bau des Flugsteigs G, der 2020 eröffnet werden soll. Eine Anfrage eines Bürgers an die Politik hat jetzt auch interessante Informationen bezüglich der Situation von Bad Homburgs zutage gefördert. Und nicht nur die.

Nein, wegdiskutieren kann keiner, dass sich in den vergangenen Jahren die Flugbewegungen im Rhein-Main-Gebiet erhöht haben. Das hat sogar Stadtrat Wolfram Kister (CDU) erklärt, als er vor einigen Wochen eine Mail an einen Bad Homburger Bürger, der namentlich nicht genannt werden möchte, geschrieben hat. „Mir selbst, das kann ich Ihnen bestätigen, sind seit geraumer Zeit verstärkte Flugbewegungen und der daraus resultierende Fluglärm aufgefallen“, schrieb er.

An Kister hatte der Bad Homburger sich gewandt, um Verantwortliche der Kurstadt darauf aufmerksam zu machen und anzufragen, welche Auswirkungen das höhere Flugaufkommen auf die Kurstadt hätte. Kister leitete die Anfrage an den Landtagsabgeordneten Holger Bellino (CDU) weiter – und der lieferte interessante Informationen. Demnach hatte das Umwelt- und Nachbarschaftshaus in Kelsterbach (UNH) zur Belastung Bad Homburgs eine Analyse durchgeführt. Anlass zur Auswertung der Flugbewegungen seien Stimmen aus der Bevölkerung gewesen, wonach 2016 mehr und tiefere Flüge über der Stadt wahrgenommen worden waren. Daraufhin habe das UNH die Flugbewegungen für 2015 und 2016, jeweils Juni und Juli, ausgewertet.

Das Ergebnis: Im Juni und Juli 2016 fanden 56 Flugbewegungen mehr über Homburg statt als im Vorjahr. Das entspricht einer Zunahme von 1,7 Prozent. Bezüglich Höhe und Abweichung waren die Flugbewegungen in den Jahren jedoch weitgehend gleich. Generell gebe es folgende Aussagen:

Erstens: Homburg ist insbesondere bei Ostbetrieb (Betriebsrichtung 07) durch die Abflugstrecke 07-Nord (kurz) vom Parallelbahnsystem nach Norden belastet. Untypischerweise zeichnete sich die Wetterlage etwa im Februar 2018 durch überwiegenden Ostbetrieb aus, wohingegen im langjährigen Mittel der Westbetrieb (Betriebsrichtung 25) überwiege. Allein hieraus lasse sich bereits erklären, dass es zu vermehrten Überflügen gekommen sei. Betrachte man jedoch die Entwicklung der sechs verkehrsreichsten Monate der Jahre 2015 bis 2017, könne man feststellen, dass die Gesamtzahl der Abflüge über die 07-Nord (kurz) in dieser Zeit deutlich von 6063 auf 4101 gesunken sei.

Zweitens: Der Eindrehbereich für Anflüge bei Betriebsrichtung 25 streife insbesondere den Ortsteil Ober-Eschbach. Die ankommenden Flugzeuge flögen dort in der Regel aber deutlich höher als die Abflüge. Der Überwachung des Umwelt- und Nachbarschaftshauses „INAA-Air Traffic Noise“ lasse sich zudem entnehmen, dass in diesem Fall aus Westen kommende Anflüge teilweise direkt über Bad Homburg zu den Anflugschleifen geführt würden. Sie hätten jedoch typischerweise eine Höhe von 5000 bis 6000 Fuß, seien also wahrnehmbar, aber in der Lautstärke mit anderen Verkehrsmitteln vergleichbar.

„Die Ausführungen des Landtagsabgeordneten Bellino halte ich für zutreffend. Die Angaben zur Zunahme von Verkehrsmenge ist plausibel, wir haben es in den vergangenen Jahren mit Verkehrsanstiegen von rund drei Prozent im deutschen Luftraum zu tun“, erklärte Ute Otterbein, Sprecherin der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH auf Anfrage dieser Zeitung.

Allerdings betreffe diese Zunahme ja nicht nur den Taunus. Damit bezog sie sich auch auf eine Frage von TZ-Leser Gerhard Pfeiffer, der auch explizit nach den Überflügen von Großraummaschinen von London in den Nahen Osten fragte weil man „den Lärm vor allem in der Nacht verspürt“.

„Diese Überflüge gibt es, das ist korrekt. Deutschland ist einer der am dichtest beflogenen Lufträume weltweit. Das liegt an der Lage im Herzen Europas. Flugstrecken werden auf dem direktesten Wege beflogen – auf einer Kugel nennt man das Großkreisverbindung – also überqueren uns sehr häufig Flugzeuge, die in Deutschland weder landen noch starten.“ Allerdings – das muss schon klar sein, flögen diese Maschinen nicht „ausgerechnet über dem Vordertaunus“, sondern die ganze Republik.

Um die Antwort zu untermauern, bezog Otterbein sich auf ein Bild der Flugspuren des verkehrsreichsten Tages aller Zeiten, das war der 29. Juni 2018. Erstmals wurden an diesem Tag über 11 000 Flüge, verteilt übers ganze Land, gezählt.

Otterbein verneinte auch nicht, dass, wie von Pfeiffer angemerkt, „Überflüge durch laute, museumsreife Turboprop-Flugzeuge sowjetrussischer Bauart über uns“ stattfinden. Allerdings, betont sie, seien auch diese Flüge korrekt und „flugsicherungsseitig nicht zu beanstanden“. Und im Übrigen sei das aber auch „ein Thema für das Luftfahrtbundesamt in Braunschweig“.

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