Die Erlöserkirche wird für 1,2 Millionen Euro saniert.

Bad Homburg

Bad Homburger Erlöserkirche öffnet wieder

Die aufwendigen Arbeiten an dem markanten Gotteshauses kommen gut voran. Am Sonntag feiert die Gemeinde ihren ersten Gottesdienst im sanierten Kirchenschiff.

In Bad Homburgs prachtvollster Kirche sind ab sofort wieder größere Gottesdienste und Konzerte möglich. „Das Kirchenschiff ist saniert“, teilt Volker Weber mit, der sich in der Erlöserkirchengemeinde um die Bauangelegenheiten kümmert. Am kommenden Sonntag, 6. Oktober, wird die Kirche um 10 Uhr mit einem Erntedank-Gottesdienst offiziell wiedereröffnet.

Im März haben die wohl bislang aufwendigsten Sanierungsarbeiten in der Geschichte der 1908 eingeweihten Erlöserkirche begonnen. Inzwischen sei die Elektrik, die noch aus Kaisers Zeiten stammte, komplett erneuert worden, Fenster ausgetauscht und auch die Arbeiten auf dem Dach kämen gut voran, teilt Volker Weber mit. Deswegen habe ein Teil des Gerüsts bereits abgebaut werden können.

Alles in allem seien er und die anderen Verantwortlichen „sehr zufrieden“ mit dem Verlauf der Kirchensanierung. Im Laufe des Oktobers würden noch die Fenster in der Unterkirche erneuert. Die Dacharbeiten könnten aller Voraussicht nach Ende November abgeschlossen werden, erwartet Weber. Das sei zwar zwei Wochen später als ursprünglich geplant. Allerdings sei es im Sommer zeitweise so heiß gewesen, dass die Dachdecker aus Gesundheitsgründen ihre Arbeit einstellen mussten.

Das Gebäude

Die Erlöserkirche ist auf Initiative des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. gebaut und am 17. Mai 1908 eingeweiht worden. Sie gilt als das am besten erhaltene Gebäude des damaligen kaiserlichen Kirchenbauprogramms.

Äußerlich präsentiert sich die Kirche im neoromanischen Stil, das Innere orientiert sich an byzantinischen Kirchen wie der Hagia Sophia.

Unliebsame Überraschungen habe es nicht gegeben. Das gilt auch für die Finanzen. Derzeit bewege man sich exakt im vorher abgesteckten Kostenrahmen. Ein Betrag in Höhe von 1,2 Millionen Euro ist für die Sanierung der Erlöserkirche veranschlagt. 80 Prozent der Gesamtkosten übernimmt die Evangelische Kirche von Hessen und Nassau (EKHN), 240 000 Euro muss die Bad Homburger Kirchengemeinde selbst stemmen.

Um Spenden zu sammeln, hat sie die Aktion „Per Zeitkapsel in die Zukunft“ gestartet. Dabei konnten sich Einzelpersonen und Familien, Vereine und Cliquen für einen Betrag von jeweils 990 Euro eine Kapsel aus Edelstahl sichern, die sie nach eigenen Vorstellungen füllen konnten. Während des Gottesdienstes am Sonntag sollen die bislang verkauften Kapseln versiegelt werden. 123 Exemplare standen zur Verfügung. Einige seien noch zu haben, teilt Volker Weber mit. Luft- und wasserdicht verschweißt, sollen die Spenderkapseln unterm Kirchendach deponiert werden.

Während der Umbauarbeiten musste die Erlöserkirchengemeinde improvisieren. Für die üblichen Sonntagsgottesdienste habe die Unterkirche ausgereicht, schildert Volker Weber. Das habe so gut funktioniert, dass man nun überlege, in der Winterzeit ebenfalls dorthin auszuweichen, um nicht jedes Mal das große Kirchenschiff aufheizen zu müssen.

Größere Gottesdienste und Konzerte waren aber für mehrere Monate nicht möglich. So fand die Konfirmation in diesem Jahr in der katholischen St. Marien-Kirche statt. Als diese vor zwei Jahren renoviert wurde, hatten die Protestanten ihrerseits den Bad Homburger Katholiken in der Erlöserkirche Unterschlupf gewährt.

Vor zwei Jahren waren Schäden an Tragwerk und Dachflächen der Erlöserkirche entdeckt worden. Nachdem sich diverse Gutachter das Ganze angesehen hatten, stand fest: Das Schieferdach muss neu gedeckt werden. Dass man nicht den kompletten Dachstuhl austauschen musste, verdankt sich der Weitsicht der damaligen Bauverantwortlichen, die eine Konstruktion aus Stahl und Holz verwendet hatten. Der Stahl sorgt dafür, dass die Statik des Daches trotz der Wasserschäden gesichert ist. Auch die Kupferhauben der Türme waren noch in Ordnung. Sie mussten nicht erneuert werden.

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