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Sieben auf einen Streich: der Windpark Weilrod von der B 275 zwischen Usingen und Grävenwiesbach aus gesehen. Im Vordertaunus wird es vorerst keine solchen Anlagen geben.

Windräder tabu

Etappensieg für Windkraftgegner - Keine Anlagen im Bad Homburger und Friedrichsdorfer Stadtwald

Im Bad Homburger Stadtwald werden vorerst ebenso wenig wie im Forst auf Friedrichsdorfer Gemarkung Windkraftanlagen gebaut werden können. Das ist seit Freitagabend beschlossene Sache. Anders sieht es allerdings im Usinger Land aus.

Bad Homburg/Friedrichsdorf - Ein 41 Hektar großes Forst-Areal am westlichsten Zipfel des Bad Homburger Stadtwaldes zwischen Sandplacken und Dornholzhausen, direkt am Ende der Elisabethenschneise, ist seit Freitag als "Weißfläche" ausgewiesen. Gleiches gilt für ein 175 Hektar großes Waldgebiet an der Südost-Flanke des Naturparks Taunus zwischen Saalburg, dem Kirdorfer Feld, dem Friedrichsdorfer Stadtteil Dillingen und dem Köpperner Tal. Die beiden "Weißflächen" (mit den Nummern 5401 und 5701) sind seit Ende vergangener Woche in den Plänen des Regierungspräsidium Südhessen nicht mehr als Vorrangflächen für mögliche Windkraft-Standorte vorgesehen.

Nach der zweiten Offenlage des sachlichen "Teilplans Erneuerbare Energien" (TPEE) für den Regierungsbezirk Darmstadt im Jahr 2016 waren von unterschiedlicher Seite gegen die beiden Vorranggebiete Widersprüche eingelegt worden.

Diese, aus unterschiedlichen Gründen, eingebrachten Bedenken wurden von der Regionalversammlung Südhessen (RVS) nun berücksichtigt. Der jetzt beschlossene Plan legt unter anderem fest, wo künftig noch Windkraftanlagen errichtet werden können ("Vorranggebiete") und wo nicht (sogenannte Ausschlussräume).

Noch nicht endgültig

Die "Weißflächen" 5401 und 5701 sind aber nur "zunächst" als Windkraft-Standorte ausgenommen. "Zunächst" heißt aber nicht "definitiv": Auch die "Weißflächen" können nämlich nach erneuter gründlicher Planung und Bewertung in einem Nachschlag dennoch entweder Vorranggebiete werden oder als Ausschlussraum für die Windenergie deklariert werden.

Flächen im Usinger Land

"Diese Flächen sollen nach der Genehmigung des sachlichen Teilplans Erneuerbare Energien durch die Landesregierung in einem sich anschließenden Planänderungsverfahren beplant werden", teilt dazu Christoph Süß, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Südhessen auf Anfrage dieser Zeitung mit. Ob und wann das so weit sein wird, ist völlig offen.

Im Usinger Land sieht die Sachlage ganz anders aus. Oberhalb von Riedelbach, Cratzenbach und Hasselbach sind im Naturpark Taunus bereits elf Windkraftanlagen - zum Teil im benachbarten Landkreis Limburg-Weilburg - in Betrieb. Weitere sechs geplante Windräder wurden jedoch 2016 auf Schmittener (1) und Neu-Anspacher (5) Gemarkung zurückgenommen.

Kleinere Areale im nördlichen Zipfel des Hochtaunuskreises bei Grävenwiesbach, die ursprünglich als Windvorrangflächen vorgesehen waren, sind zwar als "Weißflächen" zunächst aus der Beplanung genommen worden. Oberhalb von Grävenwiesbach wurde das größte Vorranggebiet (9902 / 152 ha) zur Nutzung der Windenergie mit Ausschlusswirkung jedoch bestätigt.

Zuletzt hatte der Hessische Verwaltungsgerichtshof am 28. Januar 2019 die Beschwerde einer Bürgerinitiative zurückgewiesen. Danach begannen unmittelbar die Vorbereitungen für den Bau von sechs Windkraftanlagen, die die Windwärts Energie GmbH (Hannover) in Abstimmung mit der Gemeinde Grävenwiesbach und Hessen-Forst errichten will.

Auch die Windvorrangfläche 6601 (37,5 ha) westlich Wehrheim ist nach wie vor als garantierte Vorrangfläche mit Ausschlusswirkung im neuen TPEE 2019 enthalten, ebenso wie ein Teil der westlichen Vorrangfläche 7805 auf Pfaffenwiesbacher Gemarkung am Winterstein.

"Der östliche Teil der Fläche 7805 auf Gemarkung der Wetterau wurde lediglich als Vorrangfläche unter Vorbehalt mit aufgenommen. "Das letzte Wort hat die Flugsicherung. Deshalb gibt es keine Garantie für mögliche Investoren", teilt Süß mit.

Kleine Areale an der Grenze

Ebenfalls sind ganz kleine Areale an der Landkreisgrenze westlich von Emmershausen (Fläche Nummer 8701 / 40 ha), nördlich Hasselbach (7702 / 10 ha) und auf dem Höhenrücken zwischen Heinzenberg und Naunstadt (9000 / 12 ha) als Vorrangflächen für mögliche Standorte ausgewiesen.

von Matthias Pieren

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