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Die alten Gebäude in der Neuen Mauerstraße werden abgerissen. Hier werden drei Wohnhäuser mit etwa 25 Wohnungen entstehen.

Wohnungen

Bald kann man in der Bad Homburger Altstadt barrierefrei wohnen

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Früher wurde dort in den Scheunen an Autos geschraubt, eine Tankstelle gab’s auch – noch früher soll sogar der Kaiser hier seine Soldaten untergebracht haben, in dem Areal rund um die Neue Mauerstraße und Am Stadtgraben. In absehbarer Zukunft wird dort dringend benötigter Wohnraum entstehen. Nicht alle freuen sich darüber.

Grundstücke, die man bebauen könnte, sind rar in der Kurstadt. Entsprechend schwierig ist es denn auch, hier Wohnraum zu bekommen. Das ist den Bad Homburgern nicht erst klar, seit die Stadt an ihrem Stadtentwicklungsprojekt Bad Homburg 2030 (ISEK) arbeitet. Was seit einigen Monaten allerdings nachdrücklich aufgrund von ISEK verfolgt wird, ist das, was man unter dem Schlagwort „Innenstadtverdichtung“ kennt. Will heißen: Die Stadtverwaltung unterstützt die Nutzung frei stehender Flächen innerhalb bereits bestehender Bebauung. Das ist auch im Bereich Neue Mauerstraße und Am Stadtgraben der Fall. Auch in der Innenstadt wurde an der Louisenstraße 33–35 Richtfest gefeiert.

Das Gelände hat eine bewegte Geschichte. Schon der Kaiser soll hier – das historische Anwesen ist unter dem Namen „Bieber-Haus“ bekannt – seine Soldaten einquartiert haben. Die Familie Bieber hatte später hier eine Autowerkstatt. Künftig werden dort Menschen wohnen können. Das Areal wird nämlich entwickelt, und zwar von der in Friedrichsdorf ansässigen Firma Wohn-Wert Taunus. Die hat bereits die seniorengerechte Wohnanlage am Hindenburgring umgesetzt.

Bauvoranfrage für drei Mehrfamilienhäuser bereits genehmigt

Projektleiter Benjamin Eisner sagt über das neue Vorhaben: „Wir wollen dort drei Mehrfamilienhäuser mit etwa 25 barrierefreien Wohneinheiten realisieren.“ Entstehen sollen Wohnungen mit zwei bis fünf Zimmern, in einer Größe von 55 bis 180 Quadratmeter. Unterkellert wird das Areal mit zwei Tiefgaragen. Zwischen der neuen Mauerstraße und der Straße Am Stadtgraben wird es auch einen Durchstich geben, um beide Straßen zu verbinden. Nutzbar soll diese Verbindung aber nur für die Anwohner sein.

„Wir halten uns dabei an die Auflagen des auf dem Areal liegenden Bebauungsplanes“, betont Eisner. Das Gelände umfasst nach Angaben von Stadtsprecher Marc Kolbe etwa 2700 Quadratmeter. Die Bauvoranfrage sei auch schon positiv beschieden worden, die Stadt begrüße die Innenstadtverdichtung.

Holler-Haus wird in Absprache mit der Denkmalpfelge saniert

Wann Eisner und sein Team mit dem Bau loslegen können, ist noch nicht ganz klar. Anwohner hatten gehört, dass Stichtag eigentlich der 15. Februar gewesen sein sollte. „Aber das stimmt nicht“, sagt Eisner, denn: Eine Abbruchanfrage liegt laut Stadtsprecher Kolbe zwar vor, ist aber noch nicht genehmigt worden. Eisner geht davon aus, dass die Genehmigung bis März kommt und dann auch zügig mit dem Abbruch begonnen werden kann. Eine Bodensanierung steht auch noch an – früher stand dort ja auch eine kleine Tankstelle. „Wenn alles glatt geht, wollen wir im Spätsommer anfangen, zu bauen“, sagt der Bauentwickler.

Das auf dem Areal in der Neuen Mauerstraße stehende, denkmalgeschützte Holler-Haus, 1864 nach den Plänen des Homburger Baumeisters Christian Holler gebaut, gehört übrigens auch zum Ensemble. Und bleibt natürlich stehen. Eisner hat vor, es „in Absprache mit der Denkmalpflege zu sanieren“.

Infobox: Anwohner monieren Baumfällarbeiten

Die Anwohner des Neubauprojektes sehen der Sache mit Skepsis entgegen. Vor allem, weil, im Vorgriff auf die demnächst zu erwartenden Abbrucharbeiten, in den vergangenen Tagen Bäume gefällt wurden. Ein Anwohner ist in Sorge, ob das auch alles rechtens ist und vor allem, ob an die in dem Gebiet, das der Mann als „innerstädtische Oase“ bezeichnet, lebenden Tiere gedacht wurde.

Die Fällarbeiten sind nach Angaben von Stadtsprecher Marc Kolbe wegen des „perspektivisch anstehenden Abbruches erforderlich“ und seien mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt. Sie fänden bewusst jetzt statt, „weil wir uns außerhalb der Brut- und Vegetationsperiode befinden“. Für gefällte Bäume würden Ersatzpflanzungen vorgenommen.

Dass im Rahmen der Arbeiten das Grundstück der Wohngemeinschaft „Am Stadtgraben“ in Mitleidenschaft gezogen worden sein soll – der Anwohner spricht von einem beschädigten Eisentor – „bedauert die Stadt“, so Kolbe. Allerdings: „Die Arbeiten wurden nicht von der Stadt durchgeführt. Was diese Beschwerde betrifft, sind wir der falsche Ansprechpartner.“

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