„Ich bin froh, dass es mich noch gibt!“

  • VonBoris Schöppner
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Peter Stuckenschmidt feiert heute seinen 75. Geburtstag. Mit der TZ hielt der Sozialdemokrat Rückschau auf 25 Jahre in der Kommunalpolitik und richtete den Blick auch auf das, was Kronberg für ihn heute ausmacht.

Eins steht für Peter Stuckenschmidt fest: „Ich kann keine halben Sachen machen.“ Seit 2003 bedeutet das für den Sozialdemokraten, dass er vieles gar nicht mehr machen kann, was er früher gemacht hat. Denn nach der Krebsdiagnose und den Strahlenschäden durch die Behandlung muss er mit seinen Kräften haushalten.

Der Rückzug aus der Kommunalpolitik, die er 25 Jahre lang in Kronberg mitgeprägt hat, ist da nur folgerichtig. „Ich könnte das gar nicht mehr leisten, meine Beeinträchtigungen sind da viel zu groß.“

Die eigene Krankheit und der Tod seiner Frau stellen eine Zäsur dar, doch Stuckenschmidt, der 1974 nach Schönberg in eines der Hochhäuser gezogen ist, scheint nicht mit dem Schicksal zu hadern: „Ich bin froh, dass es mich noch gibt.“

Im Hintergrund aktiv

Und sich ganz ausklinken, dass will Stuckenschmidt, der heute 75 Jahre alt wird, auch nicht. „Ich bin in den E-Mail-Verkehr der SPD eingebunden und melde mich hin und wieder zu Wort.“ Er diskutiere im Hintergrund noch mit. Und das aus gutem Grund: „25 Jahre lokalpolitische Erfahrung, das ist auch ein Wert, mit dem man etwas machen kann.“ Außerdem ist er im Stiftungsrat der Burg und einer von drei Sprechern der Kulturinitiative Kronberg.

Die Kommunalpolitik habe ihm geholfen, schnell in Kronberg Fuß zu fassen, sagt der ehemalige Lehrer (Griechisch, Latein, Gemeinschaftskunde). 1972 in die SPD eingetreten, hatte er von 1978 bis 1983 verschiedene Funktionen im Vorstand des Ortsvereins Kronberg inne. Von 1981 bis 2006 war er Mitglied der SPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung, von 1990 bis 2004 Fraktionsvorsitzender.

Kultur, das war eines seiner Steckenpferde. Der Kauf der Burg durch die Stadt sei ein gutes Beispiel dafür. „Man konnte etwas bewegen“, sagt Stuckenschmidt und verweist auf die ausgeglichenen Haushalte in den 1990er Jahren, die den Stadtverordneten viel Gestaltungsspielraum gegeben hätten. Doch er ist weit davon entfernt, die Vergangenheit zu verklären.

Viele Beschlüsse seien in jener Zeit, als SPD, Grüne und UBG koalierten, nur mit einer Stimme Mehrheit beschlossen worden. Das Verhältnis zur CDU war mehr als angespannt. „Als wir den Weg für das Kinderhaus der Elterninitiative freigemacht haben, wurden wir von der CDU gefragt, ob wir DDR-Verhältnisse wollten“, erinnert sich der Genosse, der für sein politisches und ehrenamtliches Engagement unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande, dem Ehrenbrief des Landes Hessen und der Willy-Brandt-Medaille ausgezeichnet wurde. Und eigenständige Kulturpolitik habe die CDU seinerzeit für Kronberg als überflüssig erachtet. Wer Kultur wolle, könne doch nach Frankfurt fahren, Kronberg habe ja schließlich einen S-Bahn-Anschluss.

Anfangs habe er die schwarz-rote Koalition skeptisch gesehen, doch jetzt stellt er fest: „Führende Personen beider Fraktionen können wohl ganz gut miteinander, und das ist nicht ganz unwichtig.“ Dass es jetzt eine stabile Mehrheit gebe, sei ein weiterer Pluspunkt. Zudem gelte, dass unpopuläre (Spar-)Beschlüsse mit einer Großen Koalition eher hinzu bekommen seien.

Streichkonzert tut weh

„Dass jetzt der kulturelle Bereich zusammengestrichen wird, das tut mir weh“, sagt Stuckenschmidt, der in dem geplanten Umzug des Museums Kronberger Malerkolonie in die Villa Winter eine Verschlechterung sieht – zumindest, was die Qualität der Räume anbelangt.

Was ihn in der Burgstadt nervt, das ist das, was er als „Kronberger Krankheit“ bezeichnet: „Jeder wurschtelt vor sich hin.“ Vereine täten sich unglaublich schwer, Veranstaltungen miteinander abzusprechen.

Zu seinem Geburtstag, den er im kleinen Kreis feiern wird, wünscht er sich vor allem eins: „Dass es mit der Gesundheit stabil bleibt, damit sich das Leben noch ein bisschen lohnt.“ Lohnenswertes fand er jüngst erst bei einem Besuch des Frankfurter Städels. „Ich war in der Monet-Ausstellung. So viel Schönheit hat mich fast erschlagen.“

(öp)

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