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Im Golf rund um die Ostsee

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Bereit zur großen Rundfahrt: Ursula und Benjamin Zieten mit ihrem Rallye-Golf - noch in Rod am Berg, bald aber im hohen Norden. © Red

Neu-Anspach. Die Eckdaten sind schnell aufgezählt, haben es aber in sich. 7500 Kilometer, 10 Länder, 16 Tage. Was der Rallye-Veranstalter Superlative Adventure Club in den letzten Februartagen 2022 starten lässt, ist »Baltic Sea Circle - Winter Edition« überschrieben und führt Teams aus Deutschland und seinen Nachbarstaaten einmal rund um die Ostsee.

Als einzige Fahrgemeinschaft aus dem Hessenland begeben sich Ursula und Benjamin Zieten aus Rod am Berg auf die anspruchsvolle Strecke.

»Unsere erste Rallye, eine Premiere«, berichtet der 37-Jährige, den Facebook-Einträge zu der Teilnahme verlockt haben. Und dann gleich rund ums Baltische Meer, mitten im frostigsten Winter, ganz ohne Navigationshilfe und GPS, abseits jedweder Autobahnen? »Wenn schon, denn schon.« Seit fast zwei Jahren bereitet sich Zieten auf das Abenteuer vor, hat sich ins Thema eingelesen, Landkarten studiert, an seinem Fahrzeug gewerkelt. Als Mitarbeiter des landwirtschaftlichen Lohnunternehmens Staehr sind ihm Geländefahrten, Reparaturen und Improvisationstalent sowieso seit Langem geläufig.

Unverzichtbare Stütze der nordischen Unternehmung ist Mutter Ursula, eine landesweit bekannte Falknerin und mit Elementarem ebenfalls bestens vertraut. Beide firmieren unter dem Team-Namen »Black Mamba« und wechseln sich beim Steuern ab. Zwischen 500 und 700 Kilometer sollen pro Tag absolviert werden. »Anstrengend wird es, unvergesslich auch«, sagt die 74-Jährige, den gemeinsamen Wünschen schon mit Vorfreude Ausdruck verleihend: »Einmal am Nordkap stehen, einmal die Polarlichter sehen!«

Start auf dem Fischmarkt

Klar, dass dem motorisierten Element bei all den Unwägbarkeiten eine bedeutende Rolle zukommt. Kurz vor dem Start, der am Sonntagmorgen auf dem Hamburger Fischmarkt erfolgen wird, präsentiert Benjamin Zieten seinen 1992 zugelassenen 3er Golf mit strammen 75 Pferdestärken und einem 1,8 Liter-Hubraum. In mattschwarzer Verlässlichkeit steht da, was noch immer sein »Alltagsfahrzeug« war, aber längst ein »Geländewagen« ist.

Stundenlanges Tüfteln und noch längeres Schrauben haben zu einer Ausstattung geführt, die durch Schnee und über Eis geleiten soll: Unterbodenbleche, Seilwinde, Zusatzbatterie, Standheizung und Extrabeleuchtung sind da nur eine kleine Auswahl.

Der viertürige Frontantriebler ist natürlich auch höhergelegt und mit CB-Funk versehen. Das Automobil, so berichtet der Mamba-Eigner, sei schon im Besitz der Großmutter gewesen und gehöre seit mittlerweile 28 Jahren zur Familie.

War es früher ein normaler Pkw, birgt der Volkswagen nun ein Arsenal an Werkzeugen, Ersatzteilen und Lebensmittelvorräten. Dem Zufall haben Mutter und Sohn nichts überlassen: »Besonders die neue Gewichtsverteilung war zu beachten.« Gepäckträger, Ersatzreifen, Schneeketten und Kanister voller Benzin und Diesel fordern schließlich ihren Tribut. »Alles wurde vom TÜV geprüft und abgenommen.« Dass der VW-Motor - am Start mit dann 170 000 Kilometern auf dem Tacho - bei klaftertiefen Minustemperaturen durchlaufen muss, ist ebenfalls abgemachte Sache.

Zelten bei Minusgraden

Und wenn es dann durch Dänemark, Schweden, zu den norwegischen Lofoten (inklusive Winterbiwak) und zum Nordkap, weiter nach Finnland, Estland, Lettland, Litauen und nach Polen rollt, findet die Nachtruhe vornehmlich im Zelt statt. Hotelbetten sind nur an jedem dritten Reisetag vorgesehen. Von Aussichten auf bis zu minus 30 Grad lassen sich die Zietens jedoch nicht schrecken. Mit der standgeheizten 8-Kilowatt-Kraft wird das ansonsten auf dem Dachträger verstaute Zelt auf 22 Grad Plus erwärmt - ein »Probeschlafen« auf dem frostigen Gipfelplateau des heimatlichen Feldbergs hat jedenfalls funktioniert.

Kurz vor der Abfahrt sind die Ziele der beiden Rallye-Debütanten deutlich definiert. »Wir machen uns keinen Zeitdruck, Entspannung und Entdeckung stehen im Vordergrund«, sagt Ursula Zieten. Man müsse nicht jede Sonderprüfung mitmachen, fahre sowieso auf eigenes Risiko. Geborgen fühlen sich die Baltic-Tauniden im Miteinander der beteiligten Teams: »Die gegenseitige Hilfe ist selbstverständlich.« Im Hinblick auf Corona gebe es bis zur Stunde in den frequentierten Ländern keine Beschränkungen - »Tests nehmen wir aber vorsorglich mit, geimpft sind wir sowieso«.

Einige Sponsoren aus der Region haben dem Team ihre Unterstützung gewährt, freuen sich auf die Nachrichten von Schotterpisten, zugefrorenen Flüssen und dem tückischen Kristallschnee. Zu der winterlichen Umrundung des Mare Balticum gehört auch ein karitativer Schlenker: »Wir spenden für die Hundestaffel des Roten Kreuzes und den Verein Sternenlichter.« Wie schon gesagt: Nichts ist dem Zufall überlassen bei der großen Tour, die einen eindrucksvollen Bogen vom Hochtaunus-Limes zum Nordkap und retour schlägt.

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