Rinder grasen auf der Weide im Offental nahe Wehrheim: Bei fortschreitender Bebauung, Versiegelung und Nutzung der landwirtschaftlichen Fläche für Wohn- und Industriegebiete sowie für Verkehrswege verschwindet immer mehr Kulturlandschaft.
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Rinder grasen auf der Weide im Offental nahe Wehrheim: Bei fortschreitender Bebauung, Versiegelung und Nutzung der landwirtschaftlichen Fläche für Wohn- und Industriegebiete sowie für Verkehrswege verschwindet immer mehr Kulturlandschaft.

Veränderung

Immer mehr Ackerflächen und Wiesen müssen einer Bebauung weichen

  • vonMatthias Pieren
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Beim Deutschen Bauerntag in Wiesbaden tagen heute und morgen die Delegierten unter dem Motto „Zukunft wächst auf dem Land“. Beim Blick auf den Hochtaunuskreis wird klar, wie schwierig es für die heimischen Landwirte ist, hier ihre Zukunft zu gestalten.

Kaum ein anderer Begriff, als jener der „Heimat“, wird derzeit von ganz unterschiedlichen Seiten hochgehalten, wenn es darum geht, den Menschen einen überschaubaren und sicheren Rahmen für ihren Alltag zu beschreiben. Betrachtet man den Hochtaunuskreis in seiner jüngeren Geschichte, wird schnell klar: Der Mythos „Heimat“ suggeriert eine Beständigkeit und Verlässlichkeit, die überhaupt nicht existiert. Zukunft ist auch für eine Region wie den Taunus nur möglich, wenn sie sich weiterentwickelt.

Doch beim Blick auf die Kulturlandschaft des Hochtaunus wird klar, dass der Mensch nicht gerade zimperlich mit seiner direkten Heimat umgeht. „Bereits in den vergangenen 15 Jahren mussten die Landwirte im Landkreis rund 500 Hektar Ackerland aufgeben“, teilt der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, der Ober-Erlenbacher Landwirt Georg Kopp mit.

Gebaut wurden darauf Straßen, Wohn- und Gewerbegebiete. Ein Blick auf die vergangenen 25 Jahre zeichnet ein noch deutlicheres Bild. Nach aktuellen Zahlen des Hessischen Landesamtes für Statistik ist die Acker- und Weidefläche im Hochtaunuskreis seit 1991 von 15 175 Hektar auf heute nur noch etwas mehr als 14 000 Hektar zurückgegangen. Zeitgleich hat die Siedlungs-, Gewerbe-, Handels- und Verkehrsfläche im Hochtaunuskreis von knapp 8500 auf heute 9300 Hektar zugenommen. Der Mensch überformt also beständig die Landschaft im Taunus und gestaltet sie neu. Und die Entwicklung geht ungehemmt weiter.

Zum Beispiel im Südosten, wo der Hochtaunuskreis direkt an die Stadt Frankfurt grenzt: Bekanntlich will hier die Mainmetropole weiter in Richtung Taunus wachsen. Bis vor die Tore von Steinbach und Oberursel soll auf 500 Hektar ein neues Stadtviertel aus dem Natur- und Ackerland gestampft werden. Aber auch andernorts brauchen die Städte und Gemeinden Platz. Dabei verschwindet das „Offenland“ – also die Fläche, die der moderne Mensch bis dato noch nicht mit Straßen und Bebauung unwiederbringlich versiegelt hat.

„Für das Offenland kommt der Landwirtschaft eine tragende Rolle zu, um einen vielfältigen ländlichen Raum zu gestalten und zu erhalten. Bauern stellen nicht nur die Versorgung der Menschen mit Nahrungsmitteln sicher, sondern gestalten und erhalten auch unsere schöne Kulturlandschaft“, teilt Stefan Weber, der Sprecher des Hessischen Bauernverbandes mit Sitz in Friedrichsdorf, mit. „Der Flächenverlust im Offenland muss gestoppt werden“, fügt Weber mit Nachdruck hinzu.

Auch der hessische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) macht darauf aufmerksam, dass jeder Quadratmeter bisheriger Freifläche, der neu versiegelt wird, nicht nur für die Produktion von Lebensmitteln, sondern auch für die Artenvielfalt von Tier- und Pflanzenwelt verlorengeht.

„Das Offenland gewährleistet durch seine Filter- und Pufferwirkung den Schutz des Grundwassers und die Regulation des Wasserhaushaltes“, erläuterte der Landesverband des BUND bei einem Ortstermin am Rande des geplanten neuen Frankfurter Stadtteils, bei dem auch Mitglieder aus dem Hochtaunuskreis die Forderung unterstützten: „Netto-Null Flächenverbrauch muss das Ziel sein. Es ist die einzig wirklich verantwortbare Alternative und der einzige Weg des Umgangs mit der nicht vermehrbaren Fläche zugunsten der nächsten Generationen.“

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