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"Immer mit dem Undenkbaren rechnen"

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Mario Lauth musste in seiner Amtszeit als Parlamentschef zwar oft mit Anzug, Schlips und Kragen erscheinen, liebt es in seiner Freizeit, wie hier bei einer Wanderung auf dem Seebuck im Schwarzwald, aber auch hemdsärmelig. © schneider

Mario Lauth leitet heute Abend zum letzten Mal eine Sitzung der Weilroder Gemeindevertretung. Wie berichtet, übernimmt Lauth, der bei der Kommunalwahl als Spitzenkandidat der FWG angetreten und in der Folge im Amt als Parlamentschef bestätigt worden war, zum 1. Juli die Stelle des Bauhofleiters. Er muss deshalb alle politischen Ämter aufgeben. Zum Ende seiner kommunalpolitischen Laufbahn traf er sich zum Interview mit unserem Mitarbeiter Alexander Schneider.

Als man Sie fragte, ob Sie Parlamentsvorsitzender werden wollen- was ging Ihnen da durch den Kopf?

Mario Lauth: Mein erster Gedanke war: "Oh, mein Gott! Wie komme ich zu dieser Ehre, kann ich das und wie erkläre ich es meiner Frau? Das hat meinen Ehrgeiz geweckt.

Wie lange haben Sie überlegt?

Genau weiß ich das nicht mehr, zwei, drei Wochen? Am wichtigsten war mir, dass ich das Einverständnis meiner Familie hatte, da der Zeitaufwand für dieses Amt recht groß ist. Ich musste mir aber auch selbst die Frage stellen, ob ich mich der Aufgabe stellen wollte.

Sie waren zuvor Gemeindevertreter, wie schwer war es da, plötzlich "vorne in der Mitte zu sitzen"?

Ganz einfach. Das A und O ist eine gute Vorbereitung. Das gab mir Selbstsicherheit, Ruhe und Gelassenheit. Nebenbei habe ich mich über den Hessischen Städte- und Gemeindebund weitergebildet und gute Unterstützung aus dem Rathaus erhalten.

Welche Bedeutung hat für Sie das Vorsteheramt?

Für mich ist das ein ehrenamtliches Engagement, eine Aufgabe, in der man sich verpflichtet, sie möglichst gut zu machen. Sicher, man repräsentiert die Bürger und muss damit respektvoll umgehen, aber letztendlich ist man auch nicht wichtiger als andere. Man sollte auf dem Teppich bleiben.

Der Parlamentschef ist der "1. Bürger" einer Kommune - war das für Sie eher Last oder Lust?

Schwer zu beantworten. Für den Einen ist man wichtiger als der Bürgermeister, aber schon der Nächste kann mit dir überhaupt nichts anfangen.

Wiederum Andere finden aus Prinzip kein gutes Wort über dich, weil du Politiker bist. Man ist sich dem aber bewusst und lernt daraus, sammelt Eindrücke und wächst mit der Aufgabe. So gesehen siegt die Lust klar über die Last. Es wäre allerdings unehrlich, wenn ich behaupten würde, dass das Amt nicht ab und zu auch eine Last ist.

Als Parlamentschef braucht es Führungs- und Durchsetzungskraft sowie Autorität, hatten Sie all das?

Da hat mir meine Vergangenheit in der Feuerwehr geholfen. Schon mit 17 Jahren habe ich in der Jugendfeuerwehr geführt und ausgebildet. Später war ich Wehrführer. Und ja, es gab Kurse beim Städte- und Gemeindebund. Das alles hat mir geholfen, Menschen einzuschätzen und ein gewisses Maß an Weitsicht und Feingefühl zu entwickeln.

Was hat Sie vielleicht schon immer an diesem Amt gereizt?

Vorne dabei zu sein, Weilrod weiter nach vorne zu bringen, dem Bürger gerecht zu werden.

Wie viel davon ist eingetreten?

Aus meiner Sicht sind viele gute Entscheidungen für Weilrod aus dem Parlament hervorgegangen. Ein Problem in der Politik ist, dass die für den Einen gut sind, für den Anderen aber von Nachteil ist. Wichtig war mir immer, dass das Gros der Bürger von unserer Politik profitiert. Jeder muss selbst bewerten, ob das, was mich am Amt gereizt hat, gerecht war. Ich persönlich bin mit mir aber zufrieden.

Hatten Sie anfangs die HGO unter dem Kopfkissen liegen?

Nein. Man muss nicht alles wissen, aber man muss wissen, wo es steht.

Gibt es Ereignisse, die Ihnen noch so präsent sind, als wäre es gestern gewesen?

Ja, meine erste Wahl zum Parlamentschef 2017.

Gab es in Ihrer Amtszeit Dinge, die Sie lieber nicht erlebt hätten?

Ich hätte gut auf die Corona-Pandemie und ihre unvermeidlichen Maßnahmen verzichten können.

An welche Ereignisse erinnern Sie sich noch besonders gern?

An unsere Ehrenamtsempfänge. Das waren schöne und kurzweilige Veranstaltungen zu Ehren verdienter Bürger. Toll war aber auch das Festwochenende zu unserem 50. Jubiläum. Bei all der Arbeit vorab bin ich stolz und glücklich, dabei gewesen zu sein, und dass es so ein Riesenerfolg war.

Gibt es etwas Lustiges in Ihrer Amtszeit, ein schöner Versprecher?

Den gab es bestimmt. Ich kann mich nur nicht mehr erinnern. Wer mich kennt, weiß aber, dass ich gerne für witzige Sprüche sorge, ohne dabei die Ernsthaftigkeit zu schmälern. Wer lachen kann, ist glücklich. Glückliche Menschen treffen meist bessere Entscheidungen.

Was war für Sie die größte Herausforderung?

Die Amtseinführung von Götz Esser zum Bürgermeister. Damals, im Juni 2017 als Frischling, musste meine erste Sitzung ausgerechnet eine Amtseinführung sein. Vor 200 Gästen stand ich da auf der Bühne und hielt das Zepter in der Hand, ohne bis dahin einen eigenen Stil entwickelt zu haben.

Sie werden nun Bauhofleiter. Wie schwer ist es für Sie, der Kommunalpolitik adieu zu sagen?

Mittelschwer. Es hat den Vorteil, dass ich in Zukunft etwas mehr Freizeit genießen darf. Zum Nachteil wird mir mein Gewissen. Vor etwas über einem Jahr war ich der Spitzenkandidat der FWG zur Kommunalwahl und hatte noch keinen Gedanken daran verschwendet, Bauhofleiter zu werden. Jetzt, gut ein Jahr später, gebe ich mein Mandat ab.

Das entspricht sicher nicht ganz dem Wählerwillen. Allerdings haben mich die Umstände dazu gezwungen, dass ich mich beruflich neu orientiere und die Herausforderung, die die Stelle des Bauhofleiters bietet, hat mich gereizt..

Drei gute Tipps für ihre Nachfolge...?

Gute Sitzungsvorbereitung, das Sprichwort "In der Ruhe liegt die Kraft" beherzigen und immer mit dem Undenkbaren rechnen.

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