Prozess

Immer, wenn er Alkohol trank rastete er aus

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Wenn er Alkohol trank rastete der heute 28-Jährige regelmäßig aus, wurde aggressiv und brutal. Da eine Wiederholungsgefahr besteht, entschloss sich das Gericht zu einem ungewöhnlichen Urteil.

Die Liste der Vorwürfe, die im Gericht verlesen wurde, war lang: mehrfache Körperverletzung, Diebstahl, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr und Verstoß gegen das Tierschutzgesetz wurden da aufgeführt, die dem 28 Jahre alten Bad Homburger zur Last gelegt wurden. Acht Stunden lang tagte deswegen das Schöffengericht Frankfurt und hörte dabei 14 zeugen, bis schließlich das Urteil feststand. Der 28-Jährige muss für 18 Monate in eine Entziehungsanstalt verurteilt.

Hierbei handelt es sich um eine gerichtliche Maßnahme, die dann angeordnet wird, wenn für die betreffende Person die Gefahr besteht, dass sie wegen ihres Hanges zu Alkohol oder sonstigen Rauschmittel erhebliche rechtswidrige Taten begehen wird. Offenbar sah das Gericht diese Gefahr für gegeben.

Die Taten hatte der Man zwischen 21. Juli und 9. August vergangenen Jahres auf brutale Weise in Bad Homburg begangen.

Am 21. Juli war er gegen 19 Uhr alkoholisiert zum Kiosk in der Brüningstaße gegangen und hatte dort Bier verlangt. Da er aber nicht zahlen konnte, schlug er den Kioskhelfer zu Boden. Dabei erlitt der Mann blutende Verletzungen im Gesicht und büßte einen Zahn ein. Der damals 27-Jährige flüchtete, nachdem er zuvor noch einem anderen Kioskbesucher dessen angebrochene Zigarettenschachtel stahl.

Zwei Tage später, ein Sonntag, schlug der Angeklagte einem entgegenkommenden Fußgänger in der Kisseleffstraße ohne Vorwarnung eine Bierflasche ins Genick. Nachdem er am 24. Juli eine Nacht in der Ausnüchterungszelle der Polizei verbracht hatte, begneten ihm im Schwedenpfad ein 78 Jahre alten Mann, der seinen kleinen Hund ausführte. Den etwa 20 Zentimeter großen und zwei Kilo schweren Hund kickt der 27-Jährige wie einen Fußball vom Bürgersteig sechs Meter weit in ein Gebüsch. Der Hund habe ihn angeknurrt, behauptet der Täter im Gericht, was der Hundehalter in Abrede stellte. Der Hund sei danach traumatisiert gewesen und habe nur noch wenig gefressen. Kurz vor Weihnachten musste das Tier wegen eines Leberschadens eingeschläfert werden. Es blieb aber offen, ob ein Zusammenhang mit dem Fußtritt bestand.

Am 4. August belästigte er alkoholisiert (2,5 Promille) im Stadtbus eine Frau. Der Busfahrer hielt in der Frölingstraße an, um den Mann aus dem Bus zu geleiten. Als eine 53-Jährige den Man bat, auszusteigen, drohte er ihr an, ihr die Zähne auszuschlagen, verließ dann den Bus, um anschließend mit dem Knie eine Glastür des Busses zu zerstören. Und damit nicht genug: Am 9. August trat er am Heuchelbach einem neun Jahre alten Jungen ohne Vorwarnung von hinten in die Kniekehle. Als sich dessen 11-jähriger Bruder beschwerte, bekam auch er Prügel angedroht. Die hinzukommende Mutter rief die Polizei.

Vor Gericht gab der Angeklagte weitgehend die Taten zu, schränkte aber ein, dass er sich nicht mehr an alles wegen seines Alkoholkonsums erinnern könne. Der 28-Jährige hat keine feste Arbeit, sondern hält sich mit Aushilfsjobs und Sozialhilfe über Wasser. Einer Verhaftung entging er mehrfach, indem er sich in den stationären Entzug begab, den er aber stets abbrach.

Der im Gericht angehörte Psychotherapeut gab an, dass der Mann alkoholkrank sei und eine Persönlichkeitsstörung habe. Doch einen Anhaltspunkt für eine psychische Erkrankung gebe es nicht. „Die jetzt verhandelten Taten sind nur die Spitze des Eisberges“, wusste der Zeuge, denn zahlreiche Straftaten seien gar nicht angeklagt worden. Wie der Gutachter ausführte, neige der Mann zu erheblichen Gewalttaten. Ein erneutes Absturzrisiko und die Gefahr der Rückfälligkeit schloss er nicht aus., was das Gericht dann zum eingangs genannten Urteil veranlasste.

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