Immobilien-Trend: Die Blase wächst, aber sie platzt noch nicht

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Die Zinsen sind niedrig, viele ermuntert das, eine Eigentumswohnung oder ein Haus zu kaufen. Das treibt die Preise in die Höhe und damit die Mieten.

Die Zinsen sind niedrig, viele ermuntert das, eine Eigentumswohnung oder ein Haus zu kaufen. Das treibt die Preise in die Höhe und damit die Mieten. Verstärkt wird diese Entwicklung durch den Zuzug vieler Menschen – alleine die Bevölkerungszahl von Frankfurt ist in den letzten Jahren um 70 000 gestiegen. Wie geht diese Entwicklung weiter? Das war eine der Fragen beim Immobilientag der Taunus-Sparkasse in Bad Soden.

Antworten hatte beispielsweise Andreas Schulten, Vorstandsmitglied der Bulwiengesa AG, die sich mit der Analyse des Immobilienmarktes beschäftigt. Er prognostiziert, dass die Entwicklung bald am Ende angekommen ist. Mit Preissenkungen müsse man rechnen vor allem bei Gewerbe-Immobilien und Eigentumswohnungen. In München habe es Derartiges schon gegeben, in Hamburg sei damit zu rechnen, in der Rhein-Main-Region aber erst mittelfristig, nicht in den drei nächsten Jahren.

Spricht sich die Einschätzung unter Käufern herum, tendieren viele dazu, einen Kauf zu verschieben – und schon sinkt erst die Nachfrage und dann auch die Preise. Mit einem nennenswerten Anstieg sei jedenfalls nicht zu rechnen, so Raimund Becker, bei der Taunus-Sparkasse für Immobilienfinanzierungen zuständig.

Becker geht allerdings im Gegensatz zu Schulten davon aus, dass sich hochpreisige Eigentumswohnungen noch in vernünftigem Umfang verkaufen lassen. Dabei gibt es Unterschiede von Ort zu Ort. In Mainz zum Beispiel sind die Immobilienpreise in den letzten Jahren deutlicher gestiegen als in den anderen Großstädten der Region – und das, obwohl der Einwohnerzuwachs vergleichsweise gering ist. Schulten ließ durchblicken, dass es Probleme geben kann: Von einer Immobilienblase könne noch nicht die Rede sein, aber „wir sind in einer Situation, die vielen Kopfschmerzen macht“.

Ein Immobilientag ist natürlich eine Veranstaltung für Bauträger, Projektentwickler, Makler, Immobilienfinanzierer und ähnliche Berufe – und diese Branche hat ein besonderes Interesse an einem Immobilienmarkt, der weiter wächst. Aus der Sicht von Schulten schenkt die Branche aber der Frage, wie die Region insgesamt funktioniert, zu wenig Aufmerksamkeit, interessiert sich zu wenig für Fragen wie Verkehr und Infrastruktur. Das ist um so fataler, weil aus Branchensicht längst nicht alles optimal gelöst ist. Das Kirchturmdenken zurückzudrängen und mehr die Region zu sehen, das ist auch aus Sicht von Becker die Aufgabe.

Mit dem Thema Fachmärkte wurde ein Gebiet angesprochen, das dabei eine Rolle spielt. Das aktuellste Beispiel wurde nicht angesprochen, ist aber augenfällig: Dass Hattersheim es eventuell nicht schafft, einen neuen Baumarkt anzusiedeln, liegt vor allem am Widerstand der Nachbarkommunen. Dabei gehört der Main-Taunus-Kreis, wie eine Bulwiengesa-Untersuchung ergab, zu den Gebieten rund um Frankfurt, die mit Fachmärkten eher unterversorgt sind. Die Kommunen täten sich aber schwer, neue Flächen dafür auszuweisen, ahnt Schulten.

Das liegt natürlich an der Sorge, den Einzelhandel in den Ortskernen auszubluten. Eine Wiederbelebung sei für die Kommunen schwierig, räumt er ein. Verschiebungen im Einzelhandel werde es trotzdem geben, auch zu Lasten der Shopping-Center. Schulten rechnet dort sogar mit sinkenden Ladenmieten. Das ist für den Main-Taunus-Kreis mit dem Main-Taunus-Zentrum mittendrin ein spannendes Thema.

(bt)

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