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In die Pedale getreten

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Auch, wenn das Radverkehrskonzept vom Land Hessen gefördert wird: Für die Umsetzung müssen Kreis und Kommunen in den kommenden Jahren viel Geld investieren. © Red

Hochtaunuskreis. Der Kreistag hat das Radverkehrskonzept in seiner Sitzung am Montag in allen Punkten bestätigt. Es sei detailtief, zukunftsweisend, umfassend und werde so dem sich ändernden Mobilitätsverhalten gerecht. Auch definiere es das Fahrrad immer stärker als eigenen Verkehrsträger neben Autos, Bussen und Bahnen, so der allgemeine Tenor. Eine Überraschung war das nach dem bereits im Fachausschuss interfraktionell geäußerten Lob für das Papier nicht, und auch dass die AFD bei ihren Vorbehalten blieb, war nicht unerwartet, allenfalls dass sie sich nur der Stimme enthielt.

CDU-Sprecher Norbert Fischer sagte, mit der Stärkung des Radverkehrs solle nicht das Auto zurückgedrängt werden; vielmehr gehe es in diesem zielführenden, schlüssigen, aber auch sehr ehrgeizigen Konzept darum, Alternativen aufzuzeigen. Fischer goss aber auch etwas Wasser in den Wein. So könne es in dem relativ engen Umsetzungszeitraum von nur zehn Jahren, auch wegen der Schaffung des an vielen Stellen notwendigen Baurechts durch Grunderwerb, durchaus zu Verzögerung, sicher auch Kostensteigerungen, kommen. Das Konzept insgesamt werde dadurch aber nicht in Frage stelle, sagte Fischer.

Grüne: 30 Prozent könnten umsteigen

Ellen Enslin (Grüne) sagte, mittelfristig könnten 30 Prozent der Autofahrer aufs Rad umsteigen, es sei gesund, schnell, umweltfreundlich, preisgünstig und »angesagt«. Das Radwegekonzept zeige Wege auf, die dazu geeignet seien, den wachsenden Bedarf an Zweiradmobilität zu bedienen, einschließlich der notwendigen Schnittstellen an S- und Busbahnhöfen im Sinne des multimodalen Pendlerverkehrs. Auch Enslin schloss Kostensteigerungen über den bereits jetzt absehbaren Kreisanteil von 28 Millionen Euro hinaus nicht aus.

Für Beate Denfeld (SPD) »zahlt sich langer Atem aus«. Schon 2004 sei ein Fahrradnetzplan Thema gewesen. Das Konzept folge dem allgemeinen Bewusstseinswandel bei der Mobilität, das Fahrrad sei heute ein eigenständiger Verkehrsträger. Wenn alles angesichts schwieriger Rahmenbedingungen bis 2025 umgesetzt sein soll, »müssen wir jetzt rasch vom Planen in Handeln kommen«, sagte Denfeld. Wie wichtig dabei auch Abstellplätze für Räder, möglichst mit Lademöglichkeit für E-Bikes, seien, zeige sich in Bad Homburg. Dort sei diesbezüglich bereits viel passiert, die am Bahnhof geschaffenen Stellplätze seien aber schon jetzt zu knapp.

FDP: Entlang von Kreisstraßen

Holger Grupe (FDP) wollte das kollektive Lob an die Autoren des Konzepts nicht wiederholen, stimmte ihm pauschal aber zu. Es sei richtig, dass sich der Kreis bei der Umsetzung und in enger Abstimmung mit den Kommunen auf die Radwege entlang der Kreisstraßen fokussiere. Die Vernetzung regionaler und überregionaler Radverkehre sei deshalb so wichtig, weil immer mehr E-Bikes das Pendeln zwischen Wohnort und Arbeitsplatz auch über weitere Strecken erlaubten.

Paul Beuter (AFD) erneuerte seine bereits im Planungsausschuss geäußerten Vorbehalte. Dass es im Hochtaunus eine alternde, nicht mehr so fahrradaffine Gesellschaft gebe, sei Fakt. Man dürfe ein Konzept wie das vorgelegte nicht ideologisch überhöhen. Jeder Verkehrsteilnehmer müsse selbst entscheiden können, womit er sich fortbewegt, so Beuter. Es müsse kein »autoähnliches Verkehrsnetz« geschaffen werden, wie das mit dem Konzept offenbar beabsichtigt sei, zumal damit auch die Kommunen, auf die der Löwenanteil der Umsetzung entfalle, überfordert wären. Separate Radwege sollte es nur geben, wo sie auch notwendig sind. Oft spreche allein die Topografie dagegen. Ansonsten seien geübte Radfahrer in der Lage, sich die Straße mit Autos zu teilen. Er selbst sei früher im Studium von Oberursel bis nach Darmstadt geradelt.

Das Schlusswort hatte FW-Fraktionschef Götz Esser. Beuters Studienzeit liege lange zurück, inzwischen hätten sich die Verhältnisse auf der Straße verändert. Ansonsten zähle für die Koalition nicht, wer wann den Anstoß zur Debatte gegeben hat, »Henne oder Ei« sei unwichtig, wichtig sei, dass es endlich losgehen könne. Die Kommunen, das könne er als Weilroder Bürgermeister sagen, warteten nur darauf und fühlten sich nicht überfordert.

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