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In Gedenken an »Onkel Wackelflügel«

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Frank Schütz (links) und Gail Halvorsen bei einem seiner Besuche in Deutschland. © Red

Wehrheim . Könnte sein, dass Gail Halvorsen auf seiner Wolke sitzt und von dort ein Lächeln auf die Erde und an die vielen erwartungsfrohen Kinder sendet. Denn die gibt es heute noch genauso wie vor fast 75 Jahren. Frank Schütz schmunzelt, wenn er daran denkt, denn das würde zu dem ehemaligen Flieger der US-Luftwaffe passen. Damals war der Amerikaner der bekannteste Pilot der Berliner Luftbrücke, die in den Jahren 1948 und 1949 nach der Blockade durch die Sowjetunion die Bevölkerung im Westen der Stadt mit Kartoffeln, Mehl oder Kohle versorgte.

Und für Halvorsen spielten die Kinder eine besondere Rolle.

Seit dem Jahr 2016 befreundet

Als Halvorsen kürzlich im Alter von 101 Jahren in seiner Heimat in Utah verstarb, erregte das in Deutschland und Amerika große Aufmerksamkeit. Auch Frank Schütz und sein Sohn Johnny, die mit dem Piloten seit 2016 befreundet waren.

»Er hat mir bis zuletzt E-Mails geschickt.« Schütz erinnert sich noch gerne an die Begegnungen mit dem Mann, der immer Optimismus ausstrahlte und dessen Augen auch im hohen Alter noch glänzten, wenn es um Kinder ging. Die lagen ihm immer am Herzen, er selbst hatte fünf, aber 59 Enkel und Urenkel. Kennengelernt hat der Wehrheimer den Mormonen aus Utah bei der Einweihung eines Gedenksteins am Steinkopf bei Königstein. Denn er besitzt einen Dodge W.C. 51, einen Allrad-Transporter, den die Firma Chrysler während des Zweiten Weltkriegs baute. Der war genau richtig, um den Veteranen von der Straße zum im Wald gelegenen Denkmal-Ort zu bringen, denn ganz so gut zu Fuß war der damals schon 96-Jährige nicht mehr. Gail Halvorsen war als einer der wenigen noch lebenden Piloten der Luftbrücke zu diesem Ereignis eigens aus den USA angereist.

Am Denkmal kennengelernt

Am Steinkopf ereignete sich der erste tödliche Unfall einer Flugzeugbesatzung der Berliner Luftbrücke. Die Maschine startete vom Flugplatz Wiesbaden-Erbenheim aus und dürfte wohl überladen gewesen sein, wie wohl so mancher Transportflieger in dieser Zeit.

Geheimsprache mit den Kindern

Wie abenteuerlich die Flüge der »Rosinenbomber« mit dem offiziellen Namen »Operation Vittels (Verpflegung)« teilweise waren, davon berichtet Gail Halvorsen in seinem Buch »Kaugummi und Schokolade«, in dem er 2005 seine Erinnerung an diese Zeit aufgeschrieben hat. Denn mit zwei Streifen Kaugummi hatte begonnen, was dem Farmer, der zuvor nicht aus seiner Heimat herausgekommen war, den Namen »Onkel Wackelflügel« einbrachte.

Damit die Kinder wussten, dass es bald Schokolade und Kaugummis regnen würde, hatte er mit den Kindern eine Geheimsprache ent- wickelt: Er wackelte beim Anflug mit den Flügeln. Mehr hatte der amerikanische Luftwaffen-Pilot seinerzeit nicht dabei, als er auf die Kinder zuging, die am Zaun des Berliner Flughafens-Tegel die Landung der »Rosinenbomber« beobachteten.

Die Nachricht, dass da jemand war, der Kindern mit Süßigkeiten große Freude machte, hatte sich schnell herumgesprochen, seine Vorgesetzten erlaubten ihm diese Sonderrationen und waren stolz auf ihn.

Aus seiner Heimat bekam Halvorsen große Unterstützung. Firmen in den USA lieferten 2000 Versandkartons, 11 000 Meter Schnüre, 2000 Stoffballen für die kleinen Fallschirme, 2000 Taschentücher und 18 Tonnen Schokolade und Kaugummi.

Hatte Halvorsen sich zu Beginn der Hilfsflüge innerlich noch dagegen gesträubt, »die Nazis zu füttern«, waren ihm die Kinder schnell ans Herz gewachsen, und er sah die Not leidenden Menschen. Alle zwei Tage...

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