1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus

Informative Fahrt durchs Feld

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

ualoka_feldrundfahrt_170_4c
Eine informative und gleichzeitig vergnügliche Landpartie genießen die Teilnehmenden der Feldrundfahrt. © Ingrid Schmah-Albert

Wehrheim . Ruck-zuck waren dreieinhalb Stunden vorbei und keine Sekunde davon war es langweilig geworden: Darin waren sich die zahlreichen Teilnehmenden der Feldrundfahrt am Sonntagnachmittag einig, als sie wieder von den Traktoranhängern herunterkletterten. Auch dass es zwei Junglandwirte waren, die eine ganz alte Tradition der Landjugend wiederbelebten, kam sehr gut an.

Waren es in den 60er und 70er Jahren überwiegend die Landwirte aus dem Ort und der Umgebung, die solche Feldrundfahrten dazu nutzten, sich auszutauschen, so genossen nun überwiegend »die Endverbraucher und landwirtschaftlichen Laien«, wie es Norbert Hartmann von der Landjugend bezeichnete, die Landpartie.

Auch einige Familien nutzten die Gelegenheit für einen Familienausflug ins Grüne - beziehungsweise entlang der Rapsfelder ins Gelbe. Das Wetter spielte mit, Getränke gab es auch und so wurde es ein vergnüglicher Ausflug mit hohem Informationsgehalt. Felix Bachmann und Paul Glaßner hatten die Route vorbereitet und hielten an vielen Punkten in der Gemarkung die beiden Traktorgespanne an, um direkt vor Ort zu erklären, welche jeweiligen Ackerfrüchte für welchen Zweck und Bedarf angebaut werden, welche Widrigkeiten es zu meistern gilt und warum die Landwirte diese oder jene Maßnahme ergreifen, um den Ertrag und damit die Produktion von Futter- oder Lebensmitteln zu sichern.

Selbst die vielen Kinder, die es aufregend fanden, auf dem Anhänger hoch oben zu sitzen und eine ungewohnte Blickperspektive zu haben, hörten geduldig zu und stellten ebenfalls einige Fragen. Auch die Aspekte konventionelle Landwirtschaft versus Bio-Landbau wurden behandelt; offensichtlich war das von Interesse einiger Teilnehmenden, die explizit danach fragten. Da die beiden Junglandwirte geduldig die vielen Fragen beantworteten, fühlten sich die Teilnehmer sehr gut informiert und freuten sich über die Ausführungen.

Biologisch und konventionell

Glaßner, nach eigener Auskunft selbst konventioneller Landwirt, erklärte unaufgeregt, souverän und ohne ideologische Lagerbildung die jeweiligen Aspekte und ging auf die unterschiedlichen Behandlungsmethoden sowohl der konventionellen als auch der Bio-Landwirte, etwa beim Düngen oder bei der Schädlingsbekämpfung, ein. Und dass auch konventionelle Landwirte Biodiversität zu schätzen wissen, zeigte sich am Beispiel von verschiedenen Flächen, die etwa als Futterwiese oder als Zwischenfruchtfolge genutzt werden.

Gleich an der ersten Station direkt gegenüber dem Wehrheimer Friedhof konnte man den Unterschied von bereits gemähtem Grasland und einer etwas artenreicheren Wiese sehen. Glaßner zeigte den Teilnehmenden die verschiedenen Wildkräuter und -blümchen, wie etwa die Wiesenrispe oder die Wiesenpimpinelle. Neben dem Rot- und Weißklee, der auf der Wiese zahlreich blühte, seien diese Kräuter ebenfalls als Futterpflanze begehrt und man lasse sie bewusst aussamen, damit sich die Arten dort erhalten.

Beim Roggen wiederum wird schon relativ früh ins Wachstum eingegriffen, etwa mit sogenannten Wachstumsreglern, damit die Stängel nicht zu hoch wachsen und somit bei Wind nicht mehr so leicht umknicken. »Wenn sie erst einmal umliegen, kann man sie kaum mehr ernten, das bedeutet oft massive Ertragsverluste«, erklärte Glaßner die Maßnahme. Gegenüber von diesem Feld in der Nähe des »Wolfsborns« allerdings darf alles wachsen, wie es möchte: Ein Rückzugsort für bis zu 5000 Pflanzen- und Tierarten, denn die Streuobstwiese ist das Gegenteil einer Plantage oder Monokultur und ist für Wehrheim als »Apfeldorf« ein wichtiges Gut, machte Bachmann aufmerksam.

Techniken gegen den Wassermangel

Er selbst spezialisiert sich vermehrt auf »Sonderkulturen«, zu denen etwa die Erdbeeren gehören. Das bei den Menschen im Usinger Land sehr beliebte Erdbeerfeld am »Krausbäumchen«/»Oberloh« wird von ihm bewirtschaftet und gerne erklärte er die Vorzüge des sogenannten Damm-Anbaus, bei dem die Pflanzen und die empfindlichen Früchte mit Agrarfolien besser geschützt sind und zudem die darunterliegenden Bewässerungsschläuche mit Tröpfchenbewässerung für niedrigeren Wasserverbrauch durch weniger Verdunstung sorgen.

Wasser ist für die Landwirte ein wichtiges Thema, denn natürlich hat auch die Landwirtschaft einen gewissen Wasserbedarf.

Wie stark die Landwirte auf das Nass angewiesen sind, zeigte sich an den frisch eingesäten Maisfeldern in der Nähe der »Schlink« oder am Kartoffelacker in der Nähe des Langwiesenhofs, der in Kooperation mit dem Verein »Historische Landbearbeitung« mit der Sorte Anuschka angelegt wurde: Staubtrocken liegen die Äcker da und an ein Keimen ist nicht zu denken, wenn es nicht bald ausgiebig regnet. Am Sonntag aber waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer froh, dass der Regen noch auf sich warten ließ und zeigten sich hochzufrieden mit der Veranstaltung.

Auch interessant

Kommentare