1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus

Ist selbst bewirtschaften billiger? Eklat um »Informationen aus dem Stadtwald« im Neu-Anspacher Parlament

Erstellt:

Kommentare

ualoka_waldneuanspach_kh_4c
Bislang bewirtschaftet der Landesbetrieb Hessen Forst den Neu-Anspacher Kommunalwald. Bürgermeister Pauli glaubt, die »Eigenbeförsterung« wäre günstiger. Das sorgt für Streit im Umweltausschuss. © Imago

»Informationen aus dem Stadtwald« - der an den Umweltausschuss adressierte Elf-Zeiler aus dem Neu-Anspacher Rathaus kam eigentlich friedlich daher, entpuppte sich aber als äußerst spannend und endete fast in einem Eklat. 

Neu-Anspach. »Informationen aus dem Stadtwald« - der an den Umweltausschuss adressierte Elf-Zeiler aus dem Rathaus kam eigentlich friedlich daher, entpuppte sich aber als äußerst spannend und endete fast in einem Eklat. Weil Bürgermeister Thomas Pauli (SPD) dem Wechsel der Stadt von Hessen Forst in die Eigenbeförsterung Einsparpotenzial von 630.564 Euro bescheinigte, fühlten sich CDU und FWG-UBN, um im Bild zu bleiben, »hinter die Fichte geführt« und Pauli sich durch Nachfragen nach den »richtigen Zahlen« in Windeseile auf die Palme getrieben.

Üblicherweise schaffen es Mitteilungen des Magistrats nicht in den Diskussionsteil der Tagesordnung, in diesem Fall aber schon - und das auch nicht nur auf Betreiben einer der Fraktionen, es waren sogar zwei, wenn auch mit unterschiedlichen Ambitionen. Bernd Töpperwien (b-now) kam es nur darauf an zu betonen, wie sinnvoll es angesichts der enormen Kalamitätsschäden doch gewesen sei, den Wald nicht mehr von Hessen Forst beförstern zu lassen, sondern dies selbst zu erledigen und damit Kosten zu sparen. Derweil waren sich CDU und FWG gar nicht so sicher, ob wirklich so viel Geld, wie von Pauli postuliert, gespart wurde.

Poltiker und Öffentlichkeit vom Bürgermeister in die Irre geführt?

Pauli hatte erklärt, dass durch die Eigenbeförsterung der genannte Betrag eingespart werden konnte, weil die Hessen-Forst-Tarife - 3,50 Euro/Festmeter fürs Fällen und 2,50 Euro fürs Vermarkten - nicht gezahlt werden mussten. Bei 105 094 Festmeter Kalamitätsholz wäre dieser Betrag fällig gewesen. Er nenne damit nur die halbe Bilanz, hielt Hans-Peter Fleischer (FWG-UBN) Pauli entgegen. Politiker und Öffentlichkeit würden in die Irre geführt, wenn der Verwaltungschef die tatsächlichen Kosten der Forstwirtschaft verschweige. Weder fällten Bäume sich selbst noch übernähmen sie die Vermarktung.

Irgendwer müsse diese Arbeiten auch bei der Eigenbeförsterung erledigen, und dies bestimmt nicht zum Nulltarif. Auch hätte die Stadt, wäre sie bei Hessen Forst geblieben, mehr staatliche Förderung zum Ausgleich der Schäden bekommen. Ferner sei die städtische Waldarbeitermannschaft verdoppelt worden, das seien keine »Eh-da-Kosten«, so Fleischer. Pauli störte sich erkennbar daran, dass seine Mitteilung überhaupt diskutiert wurde. Fleischers Monitum wies er mit dem Rat, sich an gefasste Beschlüsse zu erinnern, zurück. Die Holzernte-Kosten fielen nicht an, weil die Unternehmer als Selbstwerber eigenhändig zum Harvester griffen und das Holz auch selbst an den Wegesrand rückten.

CDU verteilt einen Seitenhieb an die b-now - Rückedeckung für Bürgermeister

Für Klaus Hoffmann (CDU) war das bei Weitem zu kurz gesprungen. Er nannte die Information Paulis zu Einsparungen, die es so nicht gebe, »gesponsert by b-now«. Anders sei Töpperwiens Äußerung nicht zu werten. Selbst wenn das Holz in Selbstwerbung geerntet werde, so müsse der Unternehmer die dabei anfallenden Kosten dennoch einkalkulieren, etwa indem er weniger zahle. Hoffmann kündigte an, einen Antrag zu stellen, den Magistrat zu einer exakten Kosten-Nutzen-Analyse aufzufordern.

Mit seinem Seitenhieb auf die b-now brachte Hoffmann Pauli geradewegs auf die Palme: »Unverschämtheit, Frechheit ohne gleichen«, schimpfte der in Richtung seines Amtsvorgängers, den er scharf zur »Mäßigung« aufforderte. Weder bedürfe es eines solchen Antrags, noch sei der zu einer bloßen Mitteilung überhaupt möglich. Artur Otto (b-now) sprang Pauli bei. Die von der Union geforderte genaue Kosten-Gegenüberstellung sei sehr aufwendig, man solle sich deshalb überlegen, ob das nötig sei.

Schließlich stehe fest, dass das Gesamtpaket der Eigenbeförsterung ein Erfolgspaket sei. Die Waldbewirtschaftung habe dadurch einen positiven Schub erfahren, sagte Otto.

Der CDU-Antrag wurde am Ende doch nicht gestellt. Bürgermeister Pauli sagte nämlich zu, die eingeforderten Zahlen zeitnah vorzulegen.

Auch interessant

Kommentare