1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus

Ja, aber... - Ortsbeirat Merzhausen befürwortet neues Baugebiet unter Einschränkungen

Erstellt:

Kommentare

ualoka_bauen_210522_4c
Bei einem Rundgang erläutern die Ortsbeiräte Jörg Eigler (Mitte), Tobias Buhlmann (links) und Benno Ningel mögliche Lösungen fürs neue Baugebiet in Merzhausen - auch für die im Bild zu sehende künftige Zufahrt. FOTO: BURGER © Red

Das geplante Baugebiet „Am Weiher II“ erhitzt im Usinger Stadtteil Merzhausen weiter die Gemüter. Nun hat sich der Ortsbeirat auf einer Begehung des Gebietes positioniert.

Usingen-Merzhausen. Ein recht deutliches Ja - aber mit der klaren Vorgabe, dass alle denkbaren Probleme gelöst, alle Vorgaben eingehalten werden. So lautet zusammengefasst die Meinung des Ortsbeirats in Merzhausen zum geplanten Baugebiet »Am Weiher«. Er hatte zu einem kleinen Rundgang an den Ort des künftigen Geschehens eingeladen, und die Mitglieder Jörg Eigler, Tobias Buhlmann und Benno Ningel zeigten sich durchaus kritisch, wenngleich die Grundtendenz in einer Aussage Eiglers bestens zusammengefasst werden kann: »Ich war damals sehr froh, in Merzhausen eine Heimat zu finden und in diesem Ort bauen und wohnen zu können. Das dürfen wir auch anderen Bürgern nicht verwehren.«

Inzwischen liegt schon eine Klage gegen das geplante Baugebiet vor

Das Thema ist ein komplexes und natürlich nicht unumstritten - vor allem durch die Gründung einer Bürgerinitiative, die vor allem aus Anwohnern des neuen Baugebiets oberhalb des Weihers besteht. Sie haben damals an den Ortsrand gebaut und sich teils auch um die angrenzende Wiese - künftiges Bauland - gekümmert und sich eingerichtet. »Aber wir müssen auch kommenden Generation, vor allem den Kindern im Ort, Perspektiven bieten, damit sie hier bleiben«, sagt Ningel.

Inzwischen liegt auch eine Klage vor, der Protest kommt sozusagen in die Gänge. Der Ortsbeirat selbst hatte bereits diverse Rundgänge mit Naturschutzverbänden und alle Anregungen an die Verwaltung weitergeleitet. »Aber wir halten den vorgelegten Plan für ausgereift und vor allem verträglich mit dem Naturschutz«, betont auch Eigler.

Viele Vorgaben zum Schutz von Boden, Natur und Landschaft

Im Aufstellungsbeschluss fänden sich sehr konkrete Vorgaben, was die Bebauung betreffe - etwa zu Maßnahmen zum Schutz von Boden, Natur und Landschaft. So seien Pkw-Stellplätze, Garagenzufahrten sowie Hofflächen auf den Baugrundstücken in wasserdurchlässiger Bauweise auszuführen. Und die Verwendung von wasserdichten oder nicht durchwurzelbaren Materialien (Folie oder Vlies) zur Freiflächengestaltung verboten.

Die Beleuchtung werde mit LED ausgeführt, 20 Prozent der Grundstücksflächen müssten mit standortgerechten heimischen Laubsträuchern und -bäumen oder regionaltypischen Hochstamm-Obstbäumen bepflanzt werden. Und für diesen Flächenanteil gelte, dass je 25 Quadratmeter mindestens ein Baum sowie je 5 Quadratmeter ein Strauch anzupflanzen seien.

Alles steht und fällt mit der geforderten Umgehungsstraße

Flachdächer mit mehr als sechs Quadratmetern seien dauerhaft zu begrünen, zählen sie weiter auf. Einfriedungen müssten offen sein und mit heimischen Laubhecken bis zu einer Höhe von maximal 1,50 Meter ausgeführt werden. Verboten seien Gestaltungen mit Steinen, Kies oder Schotter. Das Niederschlagswasser sei in Zisternen oder Regenwassernutzungsanlagen zu sammeln und als Brauchwasser zu verwerten. Und vor allem verlange der Plan, dass die Bauherren das Gesetz zur Einsparung von Energie und zur Nutzung erneuerbarer Energien anwendeten. »Festgelegt ist auch, dass die Bauplätze nur sukzessive verkauft werden, um die Infrastruktur nicht zu überlasten«, erklärt Buhlmann.

Sehr komplex ist auch das Thema Anbindung. Derzeit ist die Einfahrt über die noch kleine Straße am Weiher geplant. Doch alles steht und fällt mit der geforderten Umgehungsstraße. Und hier gibt es inzwischen Zweifel, ob diese kommt. Dann wäre noch eine Variante denkbar. Die Verbindung nach Hunoldstal wird gekappt und für Anlieger ausgewiesen, der Verkehr gen Schmitten rollt durchs Weiltal. »Ist sowieso besser zu fahren«, findet Eigler. Dann könnte die Anbindung oben an die Noch-Kreisstraße gegenüber der Sportanlage erfolgen. So wäre im Ortskern der Verkehr raus. Doch das sind derzeit Vermutungen.

Ortsbeirat wünscht baldige Klärung der drängendsten Fragen

Der Ortsbeirat möchte deswegen Klarheit und auch so auf die Bedenken der Anwohner reagieren. »Die Grundlage für die Änderungsvorschläge seitens der BI ist der mögliche Bau der Umgehungsstraße für die K 740. Der Bau der Umgehungsstraße mit zwei Kreiseln an der B 275 und K 740 (Abfahrt Merzhausen/Hunoldstal) wäre so eine Möglichkeit, der BI entgegen zu kommen und gleichzeitig dem Gefahren potential der Schmittener Straße und Langgasse mit einem Gehweg von 35 Zentimetern entgegenzuwirken.

Der Ortsbeirat würde gerne das derzeitige Schweigen unterbrechen und wissen, wie der Stand der Planung im Aufstellungsbeschluss ist, ob es eine Umgehungsstraße für Merzhausen geben oder die Straße in Richtung Hunoldstal komplett zugemacht wird. »Denn wenn es eine Umgehungsstraße geben sollte, wie sieht der Zeitplan aus? Ab wann kann man mit dem Baubeginn und Fertigstellung rechnen?«, fragt Eigler.

Und so hoffen die Kommunalpolitiker, dass es bald eine Klärung gibt. Zum einen, um im Ort wieder Frieden zu schaffen und um einen bestmöglichen Kompromiss zu finden, und zum anderen, um zu sichern, dass vor allem alle naturschutzrechtliche Bedenken beachtet werden. Und: Dass auch Fragen und Kritik zu Wasser und Abwasser ad acta gelegt werden können .

Auch interessant

Kommentare