Thorsten Schorr schwor den Diensteid. Seine zweite Amtszeit beginnt am 1. Oktober.
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Thorsten Schorr schwor den Diensteid. Seine zweite Amtszeit beginnt am 1. Oktober.

CDU-Politiker erneut zum Stadtrat gewählt

32 Ja-Stimmen für Schorr

  • Martina Jensong
    VonMartina Jensong
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Die Wiederwahl von Kämmerer Thorsten Schorr galt als sicher. Spannend war am Donnerstag nur die Frage, wie groß der Kreis der Unterstützer sein würde.

Oberursel. Die ersten Gratulanten eilten bereits auf Thorsten Schorr (CDU) zu, da hatte er die Wahl offiziell noch gar nicht angenommen. 32 der 45 Stadtverordneten hatten für ihn gestimmt – also ein klares Votum für Oberursels Stadtkämmerer, dessen zweite Amtszeit im Oktober beginnt.

Der Unterstützung der CDU/SPD-Koalition konnte sich der 46-Jährige sicher sein. Beide Parteien, die im neu konstituierten Parlament über 23 Sitze verfügen, hatten Schorr zur Wiederwahl vorgeschlagen. Vertreter von FDP, Linken und AfD müssen bei der geheimen Wahl (ein Stimmzettel war ungültig) ebenfalls für den CDU-Mann votiert haben. Denn die 12 Nein-Stimmen kamen wohl komplett von OBG und Grünen. Beide Fraktionen, die jeweils sechs Sitze haben, hatten angekündigt, Schorr nicht unterstützen zu wollen – aus unterschiedlichen Gründen.

Für die Grünen war ausschlaggebend, dass CDU und SPD in ihrer Koalitionsvereinbarung ab 2018 keinen Platz mehr für den derzeitigen Ersten Stadtrat Christof Fink (Grüne) im hauptamtlichen Magistrat vorsehen. Wolfgang Schmitt (Grüne) sprach denn auch von einer politischen Entscheidung seiner Fraktion, „unabhängig von der Qualifikation des Kandidaten“ Schorr. Finks Amtszeit endet 2018. Wie berichtet, will die Koalition dann Schorr zum Ersten Stadtrat wählen. Der frei gewordene Stadtratsposten soll an die SPD gehen.

Schweres Geschütz fuhr OBG-Fraktionschef Georg Braun gegen Schorr auf. Er meinte, viele Oberurseler würden dem CDU-Mann „nicht vertrauen“. Dies versuchte er mit Schorrs Ergebnis bei der Bürgermeisterwahl im vorigen Jahr zu belegen, bei der der Christdemokrat gegen Amtsinhaber Hans-Georg Brum (SPD) angetreten war und verloren hatte. „Nicht einmal in seinem Heimatstadtteil Weißkirchen konnten sich die Wähler für ihn entscheiden“, meinte Braun, der für seine Argumentation Kopfschütteln und Kritik erntete. „Diesen Bezug möchte ich ausdrücklich zurückweisen, wo kommen wir denn da hin“, meinte etwa Grünen-Politiker Schmitt.

Die OBG, die vor sechs Jahren Schorr mitgewählt hatte, pochte jedenfalls auf eine öffentliche Ausschreibung des Postens, damit „der Beste“ dafür gefunden werden könne. Braun warf Schorr unter anderem vor, 2012 „nicht stark genug“ gewesen zu sein, den Bau des Hallenbads zu verhindern. Wie berichtet, hatte sich der Kämmerer damals wegen der hohen Kosten gegen das Projekt ausgesprochen.

Erneut brachte Braun aufs Tapet, dass Schorr aus Sicht seiner Fraktion im vorigen Jahr viel zu spät über die Gewerbesteuerrückzahlung von 37 Millionen Euro an ein Oberurseler Unternehmen informiert hatte. „Wir wissen immer noch nicht, wie der Kämmerer das Haushaltsloch von 22 Millionen Euro stopfen will.“ CDU, SPD und FDP wiederum attestierten Schorr Kompetenz. Als „Kenner seiner Zahlen“ bezeichnete Dr. Stefan Ruppert (FDP) den Kämmerer. „In den vergangenen sechs Jahren hat er gezeigt, dass er es kann“, lobte SPD-Fraktionschef Dr. Eggert Winter. Und er nahm den Kämmerer gegen die OBG-Vorwürfe in Schutz: „Die Verursacher für die Steuerrückzahlung sitzen in Berlin.“ Wie berichtet, muss Oberursel die Millionen wegen einer Gesetzeslücke zahlen.

Schorr selbst, der vor der Debatte über seine Wiederwahl den Saal verlassen musste, meinte gestern: Er könne verstehen, dass die Grünen nicht für ihn gestimmt hätten. „Über die OBG will ich mich nicht äußern.“ Er hoffe, dass er auch künftig für den Geschäftsbereich Finanzen zuständig sei, so Schorr weiter. Der Bürgermeister ist ja für die Dezernatsverteilung zuständig. Als wichtigste Aufgabe in nächster Zeit nannte Schorr, „die Folgen der Gewerbesteuerrückzahlung aufzufangen und parallel den Haushaltsausgleich zu schaffen“.

(mj)

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