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Schützt der Mensch seine Müllbehälter nicht vor Waschbären, kann es langfristig sehr teuer werden.

Jagdgesetz

Wildtiere füttern ist streng verboten

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Wer die Tiere des Waldes liebt, der füttert sie, besonders in der kargen Jahreszeit. So denkt mancher Tierfreund und vergisst dabei, dass unprofessionelles Füttern den Tieren Schaden zufügen kann. Deshalb ist das Füttern wildlebender Tiere grundsätzlich verboten. In Hessen kann eine Zuwiderhandlung mit bis zu 25 000 Euro geahndet werden.

Wenn’s draußen kalt und immer kälter wird, Gewässer zufrieren und eines Tages womöglich noch eine dicke Schneedecke die Landschaft unter sich begräbt, regt sich manch fürsorgliches Herz. Dann wird gerne an die Tiere gedacht, die in der Wildnis leben und auf ständige Futtersuche angewiesen sind.

Dann, und wirklich auch nur dann, erlaubt es das Landesjagdgesetz, Rot- und Schwarzwild im Wald zu füttern. Das darf dann aber auch nicht einfach jeder und nach eigenem Ermessen tun. Die Entscheidung dürfen ausschließlich Jäger und Förster treffen, und nur sie dürfen am Ende die Fütterung auch umsetzen.

„So ist es im Jagdgesetz verankert“, bestätigt Usingens Revierförster Karl-Matthias Groß. Das Bundesjagdgesetz verweist auf die Bundesländer, die das Fütterungsverbot und die Höhe der möglichen Bußgelder in ihren Landesjagdgesetzen festlegen dürfen. In Hessen werden Zuwiderhandlungen mit bis zu 25 000 Euro geahndet.

Ihm sei in seiner bisher sechsjährigen Amtszeit im für Usingen und Neu-Anspach zuständigen Ordnungsamt noch kein solcher Fall untergekommen, sagt Hans-Jörg Bleher. Aber er weiß, welche durch missbräuchliche Fütterung verursachten Schäden bei der Bemessung von Bußgeldern eine Rolle spielen. Bekannt sei beispielsweise, welch üppige Flurschäden Wildschweine verursachen könnten, beschreibt der Ordnungsamtsleiter. Und dass Fütterungen die Tiere leicht zu den Siedlungen und somit auch an den Straßenverkehr lockten, liege auf der Hand.

Übrigens, neben Hessen hat nur Niedersachsen eine ebensolch hohe Bußgeldandrohung im Jagdgesetz verankert. Alle anderen Bundesländer ahnden Vergehen mit bis zu 5000 Euro, Bremen sogar nur bis 2500 Euro.

Viele Stadtfüchse

Dabei hat eben jene oft gedankenlose Fütterung manche Wildtierart längst nicht nur an den Siedlungsrand, sondern direkt in die Stadt gelockt, wo sie in der Nähe der Menschen neue Futterquellen erschlossen haben. Wildschweine haben Berlin erobert, Waschbären die Stadt Kassel, und es gibt kaum noch eine Kommune ohne eigene Stadtfüchse.

Das Fütterungsverbot dient dazu, die Wildtiere davor zu schützen, mit ungeeigneten Nahrungsmitteln versorgt zu werden. Viele Menschen verfüttern gerne Brot, was für Weidetiere wie Rehe und Hirsche alles andere als artgerecht ist. Hinzu kommen Essensreste und Küchenabfälle. „Dabei wissen die Leute gar nicht, ob das betreffende Tier so etwas überhaupt verträgt“, kritisiert Förster Groß. Außerdem gelangten gerade mit Küchenabfällen alle möglichen Krankheitserreger in Umlauf.

Auch er erinnert sich bislang an keinen Fall, bei dem jemand wegen unerlaubter Wildtierfütterung zur Verantwortung gezogen worden wäre. „Dafür muss man die Leute halt auch erst auf frischer Tat ertappen“, räumt er ein. Dazu bräuchte es aufmerksame Spaziergänger, die dann auch bereit seien, ihre Beobachtung zur Anzeige zu bringen.

Illegale Abfallentsorgung lockt Tiere an

„Einmal hat sich bei mir jemand gemeldet“, erzählt er. Als nämlich an einem Feldrand gleich ein ganzer Berg an Backwaren ausgekippt worden sei. „Allerdings greift in solchen Fällen eher der Paragraf der illegalen Abfallentsorgung“, schränkt der Förster ein. Denn dass der Verursacher des Brotberges die Backwaren für Wildtiere abgelagert habe, sei ihm natürlich schlecht nachzuweisen.

Abgesehen vom Fütterungsverbot von Rotwild, Schwarzwild, Fuchs, Dachs, Marder und Waschbär im Wald – Eichhörnchen und Igel sind als einzige ausgenommen – warnt Karl-Matthias Groß zudem davor, wildlebende Tiere im Siedlungsbereich zu füttern. Stattdessen plädiert er dafür, besonders sorgfältig mit Müllbehältern umzugehen, so dass sich Fuchs und Waschbär nicht an den Abfällen gütlich tun können. Gelbe Säcke sollten in verschlossenen Räumen gesammelt, Biotonnen mit Verschlüssen gesichert werden.

Wer sich nicht vor den nächtlichen Besuchern seiner Abfallbehälter schütze, prophezeit er mit Blick auf den Waschbär, der solle sich darauf einstellen, dass sich diese „Gäste“ bald in seinem Dachboden einnisten. „Und dann wird’s richtig teuer“, unkt Förster Groß.

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