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Jazz lässt die Köpfe schwingen

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Big-Band-Sound lockt am Vorabend des Usinger Stadtfestes zahlreiche Besucher zu einer Jazz-Night mit dem Rhein-Main-Jazz-Orchestra auf den alten Marktplatz. © saltenberger

Auftakt der diesjährigen Allegro-Reihe bietet für alle Generationen etwas

Usingen -"Allegro. "Das Musikfest im Taunus" heißt die Veranstaltung, da ist qua Untertitel das Feiern schon mitgedacht. Damit wiederum bot sich eine Verquickung mit dem Usinger Stadtfest an. Für dieses war der Samstag und Sonntag vorgesehen. Der Festplatz wurde bereits am Freitag möbliert und Buden wurden aufgebaut: ein Flammkuchenstand, ein Bierwagen und ein Bratwurstrondell, die Marktplatzgastronomie hatte alle verfügbaren Tische, Bänke und Stühle rausgestellt, alles war bis zum Abend fertig inklusive Bühne, Licht- und Soundtechnik.

Um 20 Uhr sollte es losgehen, ging es auch, in den Lokalen hatte man reserviert, die besten Plätze waren schnell weg und pünktlich erschien die Band des Abends, eine Big Band, wohlgemerkt. Das Allegro-Programm richtet sich zwar vor allem an die Liebhaber klassischer Musik, vom Orchesterwerk bis zur Kammermusik in kleinster Besetzung, aber es sind durchaus Ausreißer dabei. So am Freitag, als eine Jazz-Night auf dem Plan stand und für Schwung und Stimmung sorgte.

Wagen sorgen

für Unmut

Das "Rhein-Main-Jazz-Orchestra" (RMJO) übernahm dies. Das besteht aus exzellenten Musikern ihres Fachs, die sich selbst gerne in Schublade Straight-Ahead-Jazz einordnen. Dabei handelt es sich um modern gespielte und arrangierte Standards, die ebenso swingen wie grooven und wie es beim Jazz so ist, den Musikern breiten Raum für ihre Improvisationen lassen. Das nutzten die Jazzer aus Rhein-Main auch aus, und ihre Soli wurden zwischendurch mit reichlich Applaus quittiert.

Das wiederum macht ein Jazz-Konzert so lebendig. Swing lässt Füße wippen, Groove Köpfe swingen. Und bei Jazzmusik sitzen die meisten ungern im Trocknen, das heißt, was das Wetter betrifft schon, aber ein Bier, ein Rot- oder Weißwein macht die Sache gewöhnlich erst rund. Jetzt wunderten sich allerdings viele Jazz-Night-Besucher, dass der Bierwagen wie vernagelt auf dem Platz stand. Der Flammkuchen-Stand hatte geöffnet, aber hier war beim Anstehen Geduld gefragt. Die Marktplatzgastronomie war umso mehr gefordert. Und dass der Toilettenwagen den ganzen Abend verschlossen war, ärgerte auch so manchen Besucher.

Aber die Straight-Ahead-Jazz-Liebhaber kamen sehr wohl auf ihre Kosten. Der quirlige Jazz ließ sich bei untergehender Sonne und sanft abnehmenden Licht und schließlich unter einem schwarzen klaren Himmel mit Sichelmond genießen. Die angestrahlte Fassade der Hugenottenkirche sorgte jetzt zusätzlich für Ambiente. Ausgewiesene Jazzfans bevorzugten die Plätze frontal zur Bühne, andere ließen sich in der Peripherie nieder, genossen die Atmosphäre, und wieder andere unterhielten sich in launigen Tischgesellschaften.

Count-Basie-Arrangements waren zu hören, und Stücke, die zumindest dem Titel nach Lust aufs Tanzen machten, so der "Dolphine Dance" von Herbie Hancock oder "Let's face the music and dance" von Irving Berlin. "I can't stop loving you" von Don Gibson, bekannt gemacht durch Ray Charles, gehörte zu dem bekanntesten Stücken am Rande des Jazz, aber straight ahead gespielt vom mit drei Bläsern und einer Rhythmusgruppe klassisch besetzten RMJO.

Zusammengefasst könnte man sagen, dass das Leben auf dem Platz pulsierte. "Lebensimpulse" trifft nicht genau ins Schwarze, aber so lautet das Motto des Allegro Musikfestes 2022. Und das sollte ein positives Zeichen nach den Jahren der Einschränkungen und Entbehrungen setzen. Möglich gemacht hat das Jazz-Konzert bei freiem Eintritt der Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main. Und dass die Menschen wieder feiern und besonders im Sommer Open-Air-Veranstaltungen genießen wollen, steht außer Frage. Das zeigte sich bereits beim Auftaktabend zum Stadtfest und umso deutlicher am Samstagabend bei populärer Musik, mit Tanz und Polonaise. Jetzt hatte der Usinger Gewerbeverein, der in Sachen Jazzkonzert mit Allegro kooperierte, auch seine Stände offen.

"Eines morgens ..." so beginnt im Gegensatz von "Es war einmal ..." das Musikmärchen von Peter und dem Wolf. Das erklärte der Erzähler, und er erklärte auch, wer es geschrieben hat: der Pianist und Komponist Sergei Prokofjew, der, so der Erzähler weiter, in der Ostukraine geboren wurde, in St. Petersburg studierte und später in Moskau lebte.

Den Part des Erzählers übernahm Lars Keitel, selbst Musiker, Dirigent und seit einem Jahr Bürgermeister von Friedrichsdorf. Zuerst stellte er die Pianistin des Nachmittagskonzerts, Friederike Richter-Wedell, sowie den Puppenspieler Klaus Dreier, auch er ein Pianist, vor. Dann stellte er zusammen mit Pianistin Richter alle Mitwirkenden im Musiktheaterstück vor: Richter spielte jeweils das Motiv an, mit dem der Komponist die Figuren verknüpft hatte: für Peter, den Vogel, die Ente, die Katze, die Jäger, den Großvater und für den Wolf.

Mit so geschulten Ohren saßen die vielen Kinder mit ihren Eltern vor der Bühne, viele hatten es sich auf dem Boden vor ihr auf Kissen bequem gemacht und schauten erwartungsvoll nach oben.

Peter erschien, und der Erzähler begann. Auch die jüngsten im Publikum konnten der einfachen Handlung sicher gut folgen und vor allem, der Hintergedanke der Programmmusik, die Musik mit den Aktionen verknüpfen. Kinder an klassische Musik heranführen, war das "Lernziel" und, fast wie in der Schule oder im Fernsehquiz, wurde anschließend abgefragt, wer genau hingehört hatte: Die Pianistin spielte, und der Erzähler fragte: "Wer ist das?"

Am Ende

wird abgefragt

Bei richtiger Antwort gab für den schnellsten Finger, der sich reckte, eine Belohnung. Manchmal lag der eine oder die andere daneben, aber vieles war richtig, und bei Peter und dem Vogel gingen fast alle Finger nach oben.

Und für die Erwachsenen gab es auch noch Fragen: "Wie heißt das Theater, das die Puppen gespielt hat?". Das Laubacher Figurentheater, stimmt.

"Und was ist der Erzähler im richtigen Beruf?", sprang Konzertveranstalter Karl-Werner Joerg ein. Und noch eine wichtige Frage zum Schluss: "Wie heißt das Musikfest, das das Musiktheater ermöglicht hat?" "Allegro" tönte es mehrstimmig aus dem Wilhelmj-Saal im Schlossgarten zurück. Dem war nichts mehr hinzuzufügen, außer einem begeisterten Schlussapplaus.

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