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Ein stabiles Selbstwertgefühl ist wichtig für die eigene seelische Gesundheit. Doch bei vielen Jugendlichen ist das nicht der Fall. Auf der Internetseite www.verrückt-na-und.de gibt es Informationen zu den Workshops, die auch der Verein Perspektiven im Taunus anbietet.

Verein Perspektivee

Jeder Fünfte hat psychische Probleme

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Seelische Probleme tauchen meist im Jugendalter erstmals auf. Deshalb bieten größere Ausbildungsbetriebe aus dem Hochtaunuskreis ihren Azubis Workshops zur Prävention an. Auch Kirchengemeinden kooperieren in der Konfirmandenarbeit zum Thema mit dem Bad Homburger Verein Perspektiven. An Schulen aber wird das Thema gerne umgangen.

Zugegeben, psychische Erkrankungen sind ein sensibles und unangenehmes Feld. Gemütsschwankungen kennt jeder, zumal im Jugendalter. Liebeskummer, Mobbing, Drogenauffälligkeiten oder Probleme im Elternhaus oder unter Freunden gab es gewiss schon immer. Doch schnell werden „Probleme“ verharmlost oder unter den Teppich gekehrt. Auch im Schulalltag. Wie soll man diese auch ansprechen? Gerade im durchgetakteten Schulalltag. Doch die Fakten sind eindeutig und dürfen nicht ausgeblendet werden.

„Die Anzahl junger Menschen, die unter psychischen Problemen leiden, nimmt zu“, sagen Beatrice Hasselbach und Cornelia von Gerlach vom Verein Perspektiven. „Häufigste Diagnosen sind Depressionen, Angststörungen und Suchterkrankungen. Hinter Problemen wie Suchtmittelmissbrauch, Mobbing und Gewalt verbergen sich zumeist seelische Krisen.“

Die beiden Koordinatorinnen des Projektes „Verrückt? Na und!“, das vom Bad Homburger Verein Perspektiven angeboten wird, wissen nur zu gut, wovon sie sprechen. Seit einigen Jahren bieten sie das Präventionsprojekt zur Stärkung der seelischen Gesundheit für Schüler und Auszubildende im Alter zwischen 14 und 25 Jahren an.

Der sozialpsychiatrische Verein Perspektiven versucht mit dem als Projekttag angebotenen Workshop „Verrückt? Na und!“ in Schulen und Ausbildungsbetrieben jungen Menschen Wege aus dem oft als persönliche Sackgasse empfundenen seelischen Leiden aufzuzeigen. Das Konzept des Präventionsprojektes vermag viel mehr, als zu informieren, aufzuklären und zu enttabuisieren.

„Wir kommen während des Projektes gut und locker mit den Jugendlichen ins Gespräch“, berichtet von Gerlach. „Schnell kommen Leistungsdruck in der Schule, die Erwartungshaltung der Eltern, das Miteinander in der Schule und auch der selbst auferlegte Druck zur Sprache.“

Gerade das „Darüber-Sprechen“ – je früher, desto besser – und die damit gegebene Möglichkeit, Beobachtungen und Probleme klar in Worte zu fassen, sowie Erwartungen zu formulieren, bietet große Chancen. Natürlich ist das Angebot des Vereins keine Aufforderung zum Seelenstriptease.

Der Verein Perspektiven möchte mit dem Angebot an Jugendliche appellieren, dass es sich auch in unserer schnelllebigen Zeit lohnt, sich mit den eigenen Gefühlen auseinander zu setzen und diese ernst zu nehmen. Denn der Lebensstil von Jugendlichen ist durch digitale Medien geprägt. Und Fragen zu einem gesundheitsbewussten Leben stünden bei ihnen nicht unbedingt im Fokus, wissen die beiden Pädagoginnen. „Im Jugendalter waren Partys und übermäßiger Alkoholkonsum immer schon ein Thema. Schlafmangel, Müdigkeit, Erschöpfung, Reizbarkeit und Kopfschmerzen sind die Folgen, die fließend ineinander übergehen.“ In dieser Zeit komme noch die Angst dazu, in der Schule zu versagen. Ausbildungs- und Schulerfolg und ein stabiles Selbstwertgefühl hängen aber eng mit seelischer Gesundheit zusammen. Wann aber kippen persönliche Probleme? Es ist für Lehrer aber schwer, in die Seelen junger Menschen hineinzuschauen. Statistiken, die der Verein Perspektiven zur seelischen Gesundheit junger Menschen zusammengetragen hat, klingen alarmierend.

„Rund 20 Prozent der 13- bis 18-Jährigen haben psychische Gesundheitsprobleme. Hinzu kommt, dass bis zu drei Millionen Heranwachsender mit zumindest einem Elternteil zusammenleben, das an psychischen Erkrankungen leidet“, sagt Hasselbach. Und noch alarmierender: 90 Prozent aller jungen Menschen, die durch Suizid sterben, hatten zuvor psychische Probleme. Mit Beginn der Ausbildung, in Freiwilligendienste und im Studium nehmen der

Zeit- und Leistungsdruck

nochmals zu und führen zu Erschöpfung, Müdigkeit, Lustlosigkeit und das Gefühl ausgebrannt zu sein. Es sei wichtig, die Symptome und psychische Beeinträchtigungen ernst zu nehmen, Wege aufzuzeigen darüber zu sprechen und gestaltend einzugreifen, so Hasselbach abschließend.

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