Der Sammler

Joachim Bung besitzt 8000 Platten aus den 50er und 60er Jahren

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Joachim Bung hat sich 1969 seine erste Musikanlage gekauft: eine Dual. Heute besitzt er mehr als 20 Plattenspieler. Seine ganz besondere Liebe gilt einem Gerät aus der Schweiz.

Eigentlich war das Untergeschoss im Einfamilienhaus von Joachim Bung als Einliegerwohnung vorgesehen. Allerdings hat dort noch nie jemand gewohnt. Die Räume dienen, seit die Familie 1985 nach Arnoldshain gezogen ist, dazu, Platten, CDs, Singles, Hifi-Geräte und eine Wurlitzer-Musikbox von 1955 unterzubringen. Hierhin zieht sich der Hausherr jeden Abend für zwei Stunden zurück. Dann hört er zwei bis drei Scheiben – zwei bis drei von insgesamt rund 8000 Stück.

Bung liebt die Musik seiner Jugend aus den Jahren von 1950 bis 1965: Beat und Rock’n’Roll. Alles, was danach kommt, interessiert den 69-Jährigen hingegen nicht. Okay, vielleicht noch die frühen Stones, aber dann ist Schluss. Eine Lieblingsplatte hat er nicht, aber er zieht „schwarze“ Musik – beispielsweise von Fats Domino, Little Richard und Chuck Berry – der „weißen“ vor. Von Elvis Presley hängt ein großes Poster an der Wand, für die Musikbox hat er unter anderen Ricky Nelson, The Rivieras und Bill Haley ausgewählt.

Doch wie findet Bung, der auf eine Auswahl von rund

10 000 Interpreten

zurückgreifen kann, die Platte, auf die er gerade Lust hat? „Ich habe alles in einer Datenbank und bin in der Lage, jeden Titel in ein bis zwei Minuten zu finden.“ Alles ist nach Sachgebieten und Nationen sortiert, Reiter erleichtern die Suche. Weitere Platten möchte er aber nicht mehr kaufen: „Ich habe jetzt genug Stoff.“

Bung liebt an den Platten die Haptik. Ein Cover ist eben etwas ganz anderes als die Plastikhülle, in der sich eine CD befindet. Während die meisten unter uns irgendwann ihre LPs aussortiert haben, kam das für ihn nie in Frage. Erst 1994 hat er sich den ersten CD-Spieler gekauft und seitdem auch an die 700 silbernen Scheiben erstanden. Aber: „Bei vielen bereue ich den Kauf.“ Musik aus dem Internet zu streamen kommt für ihn wegen der schlechten Klangqualität nicht in Frage. „Die jungen Leute heute haben doch noch nie eine gute Anlage gehört.“

Womit wir bei der zweiten Leidenschaft Bungs wären, der für ganz besondere Hifi-Geräte nämlich. Bei ihm, der sich 1969 seine erste Anlage kaufte – eine Dual – ging das Plattensammeln immer mit dem Hifi-Interesse Hand in Hand. Und genauso, wie er sich auf die Musik der 50er und 60er Jahre beschränkt, so hat er auch kein Interesse an modernen Anlagen. Er sammelt Geräte aus den späten 50ern und den 60ern, die er als „goldene Hifi-Ära“ bezeichnet. Das ist die Zeit, in der Verstärker und Tuner ausschließlich mit Elektronenröhren arbeiteten und die Transistoren-Zeit noch nicht begonnen hatte. Die Geräte kauft er meist gebraucht und lässt sie von einem Techniker aufarbeiten.

Röhrenverstärker zu betreiben ist für Bung eine Frage der Authentizität. Die Musik der Zeit muss auf den Geräten der Zeit gehört werden, findet er und nennt als Devise die „Einheit von Hard- und Software“. Auch hier kann er auf eine unglaubliche Auswahl zurückgreifen. Zwar besitzt er nur ein Paar Boxen der ältesten Lautsprecher-Fabrik der Welt, der schottischen Firma Tannoy, dafür aber mehr als 20 Plattenspieler – darunter drei Thorens TD 124. Ein Gerät, das seine große Liebe ist (lesen Sie dazu den weiteren Text auf dieser Seite) und auf das er jederzeit einen anderen Tonarm montieren kann. „Jeder hat seine Besonderheit“, sagt Bung und verweist auf seine Sammlung:

70 historische Tonarme

, die er in eigens für ihn maßgeschneiderten Boxen aufbewahrt, mehr als 100 Systeme, drei Vorverstärker, fünf Endstufen und vier Vollverstärker – alle aus den USA.

Besondere Schmuckstücke sind dabei die Geräte der Fisher Corporation mit ihrer goldenen Front und dem stilvollen Logo und natürlich die Verstärker von McIntosh. Als er die Endstufen – vor allem die MC 275 mit ihren monströsen Trafos und den vier dicken, glühenden Röhren – zum ersten Mal sah, war seine „Liebe sofort entflammt“. Bung machte seinerzeit eine Lehre als Verlagskaufmann und verdiente 185 Mark im Monat, der McIntosh kostete damals fast 3500 Mark. „Da hätte ich lange sparen müssen“, stellt er fest und erzählt, dass er sich dann 1995 die Neuauflage des Gerätes sofort gekauft hat – für 9900 Mark.

Was sagt eigentlich seine Frau Angelika zu der Leidenschaft ihres Mannes? Sie hat mit der ganzen Sammelei nichts am Hut, trägt es aber mit Fassung, berichtet Bung. Denn: „Es ist ein häusliches Hobby. Besser, als wenn ich ständig auf dem Fußballplatz stehen würde.“

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