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Kabarett trotz und gerade jetzt in schweren Zeiten

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Die »Couchies« zeigen bei ihren »Sofa Sessions« wenig Respekt, viel Witz und allerhöchste musikalische Virtuosität. © Ingrid Schmah-Albert

Wehrheim (sai). Ein ausverkauftes Haus und der vielfache Applaus im Konzert zeigte am Samstagabend, dass der Kulturkreis Usinger Land mit seinem Programm offensichtlich »ins Schwarze getroffen« hatte. Trotz oder vielleicht gerade wegen der schweren Zeit, in der sich Europa befindet.

»Wir brauchen die gute Energie«

Man habe sich intern mit der Frage beschäftigt, ob man angesichts des Kriegs in der Ukraine eine so vergnügliche Veranstaltung wie dem Musikkabarett mit den »Couchies« anbieten könne, so Friederike Richter-Wedell, erste Vorsitzende des Kulturkreises Usinger Land, bei ihrer Begrüßung vor dem Konzert in der Mensa der Limesschule.

Und beantwortete die Frage mit »Ja, gerade jetzt«. Abgesehen davon, dass die Künstler wegen der Pandemie schon seit zwei Jahren sehr gelitten hätten und man sie nicht schon wieder habe ausladen wollen, sei ein solcher Kabarettabend wichtig: »Man hilft keinem einzigen Ukraine-Flüchtling, wenn wir hier auf das Programm verzichten und uns schwermütig zurückziehen. Im Gegenteil, wir brauchen die gute Energie eines solchen Abends, um selbst Kraft zu tanken, die uns befähigt, weiter und mehr zu helfen, wo wir können. Darum stehen wir voll hinter der Veranstaltung.« Dabei schloss sie auch den Rotary Club Usingen, der seit drei Jahren den Kulturkreis unterstützt, mit ein.

Und so genoss das Publikum in vollen Zügen die heitere, stets mit selbstironischem Augenzwinkern gespickte musikalische Darbietung des Trios. Schon der Name »Die Couchies« und die Künstlernamen des Trios mit »Hank Willis« (Hannes Schindler, Geige, Gesang, Moderation), »Colt Knarre« (Robert Brendler, Kontrabass, Gesang) und »Couchie Couch« (Charlene Jean, Gitarre, Gesang), zeigten, dass sie nichts und niemanden, am wenigsten sich selbst, allzu ernst nehmen. Passend zum Band-Namen und zum Programm »Sofa Sessions« saßen die drei auf der Couch, die übrigens von Dirk Günther von Betten-Günther in Usingen zur Verfügung gestellt wurde, und schafften so eine gemütliche, nahbare Atmosphäre. Diese unkomplizierte Nähe, gepaart mit den lustigen Anmoderationen der drei »Berliner Schnauzen«, bedeutete jedoch nicht, dass es musikalisch nicht auch anspruchsvoll wäre. Im Gegenteil: Was so leicht-beschwingt wirkte, war musikalische Virtuosität auf allerhöchstem Niveau.

Und das bewiesen die »Couchies« mit einem überaus temporeichen zweistündigen Programm, mit dem sie gleich zu Beginn loslegten und das Publikum in die Zeit und Stimmung der »Goldenen Zwanziger« entführten. Neben ein paar bekannteren Stücken, die teilweise gnadenlos bis zur (fast) Unkenntlichkeit uminterpretiert wurden, und einigen weniger bekannten Stücken aus der »guten alten Zeit« der amerikanischen oder Berliner Jazzkneipen-Kultur ,gab es auch ein paar Songs aus der eigenen Feder. Auch hier zeigte sich, wie wenig ernst sich das Künstlertrio nimmt, etwa mit solchen Titeln wie »Lalala«. Oft frech, manchmal verrucht, aber musikalisch immer in Höchstleistung noch mal eins draufsetzend begeisterten die »Couchies«. So war es kein Wunder, dass das Publikum eine Zugabe nach der anderen forderte - und auch erhielt.

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