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Kampf gegen den Stinktierkohl

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Anna Gladis, Dr. Simone Kilian und Dr. Gudrun Urban von der Neophyten-Gruppe Schmitten haben Diplom-Agrarbiologin Beate Alberternst (von links) beim Monitoring für den amerikanischen Stinktierkohl im Lauterbachtal unterstützt. FOTO: KREUTZ © Red

Schmitten. »Hoffentlich finden wir nichts«, waren sich Anna Gladis vom BUND Schmitten, die Schmittener Biologin Dr. Simone Kilian und Umweltpatin Dr. Gudrun Urban einig. Sie haben am Lauf des Lauterbachs, ab der Quelle im Bereich der Hegewiese, Agrarbiologin Dr. Beate Alberternst dabei unterstützt, die gelbe Scheinkalla, die auch als amerikanischer Riesenaronstab oder Stinktierkohl bekannt ist, schon im frühen Vegetationsstadium ausfindig zu machen.

Alberternst ist von der Oberen Naturschutzbehörde Darmstadt auch hier mit dem Neophyten-Monitoring, also der Überwachung gebietsfremder Pflanzenarten, beauftragt. So schön die gelben Blüten des Einwanderers sind, so gefährlich ist die Pflanze, wenn sie sich danach zu ihrer vollen Größe mit ihren über einen Meter langen Blättern auswächst und ungehemmt vermehrt.

Eindringlinge sicher entfernen

Ohne Gegenmaßnahmen konkurriert der sogenannte Neophyt mit heimischen Pflanzen um Raum und Nährstoffe und verdrängt vor allem seltene und ökologisch wertvolle Arten. Die Agrarbiologin bekämpft unterhalb des Feldbergs, unter anderem in den Reifenberger Wiesen, seit Jahren zusammen mit dem Forst, der Unteren Naturschutzbehörde, dem Naturpark und örtlichen Naturschutzgruppen erfolgreich den Stinktierkohl, damit nicht nur seltene heimische Orchideen weiterhin eine Chance haben.

Den Bestand am Lauterbach hatte Umweltpatin Urban vor drei Jahren entdeckt und kurz darauf mit den anderen Frauen eine Neophyten-Gruppe gebildet. Sie haben auch anderen eingeschleppten Pflanzen wie dem japanischen Knöterich und dem indischen Springkraut den Kampf angesagt. Das bedeutet, dass sie die Eindringlinge entfernen, bevor sie ihre Samen abwerfen oder weitere Wurzelausläufer bilden. Und sie kontrollieren und dokumentieren jährlich, ob die Maßnahme erfolgreich war und die heimischen Biotope sich wieder erholen.

Samen leben bis zu 20 Jahre

Wer den Amerikanischen Stinktierkohl loswerden will, braucht nämlich einen langen Atem. Die Samenbanken können laut Alberternst bis zu 20 Jahre lebensfähig bleiben. Und der Stinktierkohl sei aus sogenannten Meristemen, das sind Zellen an den äußersten Ende der Sprossspitzen, am äußersten Ende der Seitensprossen oder den Wurzelspitzen, regenerierbar. Im oberen Lauterbachtal hat die Neophyten-Gruppe immerhin noch rund 15 Jungpflanzen des Riesenaronstabs gefunden und samt Wurzel ausgegraben. Erfreulicherweise haben die Frauen auch seltene Orchideen wie die Grünliche Waldhyazinthe (Platanthera chlorantha) entdeckt. Auch in einem Garten durften sie sich umsehen. Laut Alberternst besteht nämlich die Gefahr, dass der Neophyt sich unbemerkt in Gärten ausbreitet und von da aus wieder in die Biotope getragen wird. »Wir hoffen daher auf die Mithilfe aus der Bevölkerung«, so die Gruppe.

Schlecht für biologische Vielfalt

Da Lysichiton americanus, so der botanische Name der gelben Scheinkalla, auf der »Unionsliste« invasiver Arten steht, weil ihre Ausbreitung Lebensräume, Arten oder Ökosysteme beeinträchtigt und daher der biologischen Vielfalt schaden könnte, ist laut Alberternst der Handel mit ihnen verboten. Außerdem dürfen gebietsfremde Arten nach Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes nicht ohne besondere Genehmigung in die freie Landschaft ausgebracht werden.

Viele wissen nicht, was im Garten steht

Viele wüssten gar nicht, dass sie Stinktierkohl in ihrem Garten haben. Wer ihn dort sichtet oder in der Natur findet, sollte den Standort unbedingt melden. Da der Neophyt mit anderen Pflanzen leicht verwechselt werden kann, schickt man am besten ein Foto und eine Ortung an die Expertin per Mail an b.alberternst@online.de. Sollte es sich bewahrheiten, dass es sich um den Stinktierkohl handelt, greifen die ortsansässigen Mitglieder der Gruppe ein. Zur Identifizierung kann man sich auch an Kilian wenden unter (01 77) 6 44 34 60 oder per Mail unter drskilian@aol.com.

Wichtig ist, dass die aggressive Pflanze möglichst sofort entfernt und fachgerecht entsorgt wird. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten außer den Blättern alle anderen Pflanzenbestandteile des Stinktierkohls in den Restmüll wandern. Im Biomüll, der Grünecke oder dem Kompost würden kleinste Bestandteile sich weiterentwickeln und sich von dort invasionsartig ausbreiten.

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