Wer in diesen Tagen seinen Tank füllt, muss tief in die Tasche greifen. Neben Pendlern trifft das vor allem Geschäftsleute, die mit Personen- und Warentransport ihr Geld verdienen.
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Wer in diesen Tagen seinen Tank füllt, muss tief in die Tasche greifen. Neben Pendlern trifft das vor allem Geschäftsleute, die mit Personen- und Warentransport ihr Geld verdienen.

Rekordhoch

"Katastrophe": Explosion bei Spritkosten verursacht große Probleme für Unternehmen

  • VonAlexander Schneider
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Die Diesel-Preise befinden sich auf einem Rekordhoch. Viele Menschen verzweifeln wegen der hohen Spritpreise. Auch Transport-Unternehmen im Hochtaunuskreis haben zu kämpfen.

Hochtaunuskreis – Diesel ist so teuer wie noch nie an den Tankstellen in Deutschland: Der Preis stieg zuletzt laut ADAC im bundesweiten Tagesdurchschnitt auf 1,55 Euro pro Liter. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Sonntags lag er laut ADAC bei 1,555 Euro pro Liter. Der bisherige Höchststand war demnach Ende August 2012 mit 1,554 Euro erreicht worden. Auch der Benzin-Preis geht durch die Decke.

Der immer weiter steigende Erdölpreis schlägt auf die Verbraucher durch. Was die sich rasend schnell drehende Preisspirale mit Unternehmen macht, die Menschen und Waren transportieren – die TZ hat sich bei einem Taxifahrer, einem Busunternehmer und einem Spediteur umgehört, mehr oder weniger mit demselben Ergebnis: Katastrophe!

Explosion bei Spritkosten: Unternehmen im Hochtaunuskreis klagen über wenige Fahrgäste

Obwohl die Preise für Diesel in diesem Jahr um 50 Prozent über dem Niveau von 2020 liegen, denken Bad Homburgs Taxi-Unternehmer derzeit nicht über höhere Droschkenraten nach. Ali Pamuk, Vorsitzender des Vereins "Taxi Bad Homburg e.V.", in dem 35 Unternehmer vereint sind, sagt: "Eine Preiserhöhung jetzt würde die Falschen treffen, viele ältere Leute, die zum Arzt müssen. Nein, wir bleiben bei unseren Tarifen."

Wie viel Sprit er mit seinen beiden Taxen im Monat verfährt, kann er nicht genau sagen, ". . . zu viel, jedenfalls für das, was am Ende übrig bleibt." Für 2021 hat Pamuk keine Hoffnung auf Entspannung mehr: "Die Arbeit im Homeoffice kostet uns viele Fahrgäste. Und auch die Zeit des Stillstands in der Gastronomie hatte fatale Folgen - wer nicht ausgeht, braucht danach auch kein Taxi." Ali Pamuk hält den Umstieg auf E-Taxen derzeit für wenig zielführend: "Dazu müssten die Reichweiten größer sein, zumindest müsste es an den Standplätzen Ladesäulen geben."

Blickt Pamuk noch recht positiv in die Zukunft, sieht die für den Neu-Anspacher Busunternehmer Frank Weber ("Ohly & Weber") nach dessen Worten "eher düster" aus. Dass die Spritpreise steigen würden, habe man zwar geahnt, "dass sie derart explodieren, war aber so nicht abzusehen", sagt Weber, der an der Tankstelle mit seinen elf Linienbussen den roten Teppich ausgerollt bekommt, denn seine 27 Fahrer verfeuern insgesamt 24.000 Liter Diesel im Monat. Trotz sparsamem Gasfuß geht da pro 100 Kilometer unter 30 Litern wenig.

„Kein Sinn mehr“: Bus-Unternehmen aus Hochtaunuskreis verzweifelt wegen hohen Spritkosten

Weber, der für die Hessische Landesbahn und die Deutsche Bahn im ÖPNV fährt, sieht die Verkehrsverbände, mit denen er mehrjährige Verträge hat, und die Politik in der Pflicht, den Busunternehmern einen Ausgleich für die explodierenden Treibstoffkosten zu zahlen. "Das ist aber nicht in Sicht, irgendwann ist der Punkt erreicht, dann macht es betriebswirtschaftlich keinen Sinn mehr", sagt Weber.

Vielleicht sei der Punkt aber auch schon erreicht. "Wenn wir nicht mehr wirtschaftlich fahren können, kommt schnell das böse Erwachen, was dann wird, weiß noch keiner so richtig", befürchtet Weber. Dennoch denkt Frank Weber nach über 90-jähriger Familientradition nicht ans Aufhören: "Im Reiseverkehr, wo wir zwei Autos laufen haben, wird es langsam wieder besser."

"Katastrophe, gruselig" – deutlicher hätte Simone Wennekamp, Chefin und Mitgesellschafterin der gleichnamigen Steinbacher Spedition, die Situation kaum beschreiben können: "Der Anstieg beim Diesel war so nicht abzusehen. Dazu kommt noch, dass der Zusatzstoff AdBlue inzwischen das Doppelte kostet." Da Wennekamp überwiegend für die Lebensmittelbranche deutschlandweit und im angrenzenden Ausland unterwegs ist, bekommt das Unternehmen den Preiskampf in den Supermärkten deutlich zu spüren.

Speditions-Unternehmen im Hochtaunuskreis: Etwas Entspannung trotz Spritpreis-Explosion

Hinzu kommen eine Verknappung und die damit verbundene drastische Preiserhöhung bei Europaletten von 6,50 auf 12 Euro. Da sei es dann schwierig, Kostensteigerungen an den Kunden weiterzugeben. Die Auftragsbücher des Fuhrunternehmens sind zwar gut gefüllt, dennoch wird es schwer, die Aufträge abzuarbeiten, denn es fehlt auch an qualifizierten Fahrern für die 35 Zugmaschinen.

Eine leichte Entspannung bei den Tankrechnungen erzielt Wennekamp durch die eigene Tankstelle in Oberhöchstadt. "Da bekommen wir Diesel wenigstens zu Großhandelskonditionen", sagt Simone Wennekamp. Da die Fernlaster Zusatztanks haben, müssen sich die Wennekamp-Trucker an den Autobahnraststätten nicht anstellen, sparen Zeit und schaffen Steinbach-Hamburg-Steinbach locker ohne Tankstopp. "Die Fahrer sollen möglichst daheim tanken, das sind dann etwa 60.000 Liter monatlich", so Wennekamp.

Eine weitere Reduzierung der Energiekosten dürften die beiden LNG-Flüssiggas-Laster bringen, die Wennekamp im Frühjahr für einen Großkunden in Dienst stellen wird. LNG-Lkw sind tendenziell günstiger im Betrieb und verursachen weniger Emissionen – bei gleicher Leistungsfähigkeit wie Diesel-Lkw. Auch dank Mautbefreiung könnte sich diese Alternative finanziell gegenüber einem Diesel-Lkw behaupten. (Alexander Schneider)

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