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Vier Windräder stehen bereits auf der Gemarkung Karben-Kloppenheim im Städtedreieck mit Frankfurt und Bad Homburg.

Beschluss in der Verbandskammer

Kein Windrad an der Saalburg

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Der Beschluss in der Verbandskammer ist gefallen: Es bleibt dabei, dass nahe der Saalburg und am Sandplacken keine Windräder gebaut werden dürfen. Am Winterstein bei Pfaffenwiesbach ist jedoch weiterhin ein großes Vorranggebiet geplant. Dagegen gibt es Kritik.

1000 Fußballfelder für die Windkraft – damit veranschaulicht der Regionalverband FrankfurtRheinMain, wie groß die Fläche im Rhein-Main-Gebiet ist, auf denen theoretisch Windkraftanlagen gebaut werden dürfen. Der mehrheitlichen Entscheidung in der Verbandskammer am Mittwoch gingen in mehreren Jahren zwei Offenlagen voraus, nach denen Bürger und Verbände Stellung zu den vorgesehenen Flächen nehmen konnten.

Im Vordertaunus waren den Kommunen zwei Areale ein Dorn im Auge: Eine rund 175 Hektar große Fläche nahe der Saalburg – die Städte Bad Homburg und Friedrichsdorf hatten Widerspruch eingelegt – sowie eine weitere, knapp 41 Hektar große Fläche unweit des Sandplackens.

Nach der jüngsten Offenlage im April und Mai 2017, zu der rund 5350 Stellungnahmen, vor allem von Einzelpersonen, eingegangen waren, wurden diese beiden Flächen aus dem „Sachlichen Teilplan Erneuerbare Energien“ (TPEE) herausgenommen. Bei der Saalburg überwogen die Bedenken wegen des Artenschutzes und der Denkmalpflege; beim Sandplacken war die nahe Messstation Taunus-Observatorium der Grund.

Der um die beiden sensiblen Gebiete bereinigte Entwurf ist nun von der Verbandskammer den Stimmen von CDU, SPD und den Grünen beschlossen worden. Nur auf den 21 Vorranggebieten – sie entsprechen etwa 0,6 Prozent des Verbandsgebietes zwischen Münzenberg und Groß-Gerau oder besagten 1000 Fußballfeldern – dürfen künftig Windkraftanlagen gebaut werden, wenn der Plan rechtskräftig geworden ist. Dies wird der Fall sein, wenn die Regionalversammlung Südhessen den Plan für den Regierungsbezirk, zu dem das Regionalverbandsgebiet gehört, verabschiedet und das Land Hessen ihn genehmigt hat. „Der immer wieder beschworenen ,Verspargelung der Landschaft‘ wird hiermit ein wirksamer Riegel vorgeschoben“, sagte Verbandsdirektor Thomas Horn (CDU).

Gegen den Entwurf gestimmt hat die Unabhängige Gruppe von Freien Demokraten, Freien Wählern und Parteilosen in der Verbandskammer. „Wir würden auf den 1000 Fußballfeldern lieber Fußball spielen“, sagte der neue Gruppenvorsitzende, Hochheims Bürgermeister Dirk Westedt. Er folgt auf Dr. Stefan Naas (beide FDP) nach, der in den Hessischen Landtag einzieht.

Ober-Erlenbach weiter drin

Nach Ansicht der „Unabhängigen“ ist der Ballungsraum durch den Flughafen, Straßen und Schienenwege ohnehin stark belastet. Sie wollen den Naturpark Taunus erhalten. „Denn die Menschen der Region brauchen Wald und Natur zur Erholung.“ Die Unabhängige Gruppe war mit einem Änderungsantrag gescheitert, das Windvorranggebiet 7805 am Winterstein bei Wehrheim-Pfaffenwiesbach auf einen Bruchteil zu verkleinern. „Das riesige Windvorranggebiet mit über 414 Hektar liegt mit 245 Hektar im Wasserschutzgebiet Zone III in Verbindung mit den geologischen Formationen Taunusquarzit/Hermeskeilsandstein“, schreibt die Gruppe. „Beim Zusammentreffen dieser geologischen Gegebenheiten ist das Grundwasser besonders gefährdet – dies ist aus einem anderen Verfahren bekannt.“

Ebenfalls noch im TTPE vorhanden sind die Flächen 4607 zwischen Bad Homburg–Ober-Erlenbach, Karben und Rosbach, 34 Hektar, und 4608 zwischen Ober-Erlenbach, Frankfurt–Nieder-Erlenbach und Karben (36 Hektar). Ob dort jemals Windkraftanlagen gebaut werden, steht allerdings in den Sternen. Konkrete Investorenpläne gibt es nicht, und aus dem Homburger Rathaus hieß es vorige Woche, das Projekt werde derzeit nicht verfolgt.

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