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Keine Konflikte mehr in Kleiderkammern

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Geflüchtete aus Ukraine müssen nach Aufstockung auf Hartz-IV-Niveau nun wie alle anderen bezahlen

Usingen/Königstein -Bislang konnten sich Geflüchtete aus der Ukraine in den Kleiderkammern des Kreisverbands Hochtaunus des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Usingen und Königstein kostenlos mit Kleidung eindecken, was oftmals zu Konflikten zwischen ihnen und anderen Begünstigten, die für die Kleidung bezahlen mussten, geführt hat. Mit der Aufstockung der Finanzleistungen auf Hartz IV-Niveau können die Ukrainer sich zwar weiterhin in den Regalen bedienen, müssen aber nunmehr wie alle anderen Kunden dafür bezahlen. Das DRK begründet diese Maßnahme mit dem Grundsatz der Gleichbehandlung.

Im Usinger "Kleidershop" in der Kreuzgasse und in der Königsteiner "Kleiderstube" in der Gerichtsstraße, beide betrieben vom DRK Hochtaunus und den DRK-Ortsvereinen Usingen und Königstein, müssen nun auch Geflüchtete aus der Ukraine für Kleidung ihrer Wahl die in den beiden Einrichtungen üblichen, äußerst günstigen Tarife zahlen.

Gestaffelte Preise sind "tragbar"

Bislang war der Einkauf zur Linderung der ersten Not für sie kostenlos. Viele Geflüchtete hatten auf ihrer Flucht kaum mehr Kleidung dabei, als sie am Leibe trugen. "Da die Geflüchteten aus der Ukraine inzwischen aber höhere Leistungen auf Hartz IV-Niveau beziehen, halten wir es im Interesse der Gleichbehandlung gegenüber Flüchtlingen aus anderen Ländern, aber auch Sozialhilfeempfängern, generell für vertretbar, die kostenlose Abgabe von Kleidung, noch dazu in unbegrenzter Menge, einzustellen", sagt Sebastian Fischer, stellvertretender DRK-Kreisgeschäftsführer und Leiter Soziale Dienste beim DRK Hochtaunus.

Die gestaffelten Preise pro Kleidungsstück seien angesichts der durchweg guten Qualität absolut fair und auch für die finanziell nunmehr bessergestellten Geflüchteten aus der Ukraine tragbar.

Menschen, die aufgrund des Krieges in der Ukraine in Deutschland sind, haben seit dem 1. Juni im Bedarfsfall Anspruch auf Leistungen nach SGB II, die sogenannten "Hartz-IV" Leistungen, bzw. SGB XII (Sozialhilfe für Erwerbsunfähige und Grundsicherung im Alter).

Veränderte finanzielle Lage

Bis Ende Mai erhielten sie lediglich die reduzierten Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Die SGB-Leistungen sind grundsätzlich höher als die Beträge nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.

Im Unterschied zu diesen, enthalten die Zahlungen nach SGB II in bestimmten Konstellationen auch noch Zusatzbeträge, etwa für Alleinerziehende, was für viele ukrainische Mütter relevant sein dürfte und eine weitere, deutliche Verbesserung darstellt. Bislang hatten die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine lediglich Anspruch auf die reduzierten Sonderleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.

Zuletzt sogar getrennte Öffnung

Vor diesem Hintergrund haben die Kleiderkammern des DRK Hochtaunus in Usingen und Königstein ukrainische Flüchtlinge bislang kostenlos mit Kleidung in unbegrenzter Menge versorgt. In den Kleiderstuben hatte diese Praxis aber immer wieder zu Konflikten zwischen Geflüchteten aus anderen Kriegsgebieten und SGB II-Empfängern und Flüchtlingen aus der Ukraine geführt. In der Königsteiner Kleiderstube in der Gerichtsstraße gab es deshalb zuletzt sogar zwei verschiedene Öffnungszeiten für die beiden Gruppen, um Zusammenstöße zu vermeiden. "Das entspricht nicht dem Grundgedanken, den der DRK-Kreisverband Hochtaunus mit dem Betrieb seiner Kleiderkammern verfolgt. Sinn war es und so soll es auch bleiben, dass sich Bedürftige mit qualitativ hochwertiger Kleidung eindecken können. Die Preise sind dabei so niedrig, dass sie auch ins Budget von Beziehern von SGB II-Leistungen passen", sagt Fischer. Selbstverständlich stünden die Kleiderkammern aber auch allen anderen Bürgern, unabhängig von ihrem Einkommen, offen.

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