Kulturdenkmal wird erneuert

Kirdorfer Schwesternhaus: Sanierung nach 143 Jahren

Im Schwesternhaus riecht es derzeit ein wenig muffig. Kein Wunder, sind doch Arbeiter aktuell damit beschäftigt, an einigen Stellen des altehrwürdigen Gebäudes (siehe ZUM THEMA) den über 140 Jahre

Im Schwesternhaus riecht es derzeit ein wenig muffig. Kein Wunder, sind doch Arbeiter aktuell damit beschäftigt, an einigen Stellen des altehrwürdigen Gebäudes  den über 140 Jahre alten Lehmputz von den Wänden zu klopfen. Überall stehen Eimer und Zementsäcke herum und wer das oberste Stockwerk erklimmen will, muss den Kopf einziehen, um sich selbigen nicht an den aufgestellten Gerüsten zu stoßen.

Die Sanierung des historischen Gebäudes ist in vollem Gange. Die ehemalige Waschküche, in der heute die Bücherei untergebracht ist, und der frei stehende Saalbau wurden bereits in einem ersten Bauabschnitt wieder hergestellt, jetzt also das Schwesternhaus. Frei nach dem Motto: Das Beste zum Schluss. Von außen ist das Schwesternhaus (auf den Zusatz ehemalig verzichtet man in Kirdorf) kaum noch zu erkennen – der alte Putz ist ab und ein Gerüst schmiegt sich wie eine zweite Haut um das Gebäude. Fußböden sind freigelegt, Löcher werden in Wände geschlagen, Fachwerk ist sichtbar und Decken werden abgehängt. „Hier bleibt kein Stein auf dem anderen“, erklärt Ortsvorsteher Hans Leimeister, der im Vorstand des Gemeindebeirats von St. Johannes sitzt.

Rund zwei Millionen wird die Sanierung am Ende gekostet haben. Das Geld stammt im Wesentlichen aus dem Erlös aus dem Verkauf des Gemeindezentrums St. Franziskus. Einen großen Batzen der Kosten nehmen die denkmalgeschützten Fenster in Anspruch. Dass diese noch als vollständiger Bestand erhalten sind, ist einmalig in Hessen. Also gilt es jetzt 45 Fenster auszubauen, zu untersuchen, zu sanieren und wieder einzubauen. „Die Sanierung der Fenster ist sehr schwierig“, erklärt denn auch die zuständige Architektin Anja Schäfer.

Und Leimeister rollt ein wenig mit den Augen, wenn er erzählt, dass letztlich gerade mal um die 20 Prozent der Original-Substanz der Fenster erhalten bleiben. „Hätten wir die Fenster erneut, hätte das 90 Prozent der Kosten eingespart“, so Leimeister. Hinzu kommt, dass die historischen Fenster nur einfach verglast sind – daher sollen teilweise Innenfenster eingebaut werden. Nicht zuletzt deshalb sucht die Gemeinde nach Paten für einzelne Fenster – 5000 Euro soll eine Patenschaft kosten. Außerdem wird auch die Stadt einen Teil zu den Kosten beitragen. Zu Recht, wie Leimeister sagt, denn das sei immerhin Bestandteil des Eingemeindungsvertrags von 1972. Leimeister: „Damals hat sich die Stadt Bad Homburg verpflichtet, für den Unterhalt der Liegenschaften von St. Johannes aufzukommen.“

Es dürfte wenig verwundern, dass in allen Geschossen die Elektrik und die Heizung sowie die Versorgungsleitungen komplett erneuert werden. Im Inneren setzt man übrigens auch für die Zukunft wieder auf losen Lehmputz. Die Ausschreibung hat mit der Firma Moses übrigens ein Kirdorfer Unternehmen für sich entscheiden können.

Im Keller wird ein Raum für die Jugend eingerichtet, inklusive sanitärer Anlagen. Ganz oben, unter dem Dach, soll es wieder eine Hausmeisterwohnung geben, während im ersten Obergeschoss, in den ehemaligen Schwesternzellen, weitere Vereinsräume etabliert werden sollen. Im Erdgeschoss soll der Pfarrsaal auch weiterhin als ein solcher genutzt werden. Spannende Pläne hat die Gemeinde mit der Kapelle. „Wir könnten uns vorstellen, dass hier künftig Andachten und Trauungen stattfinden“, so Leimeister.

Für die Fassade und das Dach wurden Gutachten in Auftrag gegeben. Offen ist allerdings noch die Frage, ob man auf einen Rau- oder einen Glattputz setzt. Während das Dach in Rot gedeckt wird („Das passt so am besten zur Bebauung im Ort“, so Schäfer), setzt man beim Putz auf dasselbe Beige-Grau wie beim Saalbau. Die Fenster werden von außen einen dunkelblauen (anthrazit) und von innen einen hellgrauen Anstrich bekommen.

Bleibt am Ende noch die alte Liegehalle – hier soll ein Proberaum für die drei Kirchenbands eingerichtet werden. Allerdings gibt es auch an dieser Stelle noch Klärungsbedarf mit dem Denkmalschutz. Ende des Jahres sollen aber alle Arbeiten erledigt sein.

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