Burgers Wochenschau

Klares „Ja“ zur Taunusbahn

  • vonAndreas Burger
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Gehört haben wir die Nachrichten wohl, allein der Glaube fehlt. Ausgangspunkt: Die Taunusbahn soll bis 2019 elektrifiziert werden. Bis Usingen.

Gehört haben wir die Nachrichten wohl, allein der Glaube fehlt. Ausgangspunkt: Die Taunusbahn soll bis 2019 elektrifiziert werden. Bis Usingen. Und natürlich beeilen sich Politik und Verkehrsverband sowie der RMV zu betonen, dass an eine Stilllegung der weiteren Strecke nicht gedacht ist. Der Verkehrsverband wartet derzeit auf eine Grundsatzentscheidung vom Hochtaunuskreis, ob Strom oder weiterhin Diesel gewünscht sind.

Nun hat der RMV-Pressesprecher Sven Hirschler aber zugleich betont, dass die alten Diesel-Triebwagen das Ende ihrer Lebensdauer erreichen. Und deshalb will man eine Grundlagenentscheidung.

Die ist eigentlich schon getroffen: Strom bis Usingen. Und man muss kein Hellseher sein, was dann mit dem Rest der Strecke wird. Denn rollt eine S-Bahn bis Usingen, werden der RMV respektive der Verkehrsverband Hochtaunus einen Teufel tun, teure Dieselloks für den Rest der Strecke neu anzuschaffen.

Hört man sich im Lahn-Dill-Kreis um, kommt eine schwammige Antwort, was eine Kostenbeteiligung eines Gesamtausbaus betrifft. Mal sehen und Gespräche führen – klare Bekenntnisse sehen anders aus.

Erinnert sich eigentlich noch jemand daran, dass bis Ende der 60er-Jahre die Taunusbahn von Bad Homburg über Usingen nach Grävenwiesbach und mit weiterführenden Zügen bis Weilburg und Wetzlar unterwegs war?

Eigentlich kann es nur eine Lösung geben: Die Taunusbahn wird komplett als S-Bahn ausgebaut, und wer die große Lösung bevorzugt, nimmt den Lahn-Dill-Kreis gleich mit in die Pflicht. Denn die Globalisierung im Kleinen macht auch an der Kreisgrenze nicht halt. Morgens und abends zu den Stoßzeiten ist die Bahn jetzt bereits voll.

Hinzu kommt: Der Siedlungsdruck wächst, die Wohn-Kosten im Hochtaunus explodieren, immer mehr Bürger wägen Arbeitsweg gegen Wohnkosten auf. Nur noch wenige Kommunen haben Zuwachs bei der Bevölkerung, die Auswirkungen der jüngsten und kräftigen Gebühren- und Steuererhöhungen sind noch nicht einmal abzusehen.

Wenn die quer durch alle Parteien stets zu hörende Unterstützung für den ÖPNV keine Lippenbekenntnisse sind, dann ist heute die Zeit für Entscheidungen.

Die Zahl der Fahrgäste könnte deutlich gesteigert werden, würde auch der Umweltschutzgedanke bei der Politik nicht monetär gemessen. Wer morgens die paar Kilometer von Brandoberndorf nach Usingen will, muss 3 Euro für einen Einzelfahrschein zahlen. 8,10 Euro kostet es gar bis Bad Homburg. Oder 173 Euro für die Monatskarte. Wenig attraktiv für einen Umstieg auf den ÖPNV. Der Staat wirft gern und viel mit Subventionen um sich, da wäre eine höhere Subventionierung der Bahn allemal angebracht.

Zudem ist die durch einen S-Bahn-Betrieb zu erwartende noch höhere Auslastung der Bahn die Lösung fürs Nadelöhr Saalburg. Nur: 86 Euro für eine Monatskarte von Usingen nach Bad Homburg – im Ernst: Das kann keinen richtig reizen, umzusteigen. Denn der Preis muss dem Nutzer die Hürde leichter machen, dass er ja auch vom Bahnhof aus noch sein Ziel irgendwie erreichen muss. Solange die Bahn aber teurer ist als der verfahrene Sprit, sind die Annehmlichkeiten eines Autos niemandem auszureden.

Klare Worte der Politik, des RMV und der Verkehrsverbandes wären jetzt dringend vonnöten.

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