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Klassisches Obrigkeitsdenken

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Professor Eugen Ernst nimmt sich in seinem Vortrag den Eschbacher Schultheiß Schmidt und seine Zeit vor. © Red

Usingen. Heutzutage regelt die Hessische Gemeindeverordnung, was ein Bürgermeister darf und was nicht, er ist an Gremien gebunden, auf Zeit im Amt und hat sich auch gegenüber den Bürgern zu verantworten. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, also zu Herzogs Zeiten, war das noch etwas anders. Der Schultheiß stand dem Dorf vor und viel hing von seiner Persönlichkeit ab, was er aus seinem Amt und dem Dorf machte.

Auch Eschbach hatte so eine Persönlichkeit, die die Geschicke des Dorfes lenkte. Der Neu-Anspacher Lokalhistoriker Professor Dr. Eugen Ernst sprach auf Einladung des Vereins Eschbacher Ortsgeschichte über das Leben und Wirken des Schultheiß Johann Anton Schmidt.

Pfarrer Dombois und die Freiheit

Der Referent betrachtete zur Einordnung aber auch eine zweite Persönlichkeit aus dem Usinger Land, Pfarrer Heinrich Dombois aus Rod am Berg. Dieser war aus einem ganz anderen Holz geschnitzt als der Schultheiß. Dombois, aus hugenottischer Abstammung, wirkte eine Generation vor Schmidt. Er war sehr früh in den Sog freiheitlicher Bestrebungen geraten und gehörte einem Kreis von Gleichgesinnten im Raum von Idstein bis Butzbach an. Gesinnungsgenossen waren damals unter anderem der Butzbacher Pfarrer Friedrich Ludwig Weidig, ein konspirativer Treff war das Gasthaus »Zur Post« in der Usinger Obergasse. Mit einer Eingabe beim Herzog forderten sie Rechte für Bürger und Bauern.

Schmidt, der als junger Mann bereits als Gemeinde-Rechner Talent gezeigt hatte, wurde vom Amtmann gefördert und kam durch diesen ins Schultheißenamt, das er ganz im Sinn des Obrigkeitsdenkens ausfüllte. Allerdings versah er sein Amt auch zum Wohle der Eschbacher, stieß bei der Durchsetzung seiner Maßnahmen aber nicht immer auf Gegenliebe. Er habe andere Vorstellungen von der Landwirtschaft gehabt, so Ernst, und Änderungen im Flurzwang durchgesetzt, die Stallhaltung propagiert und damit das Abweiden des Brachlandes durch die Tiere abgeschafft. Stattdessen sollten Hackfrüchte und Klee in die Fruchtfolge aufgenommen werden. Er habe für Anbau ungeeignetes Land aufgeforstet und umgekehrt fruchtbares Land der Waldwirtschaft entzogen.

Eschbacher Lokalpatriot

Damit habe er Einnahmen erwirtschaftet, die dem Gemeinwesen zugutegekommen seien. Zu seinen Leistungen zählt die Errichtung einer Schule, allerdings nicht unbedingt um der Bildung willen, sondern »weil die Usinger auch eine hatten«, erklärte Ernst mit ironischem Unterton. Der Eschbacher Lokalpatriot habe es den Usingern zeigen wollen: »Bei der Kirche hat er es aber übertrieben.«

Der Referent zeichnete vom Schultheiß Schmidt ein autoritäres Bild, verwurzelt im traditionellen Obrigkeitsdenken. Er billigte ihm aber auch persönliche Schicksalsschläge als Hintergrund zu. Die agrarwirtschaftlichen Verhältnisse habe er verbessert, das habe aber nicht verhindert, dass 1848 3000 nassauische Bauern, auch aus dem Usinger Land nach Wiesbaden zogen, um freiheitliche Rechte einforderten.

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