1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus

Kleine Schritte Richtung Frieden

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Angst vor Krieg beschäftigt Deutsche und Afrikaner gleichermaßen

Wehrheim -Die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine sind weltweit zu spüren. Die Angst vor einem Weltkrieg oder einem Krieg mit atomaren Waffen steigt, und die Sorge um Zugang und Verteilung von Energie- und Nahrungsmitteln wird immer größer. "Die prekäre Lebenssituation von Millionen Menschen in Afrika verschärft sich immer weiter", machte Pfarrer Dr. Jean Mutombo bei seiner Predigt in der evangelischen Kirche deutlich.

Er ist Kongolese und arbeitet als Regionalpfarrer der westfälischen Kirche. Mutombo lebt seit langem in Deutschland und ist fast ebenso lange mit der Partnerschaft der Wehrheimer mit der baptistischen Kirche Ceba in Lubumbahsi in der Demokratischen Republik Kongo verbunden.

Beim jährlichen Partnerschaftsgottesdienst, der zeitgleich in Wehrheim und Lubumbashi gefeiert wurde, sind er und seine Frau Rose gerngesehene Gäste. Der von Pfarrer Matthias Laux gehaltene Gottesdienst stand unter dem Thema "Frieden und Sicherheit" - ein Thema, das die Menschen auch in Deutschland umtreibt wie selten zuvor.

In seinem Grußwort machte Baudouin Lwinda, der Geschäftsführer der Partnerschaft in Lubumbahsi, deutlich, wie sehr sich die Partner Gedanken um die Situation in Deutschland machen, etwa nach dem Hochwasser an der Ahr. "Baudouin fragt nach, ob wir alle gesund sind, denn dort gibt es keine Vorstellung davon, wie weit Wehrheim von dieser Region entfernt ist", berichtete Philipp Yangala, Kongolese und Mitglied der Wehrheimer Gemeinde, der die Worte übersetzt hatte. Lwinda erläuterte weiter, dass die Corona-Pandemie den Kongo zahlenmäßig nicht so hart getroffen habe, die Auswirkungen aber umso heftiger waren. "Wer kauft sich schon Masken, wenn er nichts zu essen hat?"

Unhaltbare

Situation

Zur Frage, was Frieden für sie bedeutet, hatten Gemeindemitglieder in Wehrheim und im Kongo Interviews aufgenommen und den jeweils anderen zugeschickt. Dabei wurde klar, dass Frieden in Afrika eine wesentlichere Bedeutung hat als in Deutschland.

Einer der Interviewten berichtete davon, dass auch die Christen der Kirche Ceba Flüchtlinge aufnehmen, selbst in der eigenen, schweren Situation. Geflohene aus dem Nordosten des eigenen Landes, wo die Menschen seit 25 Jahren inmitten kriegerischer Auseinandersetzungen leben.

Dazu nahm auch Mutombo in seiner Predigt Stellung. "Die Ukraine und die DR Kongo teilen das gleiche Schicksal: Besetzung durch die Nachbarn, kriegerische Nachbarschaft, Gewalt, Streben nach Kontrolle über die Bodenschätze und Rohstoffe." Es gebe rund 120 Rebellengruppen, die sich durch Ausbeutung der Ressourcen finanzieren.

Die unhaltbare Situation werde weltweit kaum wahrgenommen, aber die Auswirkungen seien katastrophal: Mädchen und Frauen würden vergewaltigt, Häuser und Schulen niedergebrannt, und es gebe Millionen Binnenvertriebener. Die Abwesenheit von Frieden gehe einher mit chronischer Unsicherheit und Instabilität.

Dem "Wenn du Frieden willst, bereite den Krieg vor", setzte er das Wort aus Jesaja 32, 17 entgegen: "Wenn du Frieden und Sicherheit willst, übe Gerechtigkeit. Denn ohne Gerechtigkeit könne es kein Glück geben. Überall wo Menschen nicht glücklich sind, gibt es keinen Frieden, auch wenn es keinen Krieg gibt."

Kluft zwischen Arm und Reich

Für Jean Mutomo ist klar, dass es keinen Frieden geben kann, wenn die große Kluft zwischen Arm und Reich weiter steigt, und dass die Starken weiterhin über das Schicksal der Schwachen entscheiden und sie ausbeuten. Von dem Tag an, an dem es weniger Ungerechtigkeit gebe, werde es auch weniger Kriege geben.

Als Christ sehe er zusammen mit den Partnern im Kongo auch eine Chance: den Glauben an Christus, "den Friedensfürsten": "Er sollte uns inspirieren, kleine Schritte in Richtung Frieden zu gehen, und um uns herum Oasen des Friedens zu schaffen." Dies geschehe mit Toleranz, durch Akzeptanz anderer Denkweisen und die Umwandlung von Unterschieden in bereichernde Faktoren", so der Pfarrer.

Ein Stück von der Fröhlichkeit der Afrikaner, die sie auch aus ihrem festen Glauben ziehen, brachte "Mato Triolo" mit ihrem Lead-Sänger und Trommler, dem gebürtigen Senegalesen Baye Matala, in die Kirche. Ihre Rhythmen "bewegten" auch die Gottesdienst-Besucher.

Auch interessant

Kommentare