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Kolumne

Kliems Wochenschau: Luft, Wind, Gegenwind

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Das Wort ist nicht gerade dazu prädestiniert, den Bürger zur Lektüre zu verführen. Die Stadt Kronberg hat jetzt ein umfangreiches Werk mit der sperrigen Bezeichnung „Nachhaltigkeitsbericht“ vorgelegt.

Das Wort ist nicht gerade dazu prädestiniert, den Bürger zur Lektüre zu verführen. Die Stadt Kronberg hat jetzt ein umfangreiches Werk mit der sperrigen Bezeichnung „Nachhaltigkeitsbericht“ vorgelegt. Es ist der zweite seiner Art – und wer sich von dem bürokratischen Namen nicht abschrecken lässt, erhält auf den folgenden 60 Seiten einen umfassenden Überblick, was genau es mit dem Städtchen im Westen des Hochtaunuskreises auf sich hat.

Dass sich die Bevölkerung statistisch betrachtet alle zwölf Jahre austauscht, dass es 147 Vereine in der Burgstadt gibt, dass auf Tausend Einwohner 599 Autos kommen – all das ist in dem Bericht nachzulesen. Die Relevanz von derlei Informationen erschließt sich nicht unbedingt – aber spätestens, wenn es um die Themen Altersstruktur, Wirtschaftskraft oder Umweltbelastung geht, ist das Wissen um den Status quo und die aktuellen Trends eminent wichtig. Wer die künftigen Ziele definieren, Prioritäten setzen und die Kommune entwickeln will, muss schließlich erst einmal wissen, wo er steht. Kronberg weiß das und hat somit eine gute Grundlage für alles, was die Politik in den nächsten Jahren auf den Weg bringen will.

In Sachen Luftqualität herrscht derzeit kein Handlungsbedarf. Die Grenzwerte sind in Kronberg niedrig genug, um sich keine großen Sorgen um das Prädikat „Luftkurort“ machen zu müssen. So steht’s im Bericht – und so würden es sich die Homburger auch wünschen. In der Kurstadt ist es bekanntlich um die Luftreinheit nicht zum Besten bestellt, und das gefährdet den Bad-Status, der 2019 wieder überprüft wird.

Homburg hat also noch zwei Jahre Zeit, die vor allem durch Dieselfahrzeuge, alte Heizungen und Kamine verursachte Luftverschmutzung im Kurgebiet maßgeblich zu reduzieren – zwei Jahre! Das ist eine verdammt kurze Frist, zumal Politik und Verwaltung bislang vor allem zu wissen glauben, welche Maßnahmen nicht umzusetzen sind. Aktueller Stand: Dieselfahrzeuge lassen sich nicht komplett aus der Stadt verbannen, das Befeuern von Kaminen lässt sich nicht verbieten, die Promenade lässt sich nicht sperren (zumindest nicht ohne gravierende Nebenwirkungen). Immerhin wollen sich die Homburger jetzt den Lkw-Durchgangsverkehr vorknöpfen und sich auch mit den alten Heizungen rund um den Kurpark nicht so einfach abfinden. Ob’s reicht? Tatsache ist, dass die Kurstadt gehörig aufs Tempo drücken muss, soll es 2019 kein böses Erwachen geben. Schon jetzt sind mehrere Jahre verstrichen, seit das Problem bekannt ist.

Ein anderes Thema, das diese Woche hochkochte und uns ebenfalls noch einige Zeit beschäftigen wird, hat mit sauberer Energie zu tun, stößt aber deswegen noch lange nicht auf Akzeptanz – schon gar nicht im hochsensiblen Taunus. Der sogenannte Teilplan Erneuerbare Energien, der Teil des Regionalplans ist und aufzeigt, wo im südlichen Hessen Windräder aufgestellt werden dürfen, wurde überarbeitet und beinhaltet nun weitaus mehr Taunus-Flächen.

Vor allem im Usinger Land sind die Bürger alarmiert, nachdem bekannt wurde, dass große Waldgebiete bei Weilrod und Grävenwiesbach als geeignet eingestuft sind. Aber auch von Homburgs OB Alexander Hetjes (CDU), aus Dornholzhausen und aus Ober-Erlenbach gab’s Protest, der sich gegen neue Windräder am Sandplacken, am Taunuskamm (nahe Friedrichsdorf) und im Norden von Karben richtet. Noch sind das nur mögliche Szenarien – die Wahrscheinlichkeit, dass daraus konkrete Projekte werden, hat sich aber merklich erhöht.

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