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Im Demo-Modus: Über die Cheshamer Straße laufen die Protestmarsch-Teilnehmer in Richtung Zentrum. Viele Erwachsene schlossen sich dem Zug an. fotos: jens priedemuth

Klimawandel

Klima-Demo: Schüler fordern Klimanotstand in Friedrichsdorf bei Frankfurt 

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Seit über einem Jahr protestieren Jugendliche weltweit für besseren Klimaschutz. Nun ist die Fridays for Future-Welle zum ersten Mal nach Friedrichsdorf geschwappt. 

  • Zum ersten Mal gab es in Friedrichsdorf bei Frankfurt eine Klima-Demo
  • Fridays for Future-Demonstranten fordern Klimanotstand in Friedrichsdorf
  • Ordnungsamt und Polizei in Friedrichsdorf offenbar keine Demos gewöhnt

Friedrichsdorf - Zwei Zehnjährige, zwei Elfjährige und auch sonst sind viele junge Gesichter in der ersten Reihe zu sehen. Quasi die Speerspitze der Umweltbewegung, denn die Schüler marschieren ganz vorne bei der Demonstration, tragen Banner, auf denen Sprüche wie „Das Klima ist am wandeln, HTK muss handeln“ zu lesen sind. 

Oder es werden Pappschilder Marke Eigenbau mitgeführt. Ein Motiv wiederholt sich: ein durchgestrichenes Auto, daneben ein Fahrrad, zwischen ihnen die Erde. „Am Nord- und Südpol gibt es immer weniger Eis, und der Wasserspiegel steigt“, sagt der zehnjährige Luca. Er habe Angst, dass die Erde in Zukunft nicht nur sprichwörtlich der blaue Planet sei.

Friedrichsdorf bei Frankfurt: Klima-Demo ist Premiere

Es ist eine Momentaufnahme von der Friday-for-Future-Demonstration in Friedrichsdorf. Zum ersten Mal in der Geschichte der Umweltbewegung ist die Hugenottenstadt der Schauplatz einer Kundgebung, die eine aktivere Klimaschutzpolitik fordert. Und es sind erstaunlich viele Menschen, die sich daran beteiligen. Das zeigt sich bereits auf dem Houiller Platz, dem Startpunkt der Demonstration.

Kurz vor 14 Uhr trudeln dort immer mehr Teilnehmer ein. Unter ihnen Paul Dobric aus Neu-Anspach. Der 14-Jährige hat die sogenannte Taunus-Demo-Tour organisiert, die zuvor in Königstein und Neu-Anspach war. Warum jetzt ausgerechnet Friedrichsdorf? „Um zu zeigen, wie wichtig Klimaschutz ist und Präsenz zu zeigen“, formuliert es Paul. 

Herauszuhören ist auch, dass man Druck auf die Politik machen möchte. In Friedrichsdorf gebe es zwar jetzt ein Klimaschutzkonzept wie auch in Neu-Anspach. „Dort wird es aber nicht umgesetzt“, kritisiert Paul und fügt hinzu: „Wir fordern Klimaneutralität bis 2035“, das sei auch die bundesweite Forderung von Fridays for Future (FFF).

Demonstranten in Friedrichsdorf: „Ihr habt kein Recht, einen SUV zu fahren“

Es gehe auch um Basisarbeit, sagt Friederike Schulze, die mit ihren 70 Jahren zu den ältesten Teilnehmern der Demonstration gehört. Sie gehöre seit Jahrzehnten dem BUND an und kenne daher die parlamentarischen Abläufe, sagt die Frau aus Neu-Anspach, wo offenbar besonders viele Klimaaktivisten zu finden sind. 

Die FFF-Demonstrationen sorgen auch dafür, dass das Thema Klimawandel endlich hörbar sei. „Es wird heute darüber gesprochen, die Stimmen werden lauter, auch bei Parteien, die bisher nichts mit Klimaschutz am Hut hatten.“

Friedrichsdorf: Bewohner sind neugierig

Kurz vor 14 Uhr setzt sich der Demonstrationszug in Bewegung. Es dürften an die hundert Teilnehmer sein, die die Cheshamer Straße Richtung Philipp-Reis-Schule hochlaufen. Vorneweg die Polizei mit eingeschaltetem Blaulicht. Viele grüne Fahnen von Fridays for Future flattern im Wind. Trillerpfeifen sind zu hören und Parolen gerufen wie „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut“.

Vereinzelt schauen neugierige Hausbewohner am Streckenrand aus dem Fenster. Und auf der Straße wird auch der eine oder andere auf der linken Fahrspur entgegenkommende Autofahrer mit Sprüchen wie „Es gibt kein Recht, einen SUV zu fahren“ konfrontiert. Das ist aber schon die höchste Stufe der Konfrontation, wenn man es überhaupt so nennen will. 

Klima-Demo in Friedrichsdorf außerhalb der Schulzeit

Es bleibt, um das vorwegzunehmen, ein äußerst friedlicher, ja ausgelassener Protestzug, der wie die Uhrzeit zeigt, außerhalb der Schulzeit stattfindet. Wie schon bei den anderen Kundgebungen im Taunus. Man erreiche so mehr Leute, erzählt Paul. Und ja, es sei auch ein Argument gegen den Vorwurf, dass es den Jugendlichen nur um das Schuleschwänzen ginge.

Nach wenigen Minuten hat die Kundgebung den Kreisel an der PRS erreicht. Von dort aus geht es über die Färberstraße und die Bahngleise in Richtung Zentrum. Auffällig viele Erwachsene marschieren mit. Einer von ihnen ist Georg Kraft, Vorsitzender des Friedrichsdorfer Institut für Nachhaltigkeit.

Klima-Demo in Friedrichsdorf: „Das geht schneller, als wir dachten“

Er sei zum ersten Mal bei einer solchen Demo dabei, sagt Kraft. Wichtig sei es, was die jungen Leute machten, sagt er. „Die sind ja wirklich vom Klimawandel betroffen. Das geht schneller als wir dachten.“

Aus Sorge um die Zukunft marschiere er mit, erzählt Lutz Kunze. „Ich bin Vater und Großvater“, sagt der Köpperner, der in der evangelischen Kirchengemeinde engagiert ist. „Ich mache mir Gedanken darüber, wie es weitergeht“, sagt Kunze.

Ungewohntes Bild: Fahnen und Slogans auf Friedrichsdorfs Straßen.

Friedrichsdorfer Lokalpolitiker sieht man übrigens nur vereinzelt. Immerhin von den Grünen sind ein paar dabei - wie Tanja Martinek und Ingrid Schunk, die ihre Enkelin Emilia im Kinderwagen schiebt. Daran hat sie eine braune Papiertüte hängen mit der Aufschrift "Oma for Future". Nein, keine neue Umweltgruppe, selbst fabriziert, erzählt die Stadtverordnete lachend. Die Demonstration findet sie gut, auch wenn man in der Stadt auf einem guten Weg sei. Schunk und verweist auf das Klimaschutzkonzept der Stadt. "Wir brauchen uns nicht zu verstecken."

Manche sehen hingegen auch in Friedrichsdorf durchaus noch Luft nach oben. Das zeigt sich, als die Demonstration kurz vor halb drei auf dem Landgrafenplatz endet. "Wir brauchen auch in Friedrichsdorf den Klimanotstand", sagt Taunus-Demo-Tour-Macher Paul in seinem Abschluss-Statement. Die Klimakrise setze sich fort. "Wir müssen alles tun, um sie aufzuhalten - wir haben nur diese eine Erde."

Klima-Demo in Friedrichsdorf: Organisatoren zufrieden

Am Ende zeigten sich die Organisatoren der Kundgebung zufrieden mit dem Verlauf in Friedrichsdorf. Allein was die Teilnahme von Philipp-Reis-Schülern betrifft, hätte sich der eine oder andere noch eine bessere Resonanz vorstellen können.

Die Demonstration von Fridays for Future in Friedrichsdorf war bereits die sechste Kundgebung der Klimaschutz-Bewegung im Hochtaunus. In Friedrichsdorf trat die Bewegung zum ersten Mal bei einer Reinigungsaktion am Bahnhof im Januar in Erscheinung. 

Die nächste Klima-Demonstration von Fridays for Future ist am Freitag, 3. April, in Usingen. Es folgt ein globaler Streiktag am 24. April in Bad Homburg. Und im Mai will man in Grävenwiesbach auf die Straße gehen. Die Taunus-Demo-Tour findet monatlich statt.

Polizei und Ordnungsamt gehen seltsam bei Klima-Demo in Friedrichsdorf vor

Demonstrationen sind in Friedrichsdorf nicht an der Tagesordnung. Vielleicht ist das ja der Grund, warum Ordnungsamt und die Polizei bei der Fridays-for-Future-Kundgebung eine gelinde gesagt nur schwer nachvollziehbare Vorgehensweise an den Tag legten. 

Nach den ursprünglichen Plänen der Demo-Organisatoren sollten sich die Teilnehmer am Friedrichsdorfer Bahnhof treffen und dort losmarschieren. Es gab ein Treffen mit den Behörden, diese verlegten dann den Startpunkt zum Houiller Platz. Dies mit dem Hinweis darauf, dass es sich beim Bahnhof um Privatgelände handle und wegen der Taxis nicht für die Sicherheit der Demonstranten garantiert werden könne. Bei den "Fridays" war man davon wenig angetan. 

ks

Auch in Frankfurt wird regelmäßig für den Klimaschutz demonstriert. Erst im Januar protestierten junge Menschen gegen Siemens.

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