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Viel zu warm und zu trocken in der Region – „Grund ist der Klimawandel“

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Von: Matthias Pieren

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Der viel zu trockene Sommer von seiner malerischen Seite: Ende Juni legt sich das milde Abendlicht der untergehenden Sonne über den Taunus, im Hintergrund liegt Wehrheim vor dem Feldberg.
Der viel zu trockene Sommer von seiner malerischen Seite: Ende Juni legt sich das milde Abendlicht der untergehenden Sonne über den Taunus, im Hintergrund liegt Wehrheim vor dem Feldberg. © map

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) zieht die Halbjahresbilanz zum Wetter in Deutschland und stellt fest: Im Taunus gibt es immer mehr Wetter-Extreme.

Hochtaunus – Jahr für Jahr steigen die Durchschnittstemperaturen in Deutschland und gleichzeitig gehen die Niederschlagsmengen zurück. Dieser Trend setzt sich auch in den ersten sechs Monaten im Taunus fort. "Das erste Halbjahr fiel im Hochtaunuskreis erneut wärmer aus als der langjährige Durchschnitt und reiht sich somit ein in die vielen zu warmen Jahre seit den 2000ern", lautet das Fazit von Ortrun Roll vom Regionalen Klimabüro des Deutschen Wetterdienstes. "Grund ist der Klimawandel."

Das größte Problem, mit dem man sich wie überall in Deutschland auch im Taunus auseinandersetzen müsse, sei die andauernde Trockenheit. Nach Angaben der Diplom-Meteorologin wurden im Hochtaunuskreis von Januar bis Juni lediglich 80 Prozent der langjährigen und durchschnittlichen Niederschlagsmengen erreicht. "Lange Abschnitte im Frühjahr und der Frühsommer waren extrem trocken, allen voran der März und der Mai."

Klima im Taunus verändert sich: Äußerst milder und regenreicher Winter

Doch wie fällt die Jahresbilanz im Detail aus? Das sprichwörtliche Bild "Das ist doch Schnee von gestern!", ist für die Monate Januar und Februar freilich im doppelten Sinne zutreffend. "Es war ein äußerst milder und zugleich niederschlagsreicher Winter - dennoch mit viel Sonnenschein", fasst Roll zusammen. "Unsere Wetterstation auf dem Kleinen Feldberg hat im Januar 109 Millimeter Niederschlag verzeichnet.

Der Mittelwert der Jahre 1961 bis 1990 liegt im Januar bei 83,6 Millimeter." Im Februar waren es 82,5 Millimeter und damit über 20 Prozent mehr als das langjährige Mittel. Am 9. Januar wurde dort oben mit 36 Zentimetern die höchste Schneedecke in diesem Winter gemessen. Insgesamt hat es im ersten Halbjahr in den Höhenlagen der Feldbergregion an 39 Tagen geschneit. Mit 27 Tagen war der Kleine Feldberg fast den ganzen Februar schneebedeckt. Am 9. April lagen immer noch 11 Zentimeter Schnee. Obwohl die beiden ersten Monate des Jahres feuchter waren als das langjährige Mittel.

Bereits im März begann die bis heute andauernde Trockenperiode. "Im März schien die Sonne an insgesamt 236 Stunden, und es war damit der sonnigste März auf dem Kleinen Feldberg seit Aufzeichnungsbeginn", bilanziert Meteorologin Roll.

Veränderndes Klima im Taunus: So oft hat es im Kreis geregnet

Im langjährigen Mittel scheint die Sonne im März nur 105 Stunden. Überhaupt war das komplette erste Halbjahr mit 1015 Sonnenstunden um 38 Prozent sonnenscheinreicher als der langjährige Durchschnitt (734 Stunden). Zwar gestaltete sich die erste Aprilhälfte in diesem Jahr wechselhafter und die zweite verlief ausgeglichener. Dennoch sei auch der April wärmer als der Durchschnitt gewesen.

Extremes Klima im Taunus: Bereits Mitte Juni setzte ungewöhnliche Hitzeperiode ein

Im Laufe des weiteren Halbjahres entstand dann nicht zu Unrecht der Eindruck, dass es ziemlich warm, vor allem aber zu trocken und sehr sonnenscheinreich war - im Mai begann diese extreme Wetterlage: "Auf dem Kleinen Feldberg haben wir im Mai mit 31 Millimeter Niederschlägen gerade einmal ein Drittel der durchschnittlichen Niederschläge von 87 Millimeter verzeichnet", so Roll vom DWD. "Fast die Hälfte der Mai-Niederschläge fiel allein am 20. Mai." Mitte Juni setzte selbst hoch oben im Taunus vergleichsweise früh im Jahr eine erste ungewöhnliche Hitzeperiode ein. Selbst auf dem Kleinen Feldberg kletterten die Temperaturen am 18. Juni auf 29,7 Grad. Mit einer Durchschnittstemperatur von 15,8 Grad war der Juni 2022 deutlich wärmer als Vergleichsmonate in den Jahren 1961 bis 1990. Das vieljährige Mittel für den Monat Juni liegt bei 12 Grad.

Die Wetterstation auf dem Kleinen Feldberg habe nach Angaben des DWD aufgrund seiner exponierten Lage auf einer Höhe von 805 Metern gewiss eine Sonderstellung und sei somit - zumindest, was die Temperaturen und den Wind betrifft - nicht repräsentativ für den gesamten Hochtaunuskreis.

Klima im Taunus: Niederschlagswerte vergleichen die Experten mit Werten der Jahre 1961 bis 1990

Weil der Taunushauptkamm den Landkreis geografisch in zwei Hälften teilt und bekanntlich nicht selten auch eine Art Wetterscheide darstellt, hat der Deutsche Wetterdienst exklusiv für diese Zeitung auch für Bad Homburg und Weilrod Niederschlagsstatistiken erstellt

Die Statistik gibt die Niederschlagsmengen an den Messstationen des Deutschen Wetterdienstes in Bad Homburg und Niederlauken (Weilrod) wieder. Diesen Werten stellen die Meteorologen einen Durchschnittswert des entsprechenden Monats der Jahre 1961 bis 1990 gegenüber, um eine Vergleichsgröße zu haben und eine Entwicklung darzustellen.

Im Juni war es in ganz Hessen besonders heiß: Die Temperaturen kletterten weit über 30 Grad – der Deutsche Wetterdienst sprach sogar eine Hitzewarnung aus.

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