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So idyllisch und entspannt ging es in den Anfangsjahren im Königsteiner Kreisel zu.

Stadtentwicklung

In Königsstein feiert der Kurstadt-Kreisel 60. Geburtstag

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Tausenden Pendlern ist er vermutlich vertrauter als die Königsteiner Burg. Und auch nach Jahren tun sich viele Wagenlenker schwer mit dem Ein- und Ausfahren. Diskussionsstoff bietet er zudem reichlich. Die Rede ist – natürlich – vom Königsteiner Kreisel. Vor 60 Jahren wurde der für den Verkehr freigeben. Damals als Segen gefeiert, dürfte ihn heute so mancher Staugeplagte verfluchen.

Was für eine Idylle: Im Vordergrund dreht ein VW-Käfer seine Runde, der Springbrunnen auf der großen Insel plätschert munter vor sich hin, während im Hintergrund ein Möbelwagen zügig in die Wiesbadener Straße abfährt. Kaum zu glauben, aber wahr – so entspannt ging es vor 60 Jahren im Königsteiner Kreisel zu. Es waren die Zeiten, in denen die Autos noch rar und im Rondell dementsprechend noch Platz war.

Ende 1958 für den Verkehr freigegeben, hat sich der Kreisel zu seinem runden Geburtstag durchaus eine Würdigung verdient. Heute ein staugeplagtes Sorgenkind, wurde der Kreisel schließlich bei seiner Geburt als technisches Wunderwerk gefeiert, das zur lange erhofften Verkehrsentlastung der Stadt beitragen sollte. Denn diesen Wunsch hegten die Königsteiner schon länger.

Bereits zu Beginn des letzten Jahrhunderts diskutierte man über den Bau einer Ortsumgehung. 1923 lagen sogar schon die ersten Pläne zur Entlastung der Innenstadt vor. Es sollte aber noch Jahrzehnte dauern, bis man am sogenannten Kronberger Stock daran ging und Nägel mit Köpfen machte.

Gefährliche Müllkippe

Lokalhistoriker Rudolf Krönke kann sich noch gut daran erinnern, wie das Gelände aussah, bevor die Bagger anrollten. Er kennt den „Stock“ noch „kreiselfrei“. „In der Zeit der Besatzung haben die Amerikaner dort ihren Müll abgeladen. Als Kinder sind wir hinter den Wagen her gerannt und haben den Müll durchsucht.“ Dabei hatten Krönke und seine Kameraden nach eigenen Angaben manchmal „mehr Glück als Verstand“. „Es gab keine Spielsachen, und wir haben alles gesucht, was sich dafür geeignet hat.“ Doch im „Müll“ befanden sich auch Munition und Panzerfäuste. „Einer meiner Kameraden hat sich an einer Handgranate schwer verletzt. Er kann froh sein, dass er mit dem Leben davongekommen ist.“

Der Kronberger Stock, als er noch kreiselfrei war.

Es dauerte bis 1950, bis die Stadtverordnetenversammlung „dem Bau einer neu anzulegenden Straße“ zustimmte. Stadtarchivarin Beate Großmann-Hofmann recherchierte in Vorbereitung auf eine Ausstellung lange zum Thema Kreisel. „1953 wurde nach den Unterlagen neu über dieses Vorhaben diskutiert.“ Wer per Fahrzeug in die Limburger Straße wollte, musste über die Frankfurter Straße, die Adelheidstraße und die Klosterstraße fahren, um an sein Ziel zu gelangen.

Gegen Motorrad-Lärm

Über einen Kreisel sollte der Verkehr durch den Rothschild-Besitz, über die Adelheidstraße und durch den Wiesengrund geführt werden, um ihn bei der Altkönigstraße in die Limburger Straße münden zu lassen. Die Königsteiner Bevölkerung wünschte sich damals schon eine Entlastung vom Verkehrslärm, der in jenen Jahren vor allem durch Motorräder hervorgerufen wurde.

Doch es gab damals bereits erklärte Gegner des Projekts. Die waren der Meinung, dass nicht nur die Anlieger, sondern auch das heimische Gewerbe durch „diese Planung geschädigt würden und Königstein als Fremdenverkehrsort an Bedeutung verlieren“ könne.

Die Anlage des Kreisels war dann der erste Schritt zum Bau einer Entlastungsstraße. Im Sommer 1957 lagen dem Bundesverkehrsministerium in Bonn die umfangreichen Pläne für den Bau des Rondells am Kronberger Stock vor. Das Projekt wurde in das Straßenbauprogramm 1958 aufgenommen. Am 27. November 1957 begannen die Vermessungsarbeiten.

Den Brunnen zahlte die Stadt aus eigener Tasche.

Die Anlage des Kreisels galt als erster Bauabschnitt der künftigen Entlastungsstraße. Mit deren Hilfe sollte der Stadtkern umgangen und eine Verbindung vom Kronberger Stock zur Bundesstraße 8, Ecke Altkönigstraße, geschaffen werden.

Die Straße sollte vom Kronberger Stock durch das damals noch Rothschildsche Gelände (zwischen der heutigen Sonnenhofstraße und der Le-Cannet-Rocheville-Straße) führen. Die Mittel waren im Bundeshaushalt für 1958 enthalten, die Dauer der Arbeiten wurde mit vier Monaten angegeben.

Nur vier Ausfahrten

In ihrer Sitzung vom 18. April 1958 bewilligten die Königsteiner Stadtverordneten Mittel in Höhe von 37 000 DM für die erforderlichen Bewässerungsmaßnahmen und stimmten der kostenlosen Abgabe von 1070 Quadratmetern städtischen Geländes zu. Am 18. September 1958 war dann bereits der erste Bauabschnitt fertig und wurde für den Verkehr freigegeben. Bis Ende des Jahres folgte der Rest. Allerdings hatte der Kreisel in seiner Ur-Form nur vier Ausfahrten. Die fünfte kam erst mit dem Bau der Entlastungsstraße, der heutigen Le-Cannet-Rocheville-Straße, hinzu.

Im April 1959 wurden zudem Pläne für die großzügige Bepflanzung des Kreisels veröffentlicht. Die Stadt hatte geplant, das Straßenbauamt sollte zahlen. Es hieß gleichzeitig, dass die Landesstraßenbauverwaltung die „umstritten gewesene Genehmigung für die Erstellung eines Springbrunnens auf der Verkehrsinsel“ erteilt habe. Die Kosten für den großen Wasserspender trug die Stadt. 60 Jahre später verbindet sicher jeder seine ganz eigenen Erfahrungen und Erinnerungen mit dem Königsteiner Kreisel. Stadtverordnetenvorsteher Alexander Freiherr von Bethmann (FDP) zum Beispiel kennt die Kurstadt gar nicht ohne Kreisel . Für ihn war der Kreisel immer ein „neuralgischer Punkt“ auf der Fahrt von seiner damaligen Heimat Düsseldorf zu einem Besuch bei seiner Tante in Kronberg. „Für mich war mit dem Kreisel auf der Hinfahrt immer die Botschaft verbunden ,jetzt ist es nicht mehr weit‘, und auf dem Rückweg begann für mich mit der Ausfahrt aus dem Kreisel die eigentliche Heimreise.“

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