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In das Kurbad wurde zu wenig investiert. Das macht sich jetzt bemerkbar. Denn es muss dringend saniert werden. 

Investition nötig 

Die Zeit drängt - das Kurbad Königstein muss dringend saniert werden

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In das Kurbad Königstein wurde zu wenig investiert. Das macht sich jetzt bemerkbar. Denn es muss dringend saniert werden. 

Königstein - Man müsse ihn schon mögen - diesen "Schrei in der Landschaft", konstatiert Stefan Bouillon mit Blick auf das Kurbad. Hat der neue Leiter des Königsteiner Baureferats damit für sich bereits den Daumen für das sanierungsbedürftige Bad gesenkt?

Nein, ganz im Gegenteil. Bouillon mag das Kurbad nicht nur, er kennt es auch aus der Warte des Badegastes. Allerdings liegen seine Besuche schon eine ganze Weile zurück. "Meine Frau und ich waren hier alle zwei, drei Wochen mal drin - aber das ist schon Jahrzehnte her", unterstreicht der Architekt lachend.

Dass ihm das Lachen auch nach einem mehrstündigen Rundgang durch das Bad mit Kur-Geschäftsführer Thomas Rausch noch nicht vergangen ist, spricht für das Bad. Bouillon: "Das Haus hat mich schon begeistert. Auch von innen macht es noch einiges her".

Seine erste Bestandsaufnahme fällt aber dennoch merklich ernster aus, als es sich Kurbad-Fans wohl gewünscht hätten. "Positiv formuliert könnte man sagen, dass die vielen Jahre zwischen meinem letzten Besuch als Badegast und meinem ersten als Mitarbeiter der Stadt wie im Fluge vergangen sind. Alles war wie früher - aber das ist auch ein großer Teil des Problems", unterstreicht Bouillon.

 Dass in Zeiten knapper Kassen zu lange zu wenig in die Modernisierung des Bades investiert worden sei, sei einerseits nachzuvollziehen, zumal es seit vielen Jahren nicht mehr mit ein paar Eimern Farbe oder ein paar neuen Fliesen getan gewesen sei.

Tiefe Eingriffe in das Haus seien aus energetischen oder brandsicherheitstechnischen Gründen schon lange erforderlich gewesen, und hier habe sich der Stand der Technik auch weiterentwickelt. Andererseits erhöhe es jetzt den Aufwand erheblich, wenn man das Bad sanieren wolle. Bouillon: "Da ist mehr im Argen als man vordergründig sieht - auch beim Beton. Das geht schon an die Substanz." Er wolle gar nicht wissen, was das Bad energetisch verbrauche. Das werde er sich in nächster Zeit anschauen. Generell, so sein Eindruck, sei das Bad an vielen Stellen angekratzt und wirke aus heutiger Sicht dunkel und unfreundlich.

Königsteiner Kurbad hält noch maximal zehn Jahre

Das sei nach über 40 Jahren im Betrieb völlig normal und kein Vorwurf. Im Gegenteil. Er könne, so Bouillon, den Kollegen bei der Kur nur ein Kompliment dafür machen, wie sie das Bad über so lange Zeit am Laufen gehalten hätten.

Das dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Ganze aus seiner Sicht vielleicht noch fünf oder zehn Jahre halten werde. "Dann aber ist das komplett durch", unterstreicht der neue Leiter des Baureferats und ergänzt: "Das ist nicht meine persönliche Meinung, dass sind anerkannte, statistische Werte zur Nutzungsdauer von Bauteilen, die wir auch in Bayreuth bei der Sanierung der Stadthalle zugrunde gelegt haben."

Für Technik und Lüftung könne man mit 12 bis 20 Jahren kalkulieren, Heizkörper würden mit 30 bis 40 Jahren angesetzt sowie Rohre und Trinkwasserleitungen mit 50 Jahren.

Königsteiner Kurbad: Wird es von der Stadt saniert?

Möglichst bald müsse sich die Stadt entscheiden, was passieren solle. Bouillon: "Wir brauchen eine klare Antwort auf die Grundsatzfrage: Wollen wir das Bad - oder nicht?" Wenn man ihn nach seiner persönlichen Meinung fragen würde, so würde er mit Überzeugung "Ja" sagen. Aber letztlich sei nicht er gefragt, sondern die Politik.

Dass die ihre Entscheidung nicht zuletzt von den Kosten der Sanierung abhängig macht, kann der Architekt gut verstehen. Allein, valide Zahlen könne er auf der Basis dessen, was ihm bislang an Informationen vorliege, nicht nennen.

"Ich weiß, dass hier bislang von zehn bis zwölf Millionen Euro gesprochen wurde. Gefühlt würde ich eher eine 2 anstelle einer 1 davor setzen. Aber das ist alles Kaffeesatzleserei", stellt Bouillon klar. Wenn die Grundsatzentscheidung stehe, das Bad zu erhalten, dann "brauchen wir einen Architekten mit Gespür sowie einen hervorragenden Fachplaner für regenerative Energie".

Kurbad: Architektenwettbewerb in Königsstein veranstalten

Dass der Architekt sich mit dem Bau und der Sanierung von Bädern auskennen müsse, sei klar. Aber es sei auf keinen Fall zwingend, dasselbe Büro damit zu beauftragen, das bereits beim Bau eingebunden war, betont der Fachbereichsleiter. Er schlägt stattdessen einen Architektenwettbewerb mit Mehrfachbeauftragung im Sinne der Vergabeverordnung (VgV) vor. Bouillon: "Wir sollten uns für die beste Idee entscheiden, und das Ganze dann richtig durchplanen." Denn daran hapere es bislang, so sein Eindruck. Zwar sei bereits einiges überlegt und geplant worden - "aber in unterschiedliche Richtungen".

Eine Beauftragung nach VgV hält Bouillon auch deshalb für dringend geboten, um Fördermittel zu beantragen. "Wenn die Planung so weit ist, sollte Bürgermeister Helm damit nach Wiesbaden gehen und sagen: Damit könnt Ihr uns doch nicht alleine lassen", betont Bouillon - und das nicht etwa mit einem Schmunzeln, sondern mit dem Brustton der Überzeugung, wohlwissend, dass das Land etwas mehr als eine Million Unterstützung versprochen habe.

"In Bayreuth haben wir für die Sanierung der Stadthalle 40 Millionen vom Land bekommen, für die Neugestaltung des Richard-Wagner-Museums 14 Millionen. Da muss doch auch was bei uns gehen. "

Zwar wisse er, dass die Fördermöglichkeiten in Bayern besser seien als in Hessen. Dennoch wolle er nichts unversucht lassen. "Wenn da keine Unterstützung vom Land kommt müssen wir nach Berlin oder wenn nötig bis zur EU gehen. Wir reden hier - wie bei der Burg - von einem Kulturerbe, dessen Erhalt man nicht allein den Königsteinern überlassen kann."

Was den zu erwartenden Zeithorizont angeht, rechnet Bouillon für die Planung im besten Fall mit zwei, drei Jahren, vielleicht aber auch vier. "Dann allerdings sind wir auch auf einem Stand, an dem wir sagen können, jetzt können wir die Baumaßnahmen zügig und schnell durchziehen."

Von Stefan Jung 

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