Mehr Platz haben die jungen Uhus nach dem überraschenden "Abgang" ihres Geschwister-Kükens jetzt schon in der Nische. Aber auch sie werden wohl bald das Nest verlassen, um per pedes den Innenhof der Burg zu erkunden. Fotos: Screenshots/Material der Stadt Königstein

Feuerwehr greift nicht ein

Uhu-Baby fällt aus dem Nest - Familiendrama nimmt seinen Lauf

ARD, ZDF, RTL, Netflix oder Amazon Prime haben derzeit bei einigen Königsteinern Sendepause. Wohlwissend, dass die spannendsten Drehbücher das Leben schreibt, schalten die lieber beim Königsteiner Uhu-TV ein. Und hier wurden Stamm-Zuschauer und Gelegenheits-Zapper am Freitagabend Zeugen eines Familiendramas mit wohl glücklichem Ausgang.

Königstein - Mit Geschwistern ist das bekanntlich so eine Sache. Das weiß jeder, der nicht als Einzelkind aufgewachsen ist. Mal gibt es nichts Schöneres, als einen großen Bruder oder eine kleine Schwester zu haben. Und mal würde man den Blutsverwandten am liebsten aus dem Elternhaus rauswerfen und die Tür dahinter vernageln.

Vor allem, wenn man sich das viel zu kleine Kinderzimmer wie das Essen mit den Geschwistern teilen und man irgendwie auch noch gemeinsam durch die Pubertät kommen muss. Da kann es ganz schnell vorbei sein mit dem häuslichen Frieden. Und das gilt offensichtlich nicht nur für die Menschen, sondern auch für die Uhu-Familie mit drei Jungen, die sich in einer Mauernische im Königsteiner Burghof eingenistet hat (wir berichteten).

So lange die drei Küken putzig waren, war ausreichend Platz für das Trio samt der Frau Mama. Zuletzt aber, da sich die süßen Kleinen im Akkordtempo zu propperen Puber-Tierenden herangefressen haben, wurde es in der Nische doch zusehends eng. Das konnte jeder beobachten, der sich in den vergangenen Tagen via Youtube ins Uhu-TV der Stadt reingezappt hatte. Das war ein Drängeln und Flattern, ein Drücken und Schieben unter den Geschwistern - vor allem dann, wenn Mutter Uhu mal wieder mit Beute im Anflug war, um die durchgehend hungrigen Mäuler, pardon Schnäbel, ihres Nachwuchses zu stopfen.

Und dabei ist es am Freitagabend dann auch passiert - zur besten Sendezeit, wie einst bei einem Durbridge-Krimi. Beim Zerren und Ziehen um das beste Stück einer Amsel, die die Mama serviert hatte, plumpste eines der Uhu-Kinder aus der Nische hinab in den Burghof.

War es ein Unfall oder gar ein Fall von Bruderhass biblischen Ausmaßes? Vor allem war es erst einmal ein Familiendrama, das - wenn man die Sozialen Medien zurate zieht - offensichtlich sogar von den Sitzen riss und zum Hörer greifen ließ: 110, 112 - Uhu in Not!

Uhu in Königstein: Keine Panik

Bei Polizei und Feuerwehr jedoch verhallte der Alarmruf. Man sollte doch der Natur ihren Lauf lassen, sei die Auskunft gewesen, war bei Facebook nachzulesen. Unterlassene Hilfeleistung, Behördenwillkür, ein Skandal?

Nein, wohl eher die richtige Vorgehensweise. Nachdem schon andere Facebook-User die schlimmsten Befürchtungen sachlich ausräumen konnten, gab auch die Stadt am Samstag in einer Stellungnahme Entwarnung. "Das Wichtigste zuerst: Es geht ihm gut und es besteht zurzeit kein Grund zur Sorge", heißt es da mit Blick auf das aus dem Nest gefallene Jungtier.

Auch zahlreiche Rathaus-Kollegen - darunter Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) und Umwelt-Beauftragte Birte Sterf - seien via Uhu-TV Zeuge des "Absturzes" gewesen. Michael Schleicher, in der Verwaltung zuständig für die EDV und der Mann, der per Mouseclick die Position der Webcam verändern könne, habe daraufhin sofort mit der Kamera den Boden "abgescannt" und den Unglücks-Uhu schließlich "wohlbehalten" in einem Gebüsch versteckt entdeckt.

Wie es der Zufall wollte, so heißt es in der Stellungnahme weiter, habe auch ein Uhu-Fachmann von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz das nächtliche Unglück live beobachtet und Entwarnung gegeben.

Uhu-Baby fällt aus dem Nest: "Fast nach Plan"

Die Stadt zitiert ihn wie folgt: "Das Junge ist unverletzt und wird nun auf dem Boden von den Altvögeln weiter gefüttert, das Wetter ist gut und es verläuft alles fast nach Plan." In den nächsten Tagen wäre es ohnehin an der Zeit gewesen, dass die Jungtiere zaghaft flatternd das Nest verlassen, den Boden erkunden und von den Eltern dann im neuen Lebensraum weiter gefüttert werden.

Denn richtig flugfähig und damit in der Lage, sich selbst versorgen zu können, sind die drei noch nicht. Das dauere noch ein paar Monate. Deshalb sei der Innenhof auch so abgeriegelt, dass der Uhu-Nachwuchs nirgends durchkomme, aber auch selbst weitgehend unbehelligt bleibe.

Die Stadt, so die weitere Auskunft, werde das Jungtier auf dem Boden weiter beobachten. Am Samstag ging man davon aus, das alles seinen normalen Gang nehmen werde. Beim "Kameraflug" über den Innenhof war das Junge auch zu sehen. Gestern Vormittag war der kleine Uhu zwar noch nicht auszumachen. Ein Grund zur Sorge war das aber noch nicht. Der Innenhof ist groß und verwinkelt.

Blick zum Nachbarn

Während man in Königstein ganz gespannt die Burg-Uhus beobachtet, ist man da bei den Nachbarn in Bad Soden schon deutlich entspannter. Seit 2014 brütet dort auf dem höchsten Turm des Hundertwasserhauses ein Uhupaar (die Mutter hat man Emma getauft) und zieht seitdem jedes Jahr Junge groß. So auch in diesem Frühjahr. Hier sind es wie in Königstein ebenfalls drei Jungtiere, die als "Ästlinge" mittlerweile ihr Nest verlassen haben. Auf der Homepage der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V. heißt es dazu, dass es immer "wieder Probleme mit den jungen Rabauken (gebe), wenn sie flügge werden".

red

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