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Führungsarbeit: Der Königsteiner Triathlet Henry Graf (links) in Banyoles bei der Qualifikation für Jugend-Olympia.

Triathlon

16-jähriger Königsteiner startet in Buenos Aires bei Jugend-Olympia

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Papa Oliver Graf war Deutscher Meister, Mama Sabine Büscher Europameisterin. Auf ihren 16-jährigen Sohn Henry sind die beiden mächtig stolz – und auch ein wenig neidisch.

Wahrscheinlich sollte es einfach so sein. Auf die Woche genau 25 Jahre war es her, dass Mama Sabine in Luxemburg Europameisterin auf der Triathlon-Kurzstrecke wurde. Da konnte sich Sohnemann Henry doch nicht lumpen lassen. Ein Foto von ihrer Medaille hatte seine Mutter noch herausgekramt und ihm nach Spanien aufs Handy geschickt. Der letzte Motivationsschub für Henry Graf, der in Banyoles eine Topleistung abrief. Er schwamm, fuhr und lief beim europäischen Qualifikationswettkampf für die Triathleten der Jahrgänge 2001 und 2002 auf Platz neun.

Nach 750 Metern im Estany de Banyoles, 20 Kilometern auf dem Rad und fünf Kilometern zu Fuß hatte der junge Königsteiner ein Vierteljahrhundert nach dem Triumph seiner Mutter Sabine Büscher ebenfalls seinen bis dato größten Erfolg gefeiert. Und Mama sogar übertroffen, wenn man so will. Weil er es unter die ersten zwölf Europäer schaffte und gleichzeitig bester deutscher Nachwuchstriathlet war, wird er sein Heimatland bei den Olympischen Jugend-Spielen in Buenos Aires vertreten. „Das hat er mir voraus“, schmunzelt Mama Sabine.

Ihr Sohn ist mit 1,92 Meter für einen Triathleten groß gewachsen, und hat in diese 1,92 Meter viel Power, aber auch viel Coolness gepackt. Denn der 16-Jährige sonnt sich im Gespräch weder in seinem Erfolg, als seine Mutter auf die fünf Ringe eingeht, noch wird er verlegen. Er sagt eher solche Sätze wie: „Ich habe auch Glück gehabt“ und „es war überraschend, dass ich es geschafft habe“.

Die Überraschung bezieht der Oberstufenschüler des Taunusgymnasiums auf den Deutschland-Cup in Forst (bei Bruchsal). Das ist ebenfalls ein Kurzstrecken-Triathlon, bei dem Henry Graf im Juli quasi seinen Durchbruch unter den Mehrkämpfern der Ausdauersportler feierte. Bis vor zweieinhalb Jahren hatte er Triathlon trotz der Vorgeschichte seiner Eltern – Vater Oliver Graf war 1991 Deutscher Meister über die olympische Distanz und ist heute immer noch in der Altersklasse aktiv – noch gar nicht wirklich betrieben.

Zwar sei ihr Sohn schon als vierjähriger Junge auf dem Puky-Rad beim Königsteiner Kindertriathlon den Berg hochgedüst, wie seine Mutter erzählt, jedoch war das Schwimmen beim Hofheimer SC und Handballspielen bei TuS Steinbach eher sein Ding. Irgendwann sei’s dann zu viel geworden, erzählt Henry Graf, also habe er sich aufs Schwimmen konzentriert („Nichts Überragendes“) und es mit seiner Spezialdisziplin 200 Meter Rücken bis zu den Süddeutschen Meisterschaften geschafft.

Weil sich die wöchentliche Einstimmung auf die Konfirmation aber mit dem Schwimmtraining überschnitt, fragte ihn seine ältere Schwester Emma, ob er denn nicht mal mit ihr zur Laufgruppe des MTV Kronberg kommen wolle. Und schon fehlte nur noch das Radfahren als Disziplin. . .

Auf dem Fahrrad sitzt Henry jetzt meistens am Wochenende und trainiert gemeinsam mit seinem Vater. Ins Kronberger Lauftraining mit Coach Martin Lütge-Varney kann ihn inzwischen Emma (18) schon im Auto mitnehmen. Wie sie hat er sich auch dem Königsteiner LV angeschlossen, für den seine Schwester über 3000 Meter Vierte bei den deutschen Jugendmeisterschaften wurde. Geschwommen wird weiterhin beim Hofheimer SC, für den inzwischen auch schon die jüngere Schwester Helen (8) ins Wasser geht. Sport bringe so viel Gutes mit sich in Zeiten, in denen Bolzplätze verschwunden seien und die Kinder nach der Schule kaum mehr raus kämen, sagt Sabine Büscher. Genauso wie sie es sagt, meint sie es auch und ist froh über gut aufgestellte Vereine wie den MTV oder KLV oder HSC im nahen Umkreis. Denn dass ihre Kinder, wie einst sie selbst, als Sportler etwas erreichen wollen, ist das eine. Mit den passenden Rahmenbedingungen können sie das aber erst.

Zurück zum Durchbruch ihres Sohnes als Triathlet, zurück zum Deutschland-Cup, zur „Überraschung“, wie er sagt. Der Königsteiner gehört dem jüngeren Jahrgang der A-Jugend an und besucht kein Sportinternat. Platz zwei war angesichts der leistungsorientierten Konkurrenz also tatsächlich nicht unbedingt zu erwarten. Da sich die Top 3 für Banyoles qualifizierten, waren die Olympischen Jugend-Spiele nah. Und ja, Fortune benötigte Henry Graf auch, um das Ticket letztlich zu lösen. Das Pech seines Teamkameraden Jeremias Siehr war sein Glück. Der Potsdamer – eine Woche zuvor in Grimma Deutscher Meister, Graf hatte Bronze geholt – stürzte mit dem Rad und konnte auf der Laufstrecke am Ende nicht mehr zulegen. Im Gegensatz zu Graf, der auf der letzten Runde über 2,5 Kilometer noch mehrere Konkurrenten überholte. Es war Glück und Können also.

Für Buenos Aires hat sich Henry Graf nun vorgenommen, in die Top 15, „am besten in die Top 10“ zu laufen. Am 8. Oktober werden er und seine Familie mehr wissen. Die ist nämlich bei den Jugend-Spielen dabei, die idealerweise in den hessischen Herbstferien liegen. So kommt Sabine Büscher, einst Achte des Ironman auf Hawaii, also doch noch in den Genuss von Olympia. Als sie als Triathletin spitze war, gehörte die Sportart noch gar nicht zum olympischen Programm.

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