Binnen eines Tages wurde die neue Rutsche am Beckenrand platziert. Am gestrigen Donnerstag sollte sie eingerutscht werden.
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Binnen eines Tages wurde die neue Rutsche am Beckenrand platziert. Am gestrigen Donnerstag sollte sie eingerutscht werden.

Urlaub zu Hause

Abkühlung in einem Rutsch: Königsteiner Freibad setzt auf Schichtbetrieb

  • vonEsther Fuchs
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Verantwortliche und Gäste ziehen positive Zwischenbilanz des Badens im Corona-Sommer

Königstein -Hans-Joachim Tretschok ist zufrieden und auch ein gutes Stück erleichtert. Seine Badegäste arrangieren sich im Corona-Sommer mit den notwendigen Hygienevorschriften. "Beschwerden? Nein, überhaupt nicht. Die Badegäste sind froh, dass das Bad geöffnet ist und verhalten sich vorbildlich", unterstreicht der Schwimmmeister im Königsteiner Freibad.

Die positive Zwischenbilanz des Bademeisters freut auch Sportdezernent und Ersten Stadtrat Jörg Pöschl. Anfang Juni hatten Pöschl, Markus Kempf und Saskia Sassen vom Immobilienmanagement der Stadt sowie Michael Schleicher und Timo Deutscher vom EDV-Team die Initiative ergriffen und ein Konzept erarbeitet, mit dessen Hilfe das Freibad doch noch geöffnet werden konnte. "Wir wollten den Menschen nach der für alle belastenden Corona-Zwangspause eine Abwechslung bei der Freizeitgestaltung bieten", so Pöschl im Gespräch.

"Dieses Konzept ist meines Erachtens aufgegangen", lobt Hans-Joachim Tretschok. Er ergänzt: "Die Besucher halten sich an den Schichtbetrieb. Es gibt kein Murren. Der Ausruf über die Lautsprecher, das Wasser zu verlassen und sich umzuziehen, ist eigentlich überflüssig. Die Leute wissen, dass sie an die Schichten gebunden sind", so der Schwimmmeister.

Alle drei Schichten, morgens von acht bis elf, mittags von 12 bis 15 und abends von 16 bis 19 Uhr, hätten sich bewährt. Regelschwimmer lobten die Ruhe am Vormittag und in den Abendstunden. Gerade abends wurde das Bad früher an heißen Tagen noch einmal richtig voll. Schwimmen konnte man dann nur noch erschwert.

Maximal 250 Gäste bekommen dieses Jahr Einlass pro Schicht. Doch das bedeute nicht, dass man nicht flexibel sei, so Hans-Joachim Tretschok. "Wenn Sie spontan ins Freibad gehen wollen, können sie auch kurzfristig online buchen. Selbst wenn sie hier vorne vor dem Eingangstor stehen."

Online-Buchung wird angenommen

Das zum Corona-Saisonstart eingeführte Onlinebuchungssystem werde erfolgreich genutzt. Das stimmt Stadtrat Pöschl zuversichtlich. Nur so ließen sich die Besucherzahlen regulieren, erklärt Pöschl den Sinn hinter der Buchung per Internet. "Wer damit nicht zurechtkommt, kann sich in der Kur- und Stadtinformation helfen lassen oder dort Freibadkarten kaufen. Unsere Erfahrungen der letzten Wochen haben allerdings gezeigt, dass dort zumindest bisher wenig Karten nachgefragt wurden", informiert der Erste Stadtrat.

Schwimmmeister Tretschok kennt die Buchungsgepflogenheiten der Badegäste. "Man kann überhaupt nicht sagen, dass nur Jugendliche online Tickets kaufen. Ich kenne auch über Achtzigjährige, die das Buchungsportal nutzen." Er kann sich vorstellen, dass man die Onlinebuchungen auch nach Corona als ergänzende Möglichkeit beibehält. Eine preisliche Staffelung in Kinder- und Erwachsenenkarten oder das Angebot von Zehner- und Jahreskarten fällt in diesem Jahr aus organisatorischen Gründen aus. Die Badegäste mokierten sich nicht über den einheitlichen Eintrittspreis von 3,50 Euro, so Tretschoks Erfahrung.

Die Menschen zeigten Verständnis. Obschon das Badevergnügen zeitlich beschränkt sei, sei der Tenor durchweg positiv. Nicht nur alteingesessene Königsteiner entspannten im historischen Freibad.

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Städtischer Zuschuss wohl verdoppelt

Die Öffnung des Freibads sei ein vernünftiger und sinnvoller Schritt gewesen, so Königsteins Erster Stadtrat rückblickend. Auch wenn die Stadt in diesem Jahr noch mehr Geld zum Erhalt des Badebetriebs zuschießen muss, als die üblichen rund 170 000 Euro pro Jahr. In 2020 rechnet man mit weitaus mehr. "Ich glaube nicht, dass wir da unter dem Doppelten rauskommen", prognostiziert Jörg Pöschl.

Man hoffe auf stabile Wetterverhältnisse, die bis zum Ende der Badesaison konstante Besucherzahlen und Einnahmen bringen.

Neben allen Anstrengungen und Ärgernissen um die Pandemie, scheint das Bad aufgrund der 2020 eingeschränkten Freizeitmöglichkeiten auch Badegäste aus dem Umland anzuziehen. So zum Beispiel eine Familie aus Frankfurt. Man habe "im Internet gestöbert" und sei auf das Königsteiner Freibad aufmerksam geworden, erklärt der Familienvater. Mit seiner Ehefrau und den beiden Töchtern Martha, sieben, und Helene, zehn Jahre, genießt er das Wasser und "den Blick auf die Anlage, die mich an meine Jugend erinnert."

Corona limitiere die Urlaubsplanungen. "Da sind wir froh, dass solche schönen Bäder geöffnet haben und wir etwas in den Sommerferien zu tun haben." Dem pflichten Martha und Helene bei. Sie loben die Planungen der Eltern und planen bereits den nächsten Besuch im Woogtal-Bad - inklusive Rutschpartie.

Denn bei ihrem ersten Besuch liefen die Montagearbeiten an der neuen Rutsche noch. "Die möchten wir unbedingt mal ausprobieren", kündigt Helene an.

Die Stadt leistet sich nach rund 30 Jahren eine nach neuesten Standards gefertigte Rutsche für das Königsteiner Freibad. 22 000 Euro hat das Spielgerät aus Edelstahl am Nichtschwimmerbecken gekostet.

Samt Nebenkosten, also Abbau der alten Rutsche, neuem Fundament und Aufbau des neuen Geräts, liegen die Gesamtkosten bei 26 000 Euro. Doch die Anschaffung musste sein. Die alte, gelbe Kunststoff-Wasserrutsche war in die Jahre gekommen. Am Donnerstag sollte die neue Rutsche bereits einsatzbereit sein.

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