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Geschäftsführer Ulrich Lange (l.) und Ärztlicher Direktor Dr. Michael Schmidt wollen auch künftig die Fahne der wohnortnahen Versorgung für Patienten hochhalten.

St. Josef Krankenhaus Königstein

Im Alter liegt die Zukunft

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Mit dem St. Josef Krankenhaus und damit dem kleinsten und zugleich traditionsreichsten Krankenhaus in Königstein beenden wir heute unsere Klinik-Serie zu „Pinglers Erben“. Für das Krankenhaus im Herzen der Altstadt wird das neue zugleich ein ganz besonders wichtiges Jahr.

„Geboren in St. Josef“ – für ausgewiesene Lokalpatrioten ist das noch immer ein Qualitätsmerkmal, an dem sich der „echte Königsteiner“ erkennen lässt. Zwar ist nachwachsenden Generationen diese Chance genommen, ist die Geburtsstation doch schon seit einigen Jahren geschlossen. Am Herzen liegt das kleine Krankenhaus am Rande des Woogtals aber nach wie vor vielen Königsteinern.

1912 eingeweiht und dann lange Zeit in der Obhut der Armen Dienstmägde Jesu Christi war die kleine Klinik den Königsteinern schon immer lieb, in jüngster Vergangenheit aber auch zunehmend zu teuer geworden. Hatte sich das Krankenhaus nach der Übernahme und Sanierung durch die Stadt 1990 in den Folgejahren noch gut am Markt halten können, so musste die Stadt – nicht zuletzt infolge der Gesundheitsreformen – zuletzt immer mehr Geld zuschießen, um das Haus am Laufen und am Leben zu halten.

Ein „Zuschussbetrieb“, den sich die Stadt nicht leisten kann und den sie mit Hilfe aus Bad Homburg rentabler gestalten wird. Wie bereits berichtet, ist die Hochtaunuskliniken GmbH zum 1. Januar in den bis dahin kurstädtischen Eigenbetrieb eingestiegen und hält jetzt 51 Prozent der Geschäftsanteile. 49 Prozent samt Mitsprache-Recht bleiben bei der Stadt Königstein, und zunächst auch ein nicht unerheblicher Teil der Zuschüsse, sollten die auch künftig erforderlich sein.

Für bis zu 400 000 Euro muss die Stadt in diesem Jahr noch geradestehen, sollte das Krankenhaus neuerlich rote Zahlen schreiben. Im kommenden Jahr soll sich der Betrag auf 300 000, 2018 dann auf 200 000 reduzieren und von 2019 an alljährlich bei 100 000 Euro liegen. Anders hätte man den Verantwortlichen der Kreiskliniken die Fusion mit der kleinen, finanziell angeschlagenen Königsteiner Schwester vermutlich gar nicht schmackhaft machen können.

Allerdings ist Ulrich Lange, Geschäftsführer von St. Josef, sehr wohl davon überzeugt, dass sein Haus ein Gewinn für die neuen Partner aus Bad Homburg sein kann. Vor allem, da in Königstein ein Schwerpunkt gesetzt wird, für den es im Kreis, und nicht nur dort, zunehmend Bedarf geben wird. Die Rede ist von der frührehabilitativen geriatrischen Behandlung.

Für die Nichtmediziner lässt sich das wohl am besten so übersetzen, dass ältere Menschen nach operativen Eingriffen künftig sehr rasch in Königstein Aufnahme finden und auf die eigentliche Rehabilitation vorbereitet werden sollen. Ein Desiderat bei Patienten, Ärzten wie Betriebswirtschaftlern, weiß Ulrich Lange.

Während Akut-Häuser wie die Hochtaunuskliniken, die in der Kreisstadt über eine große geriatrische Abteilung verfügen, so ihre Klinikbetten schneller wieder neubelegen können, haben ältere Patienten, die kurz nach der OP noch nicht fit genug für die eigentliche Reha sind, in Königstein die Möglichkeit, zunächst wieder zu Kräften zu kommen und erste leichte Schritte in Richtung Reha zu machen.

In Bad Homburg eine verbesserte Fluktuation und in Königstein eine bessere Auslastung – wenn das klappt, kann man es wohl eine medizinische Win-Win-Situation nennen. Und das soll die Partnerschaft zwischen St. Josef und den Hochtaunuskliniken im besten Fall ja sein. Und noch dazu eine lukrative. „Die geriatrische Frührehabilitation ist gut dotiert“, unterstreicht Ulrich Lange und meint damit die Vergütung durch die Krankenkassen.

Gerade die hatte in den vergangenen Jahren in St. Josef zunehmend zu wünschen übrig gelassen. Die Gesundheitsreformen, so Lange, hätten große Krankenhäuser bevorteilt, während kleine Einheiten wie das Königsteiner Belegkrankenhaus mit seinen 45 Betten ins Hintertreffen geraten seien. Erschwerend hinzugekommen seien sinkende Patientenzahlen in einigen Fachbereichen.

Zwei Faktoren, die den Zuschussbedarf für St. Josef zuletzt zunehmend in die Höhe getrieben und die Suche nach einem Partner erforderlich gemacht hätten. Lange: „Nach ersten Gesprächen bereits im Jahr 2009, sind wir seit 2012 in Verhandlungen gewesen und froh, dass wir jetzt eine Einigung erzielt haben.“

„Ich denke, es war eine gute Entscheidung und zudem ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der wohnortnahen Versorgung hier im Westen des Taunus. Zudem eröffnet die Partnerschaft über eine zusätzliche Auslastung auch wieder Zukunftsperspektiven für St. Josef“, betont der Geschäftsführer der Königsteiner Klinik. Eine Funktion, die er auch künftig bekleiden soll (siehe unten). Wie überhaupt sich am bestehenden Personaltableau wie auch am Leistungsspektrum nichts ändern soll.

Station 1 bleibt den Belegärzten vorbehalten, die auch weiterhin hier Leistungen in den Bereichen Chirurgie mit Schwerpunkt Orthopädie sowie Innere Medizin mit dem Fokus vor allem auf Nephrologie und Onkologie anbieten werden. „Hier sind 25 Betten vorhanden, die die Ärzte auch gut auslasten können“, betont Lange.

Für das neue geriatrische Angebot sind die 20 Betten vorgesehen, die demHaus auf Station 2 zur Verfügung stehen. Ein Bereich des Hauses, der in den vergangenen Jahren weitgehend stillgelegt war und auch bei der letzten Sanierung vor 15 Jahren bewusst ausgespart worden war.

Mit Fördermitteln des Landes wurde und wird diese Station jetzt auf den neuesten Stand gebracht und mit Blick auf die besonderen Erfordernisse der Geriatrie eingerichtet. Was das Personal angeht, so Lange, seien Einsparungen kein Thema. Zwar seien einige der 53 Voll- und Teilzeit-Mitarbeiter für die Zeit des Umbaus im alten Jahr nach Bad Homburg „abgegeben worden“, um dort auf die neue Aufgabe vorbereitet zu werden. „Das Arbeitsverhältnis bei uns ruhte in dieser Zeit.“ Seit 1. Januar jedoch seien sie wieder bei der St.-Josef-Krankenhaus-Betriebs GmbH.

Ob auch alle Beleg-Mediziner – zuletzt nutzten fünf internistische und neun chirurgische Praxen die Klinik – unter der neuen Führungsstruktur an Bord bleiben? „Bislang hat keiner gesagt, dass er gehen will“, betont Lange. Im Gegenteil. Er hofft sogar, dass sich auch für die Belegmediziner neue Synergie-Möglichkeiten auftun.

Natürlich könne man niemandem vorschreiben, welche Klinik er seinen Patienten anrate. Aber die Hochtaunuskliniken in Bad Homburg bräuchten nach dem Neubau nicht nur, was die Qualität der medizinischen Versorgung angehe, sondern auch, was zeitgemäße Räumlichkeiten betreffe, den Wettbewerb mit anderen Einrichtungen im Umkreis sicher nicht zu scheuen. Lange: „Ich kann unseren Ärzten nur raten, dieses neue Angebot zu nutzen.“

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