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Das Band der Freundschaft wird halten

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Von: Stefan Jung

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Musikalisch untermalt von Pia von Wersebe an der Violine feierten Wolfgang Riedel (li.) und die Mitglieder des Förderkreises das neue Jahr.
Musikalisch untermalt von Pia von Wersebe an der Violine feierten Wolfgang Riedel (li.) und die Mitglieder des Förderkreises das neue Jahr. © Jochen Reichwein

„Bonne année!“ Küsschen links, Küsschen rechts und dann ein Gläschen mit „Crémant d’ Alsace“ – auf die feine französische Art haben Mitglieder und Freunde des Förderkreises der Städtepartnerschaft mit Le Cannet am Sonntag den Beginn des neuen Jahres gefeiert. Ein Jahr, das für Europa im Ganzen, aber auch für die deutsch-französische Freundschaft im Speziellen zur echten Belastungsprobe werden könnte.

Alexander Freiherr von Bethmann (FDP) hat nachgeschaut: Mehr als ein Drittel der rund 6000 hierzulande bestehenden Städtepartnerschaften verbindet deutsche und französische Städte. Damit, das ist auch die Hoffnung des Königsteiner Parlamentschefs, sollte das Band über den Rhein hinweg doch besonders dick und strapazierfähig sein. Eigenschaften, die 2017 besonders wichtig werden könnten.

Es stehen schließlich wegweisende Entscheidungen in beiden Ländern an. Während die Franzosen ein neues Staatsoberhaupt und zudem eine neue Nationalversammlung wählen, entscheiden die Wähler in Deutschland über die Zusammensetzung des nächsten Bundestages und damit indirekt über die Vergabe der Kanzlerschaft. Und das alles in schwierigen Zeiten.

Es sind „Schicksalswahlen“, vor denen Europa stehe, schlug von Bethmann in seinem Grußwort zum Neujahrsempfang des Förderkreises der Städtepartnerschaft zwischen Königstein und Le Cannet durchaus nachdenkliche Töne an.

Ähnlich besorgt hatte sich zuvor auch schon Wolfgang Riedel, der Vorsitzende des Förderkreises, im Haus der Begegnung geäußert. „Sollte Marine Le Pen in den Élysée-Palast einziehen, droht dem gemeinsamen Europa eine schwere Krise, vielleicht sogar der Zusammenbruch“, schwante Riedel bei einem möglichen Wahlsieg des rechtskonservativen „Front National“ nichts Gutes. Ein Wiedererstarken nationalistischer wie protektionistischer Tendenzen in Europa könne vieles von dem zunichte machen, was in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg an Versöhnung und supranationaler Einheit erreicht worden sei.

Umso wichtiger sei es, die Freundschaften zwischen den Menschen in beiden Ländern zu pflegen und stetig wieder mit neuem Leben und neuen Ideen zu füllen. Ein Ziel, das sich laut Riedel auch der Vorstand des Förderkreises gesetzt habe. Denn: „Städtepartnerschaften leben vor allem von den persönlichen Kontakten.“

So froh und stolz er darauf sei, so viele vertraute Gesichter wie engagierte Kräfte beim Neujahrsempfang begrüßen zu dürfen, so wichtig sei es denn auch, jüngere Menschen für das Projekt Städtepartnerschaft und damit letztlich für das Leben des gemeinsamen europäischen Gedankens zu begeistern.

Seitens des Vereins, so Riedel, sei man sich sehr wohl bewusst, dass man in Zeiten, in denen es für viele junge Leute selbstverständlich sei, durch die ganze Welt zu reisen, neue Wege beschreiten und neue Angebote machen müsse. Der Austausch zwischen der Königsteiner St. Angela-Schule und einer Partnerschule an der Côte d’Azur sei da ein vielversprechendes Beispiel.

Klassiker und ein Highlight

Dass man die Traditionen und liebgewonnenen Klassiker im Jahresprogramm nicht fallen lassen werde, verstehe sich von selbst. Sei es die Wein- und Olivenprobe oder seien es die Wanderungen mit Dr. Walter Sambeth und Heinz Alter – diese und andere Angebote hätten auch im neuen Jahr ihren festen Platz im Kalender des Partnerschaftsvereins.

Gleiches gilt natürlich für das Highlight 2017 – die Feier des 45-jährigen Bestehens der Partnerschaft mit Le Cannet. Wie bereits berichtet, kommen die Gäste aus Südfrankreich am 22. Juni in den Taunus, um dort sowohl das Jubiläum der Jumelage als auch das Burgfest zu feiern.

Wie viele Cannetaner erwartet werden? So ganz genau wisse er das auch noch nicht, räumte Riedel schmunzelnd ein. Die örtliche Folklore-Gruppe habe sich zwar schon mit rund 20 Personen angekündigt, ansonsten jedoch sei der Rücklauf bislang etwas „zäh“.

Eine Feststellung, die dem Vereinschef ein vielfaches wie verständnisvolles Nicken seiner Zuhörer eintrug. „So sind sie halt – unsere französischen Freunde“, raunte es amüsiert durchs Foyer. Da entscheide man sich eben gerne mal etwas später. Eine Eigentümlichkeit, mit der man in 45 Jahren der Freundschaft nicht nur zu leben, sondern die man sogar zu lieben gelernt hat. Da ist es dann wieder, dieses entspannte „laissez faire“, mit dem sich der Deutsche doch manchmal etwas schwertut.

Feststeht schon jetzt, dass der Förderkreis zum Burgfest-Umzug seit längerer Zeit mal wieder mit einem eigenen Festwagen mitrollen wird. Die Eltern der amtierenden Lavendelkönigin Johanna Haug haben laut Wolfgang Riedel bereits signalisiert, dass sie das entsprechende Gefährt zur Verfügung stellen werden.

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